Himmelskleid im Wohnzimmer?

Ein Thema, das immer wieder aufkommt, ist die Ritaulkleidung. Das Himmelskleid (engl. „skyclad“, steht für Nacktheit) wird gern mit Hexen in Verbindung gebracht – nicht ganz zu Unrecht. Jene, die nackt Rituale abhalten, behaupten, dies mache ihre Natürlichkeit deutlicher und würde sie davor bewahren, dass Kleidung den Energiefluss hemmt.

Ich finde, dass das so nicht stimmt. Sicher würde ich zu einem Ritual – als Praktizierende einer Naturreligion – keine glitzernden Kleidchen aus synthetischen Stoffen tragen. Aber als Großstadthexe ohne eigenes Grundstück würde mich Nacktheit an mein Wohnzimmer binden, was sehr schade wäre. Wobei auch auf dem Land die Nacktheit nicht allzu praktikabel ist, denn selbst wenn man vor der Störung anderer Menschen sicher ist, macht einem die Witterung gern einen Strich durch die Rechnung.

Wenn man generell den Schutz der eigenen vier Wände vorzieht, sobald man magisch tätig wird, ist es natürlich ganz egal, ob man nun Kleidung trägt oder nicht. Bei manchen Gelegenheiten macht es Sinn – z.B. wäre ein magisches Bad, wie es die afrikanische Tradition kennt, mit Kleidung doch sehr seltsam. 😉 Oder auch für ein Schönheits- oder Selbstwertgefühlsritual kann Nacktheit eine wichtige Bedeutung haben. Dennoch sollte man das tun, womit man sich wohl und sicher fühlt. Fast alle von uns haben leider unsere Problemzonen und Komplexe und es tut unserer Magie nichts Gutes, wenn wir uns ob dieser Unsicherheiten nicht fallen lassen können. Gerade in einer Gruppe ist dies verständlicherweise schwer und erfordert viel Vertrauen und Selbstbewusstsein, das nicht so einfach vorausgesetzt werden sollte.

Und was trägt man nun bei einem Ritual?

Tja, was einem gefällt. Wer möchte, kann sich eine Ritualrobe kaufen oder selber nähen. Dies verbessert nicht die magischen Kräfte, aber es erleichtert den Übergang von Alltag zu Ritual. Mit eurer gewöhnlichen Kleidung streift ihr eure Sorgen, Probleme und Zweifel ab, mit dem Ritualgewand legt ihr Macht, Sicherheit und magisches Bewusstsein an. Ihr könnt eine solche Robe farblich so auswählen, dass sie Schutz (weiß/schwarz), spirituelle Kraft (violett) oder Prosperität (grün) fördert. Ihr könnt sie mit ebenfalls dazu passenden Steinen verzieren, die ihr einnäht oder aufklebt (z.B. Schörl für Schutz, Amethyst für Weisheit, Mondstein für die Kraft der Göttin, usw.) oder auch mit Symbolen wie dem Pentagramm, der Triskele, Triquetta, dem Ankh, usw.

Man kann diese Kleidung auch ganz leicht energetisch reinigen (z.B. durch Salz oder eine Räucherung) oder aufladen (in der Sonne).

Ich persönlich bevorzuge inzwischen, das zu tragen, was für mich gerade zum Ritual passt. Das mag ein fröhliches, rot-grünes Kleid für Beltane sein, ein langer dunkler Mantel für Samhain, ein grüner Pullover für ein Geldritual oder ein normaler Pyjama, wenn ich nachts aufwache und merke, die Zeit ist recht für einen bestimmten Zauber.

In diesem Sinne rate ich wie immer: Probieren geht über Studieren!

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2 Gedanken zu “Himmelskleid im Wohnzimmer?

  1. Dazu fällt mir Terry Pratchett ein: „Most books on witchcraft will tell you that witches work naked. This is because most books on witchcraft are written by men.“

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