Rezension: The Goddess Oracle (Göttinnengeflüster)

Neben den klassichen Kartendecks des Tarot, Lenormand und Kipper gibt es zahlreiche Orakeldecks, die mithin komplett unterschiedlich sind. Ein Orakel kommt einem aber recht häufig unter, wenn man sich mit Hexen – insbesondere auch mit dianischen – unterhält: Das Göttinnengeflüster (auf deutsch) bzw. Goddess Oracle von Amy Sophia Marashinsky und Hrana Janto. Hier handelt es sich um ein wunderschönes, authentisches, inspirierendes Deck mit 52 Karten, die Göttinnen verschiedener Kulturen abbilden.

52 Karten – quasi eine Göttin für jede Woche, die das Jahr hat. Dabei sind die bekannten Göttinnen wie Aphrodite, Artemis, Hekate oder Isis ebenso vertreten wie die in unseren Breitengraden nicht allzu bekannten Sulis, Sheila Na Gig, Nu Kua oder Coatlicue. All diesen Göttinnen ist eine ausdrucksvolle, ansprechende Karte gewidmet, die ein größeres Format hat als die meisten Tarot-/Orakelkarten, was den detailverliebten, künstlerisch wertvollen Bildern jedoch am besten gerecht wird. Zusätzlich zum Portrait der Göttin gibt es noch ein kurzes Schlagwort wie „Power“, „Relationship“, „Creativity“, „Crisis“ u.a. Man mag darüber streiten, ob ein einziger Aspekt der Göttin gerecht wird, aber man muss diese Schlagworte ja nicht als abschließend ansehen.

Im Buch zu den Karten geht Amy S. Marashinsky dann zunächst auf ihren Weg zur Göttin ein und warum das Wiederentdecken und Ehren der Göttin bzw. aller Göttinnen in unserer Zeit wichtig ist – warum wir selbst Göttinnen sind und danach streben sollten, heil und ganz zu werden und wie wir dies erreichen können. Sie geht weiterhin auf die Geschichte der Orakel ein und wie man das „Goddess Oracle“ nutzen kann, wie man Rituale einbindet und welche Legemuster möglich sind – dabei gibt sie nur Anregungen, keine starren Vorschriften.

Im Deutungsteil geht die Autorin dann auf jede einzelne Karte näher ein. Zunächst lässt sie die Göttin selbst sprechen in teilweise sehr poetischen Worten. Ein Mythos der behandelten Göttin wird danach kurz geschildert, darauf folgend dann die möglichen Bedeutungen der Karte (die keinesfalls abschließend sind) und ein einfach durchzuführenden Ritualvorschlag. Natürlich werden die Göttinnen in einem so dünnen Buch eher oberflächlich beschrieben – zur wirklich tiefen Auseinandersetzung taugt das nicht, da muss man schon anderweitig weiterlesen oder sich persönlich mit der jeweiligen Göttin auf verbinden.

Letztlich hat man aber unzählige Möglichkeiten, mit diesem Deck zu arbeiten und die Autorin regt diese Freiheit und Kreativität auch an, es gibt hier keine Regeln oder Dogmen, nur den individuellen Zugang. Ob man nun tatsächlich mit den Karten orakelt oder die Innenschau bemüht, ob man sie in welcher Form auch immer ritualistisch verwendet, ob man einfach nur darüber meditiert – alles ist möglich und bringt interessante Einsichten zum Thema Göttinnen, Archetypen, Emotionen und Bedürfnisse. Das Deck ist unglaublich zugänglich und intensiv, sodass man sich schnell einfühlt und damit verbindet. Die Symbolsprache der Karten ist nicht so subtil, wie man sie vielleicht beim Tarot hat, aber dies empfinde ich auch eher als Vorteil und es macht das Deck nicht weniger komplex in seinen Deutungsmöglichkeiten. Die Göttinnen sind zudem nicht halbnackte, fehlerlose wunderschöne Wesen, wie man sie gern mal auf Portraits oder in Form von Statuen findet – es sind alte und junge Frauengestalten (oder Tiergestalten wie Bastet, die Katzengöttin), schöne und hässliche, schwarze und weiße, füllige und dürre. Und auch das macht ihre Lebendigkeit und Anziehungskraft aus. Dabei werden die Bilder den Göttinnen teilweise besser gerecht als die Buchtexte, die die Göttinnen für meinen Geschmack manchmal zu seicht und weich darstellen und ihre kriegerischen, zerstörerischen Aspekte vernachlässigen oder stark in den Hintergrund rücken.

Ein Wermutstropfen ist zudem der stolze Preis von 33 Euro für das deutsche Set – die englische Version gibt es deutlich günstiger.

Wertung: 4 von 5 flüsternden Göttinnen für dieses wundervoll gezeichnete Orakel, das einem einen einfachen, aber tiefen Zugang zu sich selbst und zu Göttinnen gewährt.

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2 Gedanken zu “Rezension: The Goddess Oracle (Göttinnengeflüster)

  1. Lese mich gerade durch deinen Blog, und hier muss ich auch mal meinen Senf dazugeben 😉
    Habe mal einen Teil des Decks vor Jahren in der Cosmopolitan gefunden und fand es damals schon klasse. Leider ging das aber durch den Umzug verloren.
    Der Preis hat mich von einer Neuerwerbung sehr abgeschreckt, aber letzten Endes habe ich dann doch investiert und muss sagen- ich habe es nie bereut.
    Die Karten sind einfach nur wunderschön, auch wenn ich nicht mit allen Beschreibungen oder der Legendenauswahl einverstanden bin. Gerade Einsteiger in die Göttinnwelt finden hier aber viele interessante Dinge, die zum Weiterlesen animieren.
    Mit diesen Karten komme ich auch besser klar als mit „normalen“ Tarotkarten, der Zugang stimmt einfach. Würde also jedem empfehlen, die Karten mal auszuprobieren! Sie sind ihr Geld wert 😉

    • Ja, von all den Göttinendecks ist das, denke ich, wirklich das Beste. Schade finde ich nur, dass es sowas nicht auch für den männlichen Aspekt gibt. Mir ist nur ein Götter-Tarot bekannt, aber das sprach mich leider gar nicht an.

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