Rezension: Stimme der Geister von Rotraud Saeki

„Zwischen den vier japanischen Hauptinseln und Taiwan liegt Okinawa, eine mehr als tausend Kilometer lange Inselkette. Bis 1879 bildeten diese Inseln ein eigenes Königreich mit dem Namen Ryûkyû, heute gehören sie zu Japan. Sie gelten als die Region mit der weltweit höchsten Lebenserwartung.

Hier haben sich bis heute auch schamanische Traditionen lebendig erhalten, die Rotraud Saeki miterlebt, gesammelt und aufgeschrieben hat.“

Okinawa ist für uns eine fremde Inselwelt mit einer faszinierenden Kultur, einer reichen Pflanzenwelt und beängstigenden Naturgewalten wie Tsunamis oder Erdbeben. Auf dieser Insel kann man die unterschiedlichsten Götter finden, deren Diener und Priester noro, yuta, munusen oder kankakarya genannt werden, die Botschaften von Geistern empfangen oder von denen die Götter Besitz ergreifen und sie ihre Dienste verrichten lassen. Rotraud Saeki beschreibt in diesem Buch zunächst Okinawa und die Geschichte der weisen Frauen und Männer dort, danach lässt sie diese selbst sprechen, indem sie ihre Erzählungen an den Leser weitergibt.

Diese sind Geister- und Göttergeschichten der anderen Art – sie flößen keine große Angst ein, sie sind nicht dramatisch, effektheischerisch oder abgehoben. Es sind sachlich, ernst und gemächlich erzählte Geschichten von einfachen Leuten, die auf verschiedene Art und Weise mit der geistigen Welt zu tun hatten. Und diese Welt der Geister und Götter ist kein Fremdkörper, nicht außergewöhnlich, sondern ein natürlicher Teil der Inselwelt. Genau deshalb klingen die Erzählungen auch authentisch. Auch wenn man Schwierigkeiten hat, sich in diese Welt hineinzuversetzen, wo der Geist einer Verwandten erscheint, weil er zu wenig Totengeld aus Papier mitbekommen hat, was schleunigst wieder gutgemacht werden muss oder wo die Verstorbene ihre Familie ersucht, ihren Lieblingskimono in das Geisterreich zu schicken. Aber dies macht die Geschichten nicht unglaubwürdig, es weckt eher Interesse und Faszination für die vielfältigen Bräuche und den Glauben der Einwohner Okinawas und ihrer SchamanInnen. Den runden Abschluss bietet ein Bericht der Autorin selbst, in dem von einem Festgottesdienst an einem Heiligtum auf der Insel Miyako erzählt, bei dem sich für sie eine bis dato unbekannte Welt offenbart hat. Danach klappt man das Buch zu – und ist dankbar für all die spannenden Erfahrungen und Geschichten, die diese Menschen zu teilen bereit waren und neugierig auf mehr von den Göttern und Geistern, Heiligtümern und Priesterinnen Okinawas geworden.

 

Stimme der Geister – Schamanistische Geschichten aus Okinawa

Herausgeber: Rotraud Saeki

Broschiert, 192 Seiten, erschienen im Verlag Königsfurt Urania

ISBN 13: 978-3868260267

 

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4 Gedanken zu “Rezension: Stimme der Geister von Rotraud Saeki

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