Moderne Hexen und Heiden in Romanen

Ich lese ja nicht nur gern Sachbücher für Heiden, sondern ab und an auch solche, in denen Hexen und Heiden die Hauptrolle spielen. Häufig sind die natürlich ein bisschen überzeichnet und das, was den Romanhelden passiert, ist wesentlich abenteuerlicher als das reale Dasein als magisch tätiger oder naturspiritueller Mensch. Trotzdem finde ich es interessant, was man so für Parallelen zu den eigenen Praktiken findet, wie die Romanhelden vielleicht gerade ihre Jahreskreisfeste feiern oder wie sie Lektionen im Umgang mit Magie, Fähigkeiten oder Göttern lernen, die man selbst schon lernen musste.

Hier mal ein paar Beispiele: „Magic Circle“ von Isobel Bird
Eine mehrteilige Reihe über 3 höchst unterschiedliche Mädchen, die seperat voneinander ein (eher schlechtes) Buch über moderne Magie finden, damit rumexperimentieren und ein ziemliches Chaos anrichten. Sie finden zueinander und können die Probleme gemeinsam lösen. Fasziniert von der Magie beschließen die Mädchen, gemeinsam mehr darüber zu lernen. Hilfreich dabei ist eine Buchhandlung für Magie, deren Besitzer zudem in einem Coven sind. Hier absolvieren die Mädchen letztlich auch eine Lehrzeit von einem Jahr und einem Tag, wo sie einiges über Rituale, Tarot, den Jahreskreis, Götter, usw. lernen.

Die Bücher haben eindeutig eine jugendliche Zielgruppe, sie sind sehr simpel und flüssig geschrieben und auch recht kurz. Ich habe sie vor vielen Jahren zum ersten Mal gelesen und sie gefielen mehr sehr gut, da sie tatsächlich auf viele Probleme wunderbar eingehen, die man vielleicht als „Junghexe“ haben mag, zum Beispiel hadert eine der Protagonistinnen stets damit, ob es ihrer Beliebtheit schaden würde, wenn man herausfindet, dass sie sich mit Magie beschäftigt, während eine andere plötzlich dem Beliebtheitsrausch erliegt, als sie beginnt, dank ihres Talents für die Tarotkarten zu Parties eingeladen und von vielen Mädchen wie eine Freundin behandelt zu werden. Auch geht es um Gewissenskonflikte, wenn man vor seinen Eltern dieses neue „Hobby“ geheimhalten muss, um das Umgehen mit Veränderungen, die man durchmacht, um Gruppenkonflikte und natürlich um Allerhand magisches. Ich bewahre die Bücher für etwaige Kinder auf jeden Fall auf. 😉

Bast Mystery Series von Rosemary Edgehill
Diese Serie richtet sich an Erwachsene. Die toughe Protagonistin, deren Spitzname Bast lautet, ist Wicca, hauptberuflich Designerin und legt nebenbei die Karten. Um den Mord an einem Freund aufzuklären, versucht sie sich zudem noch als Detektivin im okkulten Untergrund New Yorks.
Bisher habe ich die Romane nicht gelesen, was ich aber definitiv nachholen will, da ich nur Gutes darüber gehört habe und die Serie generell als absolute Perle paganer Literatur gehandelt wird. Natürlich geht es auch hier mal nicht ganz realistisch zu – es ist schließlich immer noch ein paranormaler Krimi – trotzdem soll der Blick auf den paganen Hintergrund sehr realistisch sein. Die einzelnen Romane sind scheinbar vergriffen, zusammengefasst findet man alle 3 Bücher in „Bell, Book and Murder“.

Ähnlich (also auch ein Krimi mit Wicca-Protagonist), nur mit mehr paranormalen Momenten und männlichem Helden: Die Rowan Gant Mysteries Series von M. R. Sellars.

Wiederum ähnlich, diesmal aber löst ein ganzer Coven bestehend aus 5 Hexen aus New England Fälle: Circle of Five von Dolores Stewart Riccio

Und außerdem aus der Krimi-Sektion, allerdings mit starkem Liebesromaneinschlag: Die Stoner McTavish Romane von Sarah Dreher (gibt es auch in deutscher Übersetzung)
Die Heldin ist auch hier quasi nebenberuflich Hobbydetektivin. Sie lebt mit ihrer Tante zusammen, die ein Medium ist. Die magische Seite ist hier nicht Dreh- und Angelpunkt, spielt aber durchaus mit hinein, wenn es um Visionen, Schamanentum, Wicca und okkulte Praktiken geht. Sehr einfühlsam und etwas kitschig wird die lesbische Beziehung von Stoner behandelt, aber auch Humor und Nervenkitzel sowie feministische Einschübe kommen nicht zu kurz.

Marion Zimmer Bradley, deren „Nebel von Avalon“-Romane von vielen (gerade dianischen) Hexen heißgeliebt sind, hat auch einige Romane über Neuheiden geschrieben, z. B. „Hüter der Schatten“ oder „Die Teufelsanbeter“. Wer generell nichts mit Frau Bradley anfangen kann, der wird auch an diesen Romanen keine Freude haben – und auch allen anderen kann ich sie nicht unbedingt empfehlen, da die Plots doch teilweise sehr unausgereift scheinen.

Paul Coelho – Die Hexe von Portobello

Die Heldin des Buches, Athena, Tochter einer Roma, die sie in einem Waisenhaus abgab, war eine erfolgreiche Immobilienmaklerin, die hellseherische Kräfte entwickelte. Schon zu Beginn des Buches erfährt man, dass Athena verschwunden ist, vielleicht bereits tot, ihre Geschichte wird von verschiedenen Personen erzählt, die mit ihr bekannt waren.
Coelho scheidet die Geister – die einen finden ihn brillant, höchstspirituell und weise, die anderen graust es bei seinen esoterischen Belanglosigkeiten und sinnleerem Geschwafel. Sicher kann man sich in einigen Punkten in der Hauptfigur wiedererkennen und es werden auch interessante Themen behandelt – Religion und Spiritualität, Magie, Logen, Initiationsriten, New Age Philosophie, Frauenrolle, etc. Man ahnt es schon: Sowohl die Moralkeule taucht hier auf als auch das Problem der Oberflächlichkeit, die bei einer solchen thematischen Bandbreite fast unvermeidbar ist. Coelho-Fans werden es vielleicht dennoch mögen.

So, das soll es für’s erste gewesen sein; würde ich alle Bücher, die mir zu dem Thema einfallen aufzählen, würde der Post doch arg lang werden. Es gibt aber sicher eine Fortsetzung. 🙂

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4 Gedanken zu “Moderne Hexen und Heiden in Romanen

  1. Die Magic Circle Reihe habe ich als Teenie total geliebt. Leider wurden ja nur die ersten 8 (oder 9)? Bände ins Deutsche übersetzt, deswegen hab ich mir dann irgendwann alle 15 Bände auf Englisch besorgt…Ich mag sie auch heute, mit 22 noch sehr gerne, aber es sind trotzdem eher Jugendbücher 😉

    Marion Zimmer Bradleys Bücher mag ich auch total gerne und die Hexe von Portobello habe ich schon hier und ich werde es bald lesen 😉

    • Ich habe nicht mal alle deutschen Bände gelesen, wollte das aber immer mal nachholen (hab letztens bei Booklooker ein Packen Bücher der Reihe erstanden), weil ich die auch immer noch sehr schön finde und sie so mit mein Einstieg ins Heidendasein waren. 🙂
      Demnächst werde ich erstmal „Die Neben von Avalon“ von MZB lesen … irgendwie habe ich das bisher nie geschafft, obwohl es seit Jahren auf meiner Liste steht.

  2. Die Magic Circle Bücher stehen sogar bei mir „Oma“ noch im Regal, obwohl ich sonst keine Romane behalte. Ich finde sie immer noch richtig nett.
    Momentan lese ich die „Schwestern des Mondes“-Bücher von Jasemin Galenorn und bin da grade bei Band 5. Da ist auch viel „Heiden-Wissen“ drin und einfach gute, leichte Unterhaltung.
    Zur Zeit ist überhaupt so viel Mystik und Magie in der Jugendliteratur, dass ich mich in der Bücherei fast nur noch in dieser Ecke herumtreibe 🙂
    Wie du oben schon schreibst, flüssig geschrieben, leichte Kost und nicht zu dick = ideale Bettlektüre.

    LG Alruna

  3. Ich glaub, die „Schwestern des Mondes“ guck ich mir auch mal an. Und ja, scheint grad großes Thema zu sein, neulich lief ich auch an einem Buch vorbei, dessen Titel „Die Hexen“ lautete … tja, jetzt stehen wir schon neben „Die Elfen“, „Die Zwerge“ und Co., welch zweifelhafte Ehre. 😉
    Alles Liebe,
    Liath

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