Stichomantie

Ich bin ja eine Freundin besonderer, absurder oder einfach sehr kreativer Wahrsagemethoden. Und dass ich bibliophil bin, wissen die meisten auch, die mich – und meine heißgeliebten Bücherstapel (allein der Stapel ungelesener Bücher beträgt derzeit ca. 80 Stück) – einigermaßen gut kennen.
Daher verwundert es wohl nicht, wenn ich Stichomantie sehr spannend finde, auch bekannt unter dem Namen Bibliomantie. Dabei hat der jeweilige Wahrsager eine Frage gestellt und daraufhin mit einem Messer in ein Buch gestochen (das arme Buch!), die erdolchte Textstelle wurde dann gedeutet wie ein Orakel. Bereits in der Antike war diese Form der Wahrsagerei bekannt, benutzt wurden dafür beispielsweise Werke Homers (auch der Begriff Homeromantie kam auf). Später mussten „heilige“ Bücher wie die Bibel herhalten (bekannt als Bibelstechen, ein Brauch, der von einigen evangelischen Christen zu Silvester praktiziert wurde). Das Messer wurde glücklicherweise irgendwann abgelöst vom bloßen Finger, der das Buch durchblättert und irgendwann auf einer Textstelle verharrt.

Ich habe das heute (mal wieder) ausprobiert und gefragt, was ich bei meiner in naher Zukunft anstehenden Studienabschlussarbeit beachten sollte. Ich gehe dabei einfach ein bisschen blind vor den Bücherregalen auf und ab und versuche zu erspüren, zu welchem Buch es mich zieht und wenn ich es gefunden habe, zu welcher Seite es mich zieht (andere lassen das Buch einfach fallen o.ä.). Dann schaue ich mir sowohl den ersten Satz dieser Seite an als auch den, auf den mein Finger zeigt.
Heraus gekommen ist:
>>“Bereitet mich für ein scharfes Schwert vor, das ihr mit der rechten Hand zieht.“ […]
Scharfe Zähne machten ein klackerndes Geräusch und es holte mit dem Schwanz zu einem zweiten Schlag aus.<<

(Man erahnt es vielleicht, es handelt sich um einen Fantasy-Roman. ^^)

Der erste Satz ließ sich für mich leicht deuten – das Schwert als Symbol der Luft und des Verstandes, die rechte Hand ist verknüpft mit der linken Gehirnhälfte, die für Logik und Sprache zuständig ist, es ist auch meine Schreibhand. Heißt für mich unter anderem, was ich schon geahnt habe und was auch die Dozenten immer wieder raten: Kreativität zahlt sich in dieser Arbeit nicht aus.
Über den zweiten Satz muss ich noch ein bisschen brüten, wobei ich mir gut vorstellen kann, dass mir die Arbeit irgendwann ziemlich monströs erscheinen wird. 😉

Versucht es doch auch mal und wenn ihr mögt, teilt eure Sätze!

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6 Gedanken zu “Stichomantie

  1. Ich versuche es mal – aber mit deinem zweiten Satz *fg*
    Die Scharfen Zähne sind dann die Kritiker deiner Arbeit, die etwas zu kritisieren haben (Professor??) du kannst diesen (zweiten) Schlag aber mit deinem Schwert (der Verstand) abwehren 😀 Sei vorbereitet…

    Zu meiner eigenen Frage (ich mag sowas):Frage „Wo finde ich die Motivation „X“ anzufangen/ „X“ auf zu hören…?“
    Antwort des Buches: „Erwachsen sein bedeutet Sicherheit“

    Aha… das sagt mir wenig… Ist also das Erwachsen sein das, was ich erreichen soll, oder etwas, was ich ablegen soll??
    Hat wer noch ne Idee??

  2. Danke für deine Interpretation, das passt auch sehr gut!

    Zu deinem Satz: Sicherheit ist ja oft mit Stillstand verbunden, also steht es dem Beginnen von etwas oder dem Aufhören mit etwas eventuell im Weg. Daher würde ich sagen, dass dir das Erwachsen sein im Wege steht bei der angestrebten Veränderung, dass du vielleicht eher einen kindlichen, spielerischen Zugang brauchst.

    BB
    Liath

    • Ich danke dir sehr, und kann nur sagen: Ich schätze, du hast Recht… ich bleibe wenig in „meinen“ Energien und spiele zu wenig… Wenn ich aufhöre Erwachsen zu sein 8oder sien zu wollen), dann bin verbinde ich mich wieder mit dem was ich eigentlich bin: Chaos… *lach* Und daraus werden ja bekanntlich Sterne geboren…

      Du hast mir sehr geholfen – Vielen Dank *umarm*

  3. Das Bibelstechen (mit dem Finger!) hat bei mir nie funktioniert. Aber das Herumlaufen vor dem Bücherregal wie du es beschreibst, das klappt ganz gut. Ich nenne es „vom Bibliotheksgeist geführt werden).
    Liebe Grüße, Alruna

    PS: ich habe derzeit genau 1.121 ungelesene Bücher… Aber ich arbeite am „Abarbeiten“ 😀

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