Heimatbesuch und Ostereier?

Über die Feiertage fahre ich mal wieder in die Heimat. Es wird auch Zeit, ich merke, wie sehr mich das Großstadtleben mal wieder nervt und wie ich mich nach einem unversperrten Blick auf das weite Land sehne, nach dem „Muh“ der Kühe, nach den unzähligen Vogelgeräuschen, nach meinen Lieblingsbäumen. Überhaupt fühlen sich für mich Stadtbäume ganz anders an als Landbäume. Geht es euch auch so?

Zu Ostern gibt es in meiner Heimat auch noch allerhand Bräuche, die Feuer werden angezündet, Osterwasser geholt, mit Stüpruten durch’s Dorf gezogen und natürlich werden auch Eier gefärbt. Und obwohl ich in zwischen versuche, vegan zu leben, finde ich daran nichts allzu schlimmes, jedenfalls nicht in der Form, wie es im dörflichen Rahmen praktiziert wird, wo alle ihre eigenen Hühner haben, die munter über den Hof stolzieren.

Ich erinne mich noch genau, wie sehr ich mich gefreut habe, die ersten Eier im Frühling zu finden, wenn die alten Damen, unsere Hennen, wieder welche gelegt haben. Es ist das erste Zeichen der beginnenden Fülle gewesen – statt eingekellerter oder eingeweckter Lebensmittel gab es nun bald wieder Frische in Hülle und Fülle. Die meisten werden das nicht mehr verstehen – es gibt doch Supermärkte, man kann doch immer alles kaufen. Nee, war bei uns im verschlafenen Dörfchen nicht so. Supermärkte waren weit weg und ohne ein Auto war man eben weit überwiegend auf das angewiesen, was man selbst erwirtschaftet oder gesammelt hat. Für mich hat es nichts mit Grausamkeit, Tod oder Zerstörung zu tun, wenn man die ersten Eier des Frühlings bemalt und gegessen hat. Es bedeutete – für uns – tatsächlich Leben, Neuanfang.

Ich lese viele vegane oder vegan-pagane Blogs sehr gern, aber ich kann immer nur den Kopf schütteln, wenn ich sowas lese wie „Du bist nicht spirituell/ein schlechter Heide, wenn du Eier/Fleisch isst!“. Ich fühle mich dem Heidentum auch deshalb so verbunden, weil es jedem eine Heimat bietet – egal ob Frau, Mann oder Trans, egel ob hetero oder homo, egal welche Hautfarbe jemand hat. Und egal, ob jemand Omnie, Veggie oder sonstwas ist. Wenigstens im Heidentum sollte man seine Spiritualität so ausleben, den Jahreskreis so feiern dürfen, wie man es möchte, ohne Dogmen und ohne dass jemand den Finger erhebt oder ein Urteil spricht (weshalb ich auch das dreifache Gesetz inzwischen ablehne). Umgekehrt gilt das Ganze natürlich auch – dass jemand meint, es sei  genussverneinend und unspirituell, wenn man vegan lebt, ist genauso bescheuert und falsch.

Ich wünsche euch allen ein frohes Osterfest, ein schönes Ostara, ein tolles Esbat oder einfach nur angenehme Feiertage!

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7 Gedanken zu “Heimatbesuch und Ostereier?

    • Amala, ich finde das mit den Osterlämmern auch pervers und habe auch früher nie welche gegessen. Und die moderne Eierproduktion ist auch einfach schrecklich. Oder die Kaninchenhaltung. Oder-oder-oder – alles Gründe, warum ich mich auch gegen das Fleischessen und langsam für eine vegane Ernährung entschieden habe.

      Ich sage auch nichts gegen Aufklärung, wie du oder andere sie betreiben, oder eine Haltung, die radikal gegen die Ausbeutung oder/und das Essen von Tieren ist. Nur dieses „Deine Spiritualität ist falsch, wenn sie das Essen von tierischen Produkten beinhaltet, weil das für mich nämlich unvereinbar miteinander ist“ (so ähnlich zB auch bei dem von dir verlinkten Artikel der Zombiekatze gelesen) finde ich total daneben, weil es eben die eine, richtig gelebte Spiritualität nicht gibt und da jeder seinen eigenen Weg finden und gehen sollen darf, mE.

  1. Ich hab heute mein eigenes Osterwasser geschöpft. Bzw. möchte ich es lieber Ostara-Vollmond-Wasser nennen ;). Bin dafür extra in den Teuteburger Wald gefahren, weil wir hier in der Gegend keine mir bekannten Heilquellen mit Trinkwasserqualität haben.

    Ich mache grad im April mal wieder einen vegangen Monat, so wie letztes Jahr im Mai. Aber über Ostern ist eh mal wieder die Zeit der Ausnahmen… Gestern war ich beim Inder eingeladen und habe mir mit Genußt einen Mangolassi gegönnt und Sonntag mit den Eltern… da wollt eich extra vegan backen, aber nein, meine Mutter hat schon vorher einen „ganzen Backtag in der Küche“ eingelegt und jetzt gibts natürlich was unveganes… Aber da es mit Liebe gemacht ist, werd ich es esse :). Dafür verzichte ich aufs Osterlamm was es ebenfalls geben wird. Obwohl es mir gar nicht leicht fällt. Ich weiß um solche Sachen (bzgl. Link von Amala) und ich sehe auch ein kleines Lamm vor mir wenn ich den Braten auf dem Tisch sehe. Ändert aber nichts daran das es für mich zu einem der leckersten Fleischsorten überhaupt zählt. Daher esse ich auch es reiner Vernunft nicht :). Mein Trieb würde mir etwas anderes raten…

    Liebe Grüße,
    Karmi

    • Oh, der Teuteburger Wald ist sicher total toll, da will ich auch mal hin!

      So ähnlich geht es mir auch oft, gerade wenn sich jemand total Mühe gemacht und etwas mit Liebe selbst zubereitet hat, kann ich es nur sehr schwer ablehnen, gerade Kuchen. 😉 Der Verzicht auf Fleisch fällt mir dagegen gar nicht schwer, da es mir zu 90% eh nie sonderlich schmeckte.

      LG
      Liath

      • Hm, früher hab ich mich fast ausschliesslich von Fleisch ernährt. Als ich erstmalig Vegetarierin wurde hatte ich regelrechte Entzugserscheinungen. Bin auch über die Jahre hinweg immer wieder rückfällig geworden.
        Heute dann gleich der nächste Knüller, hatte ja meiner Mutter gesagt das ich nix vom Lamm mitesse, weil ich diesen Monat vegan mache. Mal davon abgesehen das es natürlich wie schon erwartet Kuchen, Schlagsahne und als Dessert des Abends auch noch Eis gab, hatte sie sich dann für den Hauptgang was einfallen lassen uns extra für mich ein chinesisches Gericht organisiert. Natürlich gab es dazu Garnelen… Weil wenn ich schon kein Fleisch esse muss ja zumindest sowas da rein, dann noch EXTRA Bio-Garnelen, weil ich die normalen ja nicht essen würde wegen dem Antibiotika und so. *seufz*

        LG
        Karmi

  2. Ich bin ein Landkind und nach vielen Jahren in unterschiedlichen Städten unterschiedlicher Größe bin ich sehr glücklich wieder auf dem Land leben zu dürfen. Hier ist´s schön bäuerlich – und auch näher an der Natur. Denn schließlich nährt das Land auch Vieh und Mensch.

    Muss man vegan sein, um spirituell zu sein? *lach* Dann bin ich furchtbar unspirituell…

    be blessed
    Isabeau

    • Ich hoffe, ich lebe eines Tages auch wieder auf dem Land, obwohl ich sicher noch ein langes Weilchen in der Stadt bleibe.
      Und nein, ich finde nicht, dass Vegansein Bedingung für Spiritualität ist. Auch wenn die Ernährung die Spiritualität sicher beeinflusst.

      LG
      Liath

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