Er und Ich und Spiritualität

Als ich mit meinem Freund zusammenkam, beschäftigte ich mich noch nicht allzu ernsthaft mit Spiritualität und modernem Hexentum, sodass er meinte, ich sei Atheistin, was ihm sehr sympathisch war. Er hält alle, die an etwas glauben, was sich nicht mittels anerkannter Wissenschaft erklären lässt (Gott/Göttin, Geister, Magie, usw.) für altmodisch und bemitleidenswert (im besten Falle, manche auch für verrückt). ReikimeisterInnen, KartenlegerInnen, SchamanInnen, die ihre Dienste für Geld anbieten, sind für ihn Betrüger und Halsabschneider, durchweg – es sei denn, sie arbeiten umsonst (was wiederum dafür spricht, dass sie verrückt sind).

Er ist der Meinung, dass ich mit meinem Glauben an Göttin und Gott etwas kompensieren muss, das mir im Leben fehlt, dass Menschen nur deshalb religiös sind, weil sie unzufrieden sind oder Angst vor dem Tod haben. Manchmal finde ich das ein bisschen traurig, weil mir das Leben mit 0,0% Spiritualität etwas … hm, unvollständig vorkommt, weil mir die Spiritualität soviel Kraft, Freude und Wunder gibt. Damit meine ich nicht, dass man an irgendeinen Gott/eine Göttin glauben muss, um Seelenheil zu finden, aber an gar nichts zu glauben, außer an die Wissenschaft, nichts als heilig anzusehen, alles nur rational zu betrachten … das ist für mich einfach undenkbar, so war ich nie. Für mich hatten die Bäume, ein Gewitter, der Mond, das Meer, der Jahreskreis, die Träume und vieles anderes immer schon etwas Magisches, Ehrwürdiges an sich, egal wie sehr oder wie wenig ich mich grad mit irgendwelchen (Natur-)Religionen beschäftigt habe und egal, ob mir die Physik/Biologie/Psychologie/usw. dahinter klar war oder nicht.

Manchmal führte diese ablehnende und respektlose Haltung des Freundes gegenüber Spiritualität/Religion schon zu ein bisschen Zwist – ich finde es zwar durchaus auch gut, einen so bodenständigen Partner zu haben, aber möchte natürlich auch in all meinen Aspekten, zu denen auch die „Hexe“ gehört, akzeptiert werden. Meist achtet er zwar darauf, sich „nur“ über Christen lustig zu machen, aber obwohl ich mit dem Christengott nichts am Hut habe, trifft mich der Hieb meist genauso, auch wenn ich nicht an „den unsichtbaren Mann“ außerhalb unserer Erde glaube, sondern meine Götter erlebe (was der Herr Freund sich allerdings schlecht vorstellen kann). Manchmal habe ich das Gefühl, er sehnt sich auch ein bisschen danach, wieder eine Verzauberung der Welt zu erleben. Ist ja nicht so, dass er nicht in irgendwelchen Computerspielen oder Pen&Paper-Rollenspielen mit Magie um sich werfen würde, öhöm. 😉 Er hat sich von mir auch schon eine kleine Einführung ins Tarot und Lenormand geben lassen und war besonders bei der Puzzlearbeit, die das Große Blatt im Lenormand darstellt, recht fasziniert. Er liebt es auch total, Reiki zu bekommen – meint aber, dass man das zwar jetzt vielleicht noch nicht physikalisch erklären kann, aber in einigen Jahren sicherlich, daher geht es schon in Ordnung, dafür offen zu sein.

Inzwischen muss ich ihn, wenn ich mal ritualisiere oder eine Trancereise mache, defintiv aus der Wohnung verscheuchen. Ich komme einfach nicht in die nötige Konzentration, wenn nebenan jemand sitzt, der meint, ich würde temporär nicht mehr ganz richtig ticken und meine Zeit vergeuden und sollte stattdessen mal lieber für mein Studium arbeiten. Und überhaupt sei es ja alles nur Zufall, wenn ein Ritual dann das gewünschte Ergebnis hervorbringt. Diese negative Haltung strahlt quasi durch die Zimmertüren hindurch und bringt mich einfach raus. Zum Glück kann der Freund das aber gut genug verstehen und räumt dann meist ohne Murren die Wohnung. Letztlich finden wir immer unsere Kompromisse, wobei das Verhältnis Partnerschaft vs. Spiritualität sicher noch ausbaufähig ist.

Wie macht ihr das so, wenn ihr einen Partner habt, der nicht eure spirituelle Einstellung und Praxis teilt? Belächelt er diese, ist er neugierig, offen oder ist das Tabuthema? Legt ihr bei einem potentiellen Partner Wert auf seine Haltung zur Religion?

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21 Gedanken zu “Er und Ich und Spiritualität

  1. Puh. Interessantes Thema, Liath.Zum Einen finde ich, man kann durchaus spirituell UND bodenständig sein. Von den Esotanten, die durch die Gegend fliegen und überall Geister und Dämonen sehen, bin ich als religiöser und tiefspiritueller Mensch total genervt- wie muss es da erst Leuten gehen, die an gar nichts in der Richtung glauben. Ob Religion nur Kompensation ist- nein, ich denke nicht, aber es wundert sicher nicht, dass ich mein Leben nicht als etwas betrachte, was so bemitleidenswert ist, dass ich Götter ‚brauche‘. Ich habe diese Haltung aber schon bei vielen Atheisten kennen gelernt und finde sie sehr respektlos. Ich mache mich schließlich auch nicht darüber lustig, dass sie eben an gar nichts glauben. Mein Mann ist nicht naturreligiös in dem Sinne wie ich- er hat jedenfalls nicht meine Götter. Aber er würde nie etwas dagegen sagen, weil er weiß, wie sehr mich das verletzen würde. Mein Glaube gehört zu mir, und deshalb akzeptiert er ihn. Auch, wenn ich jetzt plötzlich Muslimin werden würde oder mich entscheide, wieder in die Kirche zu gehen. Die Sache ist einfach die, dass es hier nicht um ihn geht, sondern das meine Angelegenheit ist. Wobei ich aber sagen muss, dass ich einen interessierten Mann habe, und keinen, der sich über meine Weltsicht lustig macht. Das würde bei uns einen handfesten Streit verursachen, da bin ich sicher. Niemand muss das gleiche glauben wie ich, selbstverständlich auch nicht mein Mann. Aber ich sehe keinen Grund, weswegen er mich deshalb verletzen muss? Wenn er denkt, ich spinne, soll er das gefälligst für sich behalten- ich lege tatsächlich keinen Wert darauf, das von meinem Partner zu hören- das finde ich höchst respektlos.
    Mein Mann fragt mich regelmäßig etwas zu meinen Festen usw. und er feiert sie auch gerne mit, wenn ich ihm den Grund erklärt habe. Hm… im Grunde macht er da immer sehr gerne mit… aber er glaubt ja auch grundsätzlich an Magie und Dinge, die man rational eben nicht erklären kann.
    Übrigens haben Rollenspieler für die meisten auch einen an der Klatsche.

  2. Der Mann ist auch skeptisch, hat sich aber früher irgendwann selber mal mit dem Druidentum beschäftigt – von daher kennt er wenigstens einige ganz grobe Grundzüge. Und das Tarot mag er sowieso. Was all den anderen Kram angeht – ich ziehe mich einfach in mein Zimmerlein zurück und mache mein Ding, und glücklicherweise lässt er mich mit seinen Zweifeln und Theorien in Ruhe.

  3. Ach, wie gut ich das kenne, wenn auch in einer anderen Form, die derer hier aber doch ganz ähnlich ist. Ich hab keinen Mann, da bin ich noch ein Stück zu jung dafür würd ich mal sagen und einen Freund, der mich so akzeptiert wie ich bin, hab ich auch nicht.
    Aber dafür einen umso mehr nervigen Bruder, der sich ebenfalls als gottlos bezeichnet und für ihn alle, die an irgendwas glauben, sei es Hexentum, Christentum und was es da sonst noch gibt, für Spinner und bezeichnet es selbst als Luxus, keinen Glauben zu haben.
    Naja jedem das seine, mit der Einstellung könnte ich nicht durchs Leben gehen, da macht mir mein Glaube und meine Einstellung meinen Weg zu gehen viel zu viel Freude, anstatt ich mir da dumm von ihm reinreden lasse, wobei er da die meiste Zeit lacht. Ein paar mal hab ichs bei ihm erwähnt, aber schnell gemerkt, dass ich bei ihm nur Gelächter ernte und mit dem man einfach nicht drüber reden kann.
    Jetzt wo er endlich ausgezogen ist, erwähnt er es gar nicht mehr und ich leb denk ich besser damit, wenn ich mit ihm nicht drüber rede ^^
    das regt beide Seiten zu sehr auf und endet meist in einer stundenlangen Diskussionen über sprichwörtlich Gott und die Welt.
    Deswegen find ich es umso schöner, wenn man den anderen einfach akzeptiert und ihm mit dem nötigen Respekt entgegentritt 🙂
    Leben und leben lassen

    Liebe Grüße
    Montuna

  4. @sea: Du hast natürlich recht, ich bezeichne mich ja auch meist als bodenständig (wenn ich auch eine Träumerin bin) und die Luft-und-Liebe-Tanten, die mit Erzengel Raphel auf Wolke 7 Tee trinken, gehen mir auch auf den Geist. 😉
    Das klingt ja auch nach einem ausgewogenen Verhältnis, dass du da in Sachen Spiritualität mit deinem Mann hast, schön! Ich fürchte, mein Freund ist generell einfach von der unsensiblen Sorte und meint es nicht bös, wenn er mit seinen Tiraden über religiöse Menschen mich auch erwischt. Aber da ich mir das selten gefallen lasse, habe ich die Hoffnung, dass er irgendwann mal senisibilisiert wird. Immerhin meinte er, er wäre eines Handfastings eines Tages nicht abgeneigt … (vermutlich aber nur, weil er sich nie standesamtlich trauen lassen will ^^).

    @Diandra: Wenn das Leben und Leben lassen bei euch so prima funktioniert, ist das auf jeden Fall sehr schön. Und so manche Skepsis kann ich ja auch nachvollziehen, ich bin selbst auch vielen Dingen gegenüber extrem skeptisch gewesen (Reiki, Wiccacoven, Asatru), bevor ich sie ausprobierte oder näher kennen lernte.

    @Montuna: Die Familie ist natürlich eine ähnliche Sache. Meinem älteren Bruder bräuchte ich gar nicht erzählen, dass ich eine Heidin, der würde sich nur fortwährend drüber lustig machen. Zum Glück lege ich aber auf seine Meinung auch nicht sooo viel Wert. 😉

    LG an euch
    Liath

  5. Da kommt mir vieles doch auch sehr bekannt vor 🙂
    Meiner lässt mich mein Ding machen, möchte da aber auch nicht unbedingt genauer wissen, was ich da so treibe. Nachdem bei ihm jedoch sehr oft die Elektrik verrückt spielt während ich „was mache“, und auch schon ab und zu für ihn seltsames passiert ist, ist er zwar weiter skeptisch, zweifelt aber nicht mehr ganz so stark 🙂
    Neulich war im TV bei „Pelzig hält sich“ eine Dame, die mit Verstorbenen kommuniziert und bei den Filmaufnahmen gab es Tonstörungen. Die Dame meinte, das sei ganz normal, weil sich bei ihrer Arbeit Energiefelder ändern würden. Da schaute mein Mann mich ganz giftig an und meinte: ja, das kenn‘ ich! 😀
    Und bei Kopfweh kommt er schon immer von selber an und möchte Reiki haben.
    Er stört mich auch nicht, wenn ich mich zurückziehe, und spielt im Gegenteil den Zerberus, falls das Telefon geht oder es an der Tür klingelt. Das höre ich in meinem Zimmer zum Glück nicht.
    Liebe Grüße
    Alruna

    • Das kenne ich auch! Unser Staubsauger funktioniert seit Monaten nicht mehr ganz richtig und ich gebe ihm dann gern ein bisschen Reiki/Energie – und dann springt er wieder an. Bei meinem Freund macht er nix, sodass er nie saugen kann, wenn auch außer Haus bin. 🙂
      Zerberus, das würde mir auch gefallen. *g*

      LG
      Liath

  6. Meinem Mann (damals noch mein Freund) habe ich von meinem Glauben erst nach einiger Zeit, kann gut ein Jahr gewesen sein, erzählt. Grund war, dass er immer ziemlich viel über „Esoteriker“ hergezogen hat (über Christen übrigens auch, eigentlich über Religion generell) und ich mich somit erstmal nicht getraut habe zu sagen, dass ich naturreligiös bin. Er hat sich damals als Atheist bezeichnet, mittlerweile als Agnostiker. 😉 Er ist sehr rational, pragmatisch und glaubt eigentlich nur das, was er logisch erklären kann. Informatiker halt… Ich habs dann irgendwann mal durchblicken lassen und er hat es erstaunlich interessiert aufgenommen und ist sogar noch im selben Jahr mit mir zusammen zu einem grossen Beltane-Fest samt Ritual gegangen. Das Ritual hat er aber ausgelassen und nur von etwas abseits zugeschaut. 😉 Mittlerweile ist mein Glaube völlig normal für ihn geworden und er macht nur noch manchmal Witze darüber ala „wozu hab ich ne Hexe im Haus, tu was!“. :p Er fragt auch interessiert nach, wenn mal wieder ein Jahreskreisfest ansteht usw.
    Und wenn ich einen Baum umarme ist das auch normal. 😉 Ich glaube, mit einem Partner, der meine Spiritualität GAR nicht akzeptieren und sich nur darüber lustig machen würde, könnte es auf Dauer nicht klappen… Dazu ist mir das Ganze zu wichtig.

    Liebe Grüsse,
    Monster

    • Mein Freund ist auch Informatiker, jaja … Meine Liebe zur Natur ist für ihn auch normal und obwohl er ständig Hummeln im Hintern hat, ist es für ihn okay, wenn ich bei Spaziergängen mal anhalte, um einen Baum zu begrüßen. Zu Beltane wollte er übrigens auch mal mitkommen – aber nur, weil wir zuvor „Die Nebel von Avalon“ gesehen hatten und er fürchtete, ich würde da auch die große Ehe auf den Feldern schließen oder so. 😉

      LG
      Liath

  7. Ein sehr interessantes Thema! Bei mir sieht es so aus, dass ich es nie lange um Menschen herum aushalte, die mich wegen meines Glaubens nicht mögen. Solche Menschen brauche ich nicht um mich herum. Ich gehe zwar respektvoll mit ihnen um, wie mit jedem anderen auch, aber das war es dann auch schon.

    Folglich kann ich mir keinen Partner vorstellen, der mich nicht als Heidin akzeptieren kann. Glauben muss er nicht dasselbe wie ich, Erfahrungsgemäss erledigt sich das mit der Beziehung allerdings rasch ganz von alleine, wenn man sich nicht gegenseitig so akzeptieren kann, wie man eben ist und versucht einander zu ändern.

    Als Grund eines religiösen Lebens zu behaupten man glaube nur an etwas, weil man ein langweiliges Leben zu kompensieren hat, finde ich persönlich eher schwach. Denn dann könnte man ja auch sagen, dass Atheisten an nichts glauben, weil sie sich von einer möglichen höheren oder nicht erklärbaren Kraft fürchten und deshalb einfach mal nur an das wissenschaftlich Beweisebare glauben – Aus Sicherheit sozusagen. 😉

    Liebe Grüsse
    Joanna

    • Das Gegenargument muss ich mir mal merken, das ist vielleicht in manchen Fällen gar nicht so verkehrt. Und ja, sobald man den anderen massiv verändern will, bringt eine Beziehung eh nichts mehr. Es ist eben ein Unterschied, ob man die ein oder andere Seite am Partner vielleicht nur nicht so ganz versteht oder für sich selbst ablehnt oder ob man sie komplett ausmerzen will, weil sie einem so gar nicht passt.

      LG
      Liath

  8. Irgendwie ist das schon witzig, dass wir Hexen/Heidinnen/Naturreligiöse hier alle Männer zu haben scheinen, die atheistisch sind oder zumindest atheistisch angehaucht sind. Mein Mann hat mit Religion auch nichts am Hut, aber er gehört zur „offenen“ Sorte (Sein Spruch: „Ich könnte mich ja auch irren“), akzeptiert meinen Glauben und sieht ihn als Teil von mir. Die Jahresfeste feiern wir auch gemeinsam, er lässt sich die Karten von mir legen und trägt auch das Mojo, das ich für ihn gemacht habe, immer bei sich.
    @Liath: Vielleicht würde es ja helfen, wenn Du Dich einmal mit Deinem Freund zusammensetzt und in Ruhe mit ihm darüber sprichst? Ihm erklärst, dass wir keine Christen sind, die Naturwissenschaft am liebsten leugnen würden. Naturreligion und Naturwissenschaft schließen einander doch nicht aus!

    Liebe Grüße, Lailokeny

  9. PS.: „In Ruhe mit Deinem Freund darüber sprechen“ … Damit meine ich, dass es vielleicht helfen könnte, wenn Du versuchst, ihm Deinen Glauben nicht mit Deinen Worten, sondern mit „seinen“ Worten zu erklären.
    Nur mal so als Beispiel: Wir Hexen sprechen davon, uns mit dem Geist eines Baumes zu verbinden. Das kann man aber auch anders ausdrücken! Was wir Geist oder Seele nennen, könnte man z.B. auch als Energie bezeichnen. Alles im Universum besteht aus denselben physikalischen Bausteinen, und wir Menschen nutzen in der Regel nur einen Bruchteil der Kapazität unseres Gehirns. Warum? Vermutlich, weil wir in unserer Gesellschaft und zum Überleben nicht mehr davon brauchen. Außerdem ist jeder Teil unseres Gehirns für etwas bestimmtes da. Der eine Teil für unsere Motorik, der andere fürs Sehen, ein Teil für die Sprache, wieder ein anderer Teil, um logische Zusammenhänge herzustellen etc. etc.
    Wenn wir uns nun mit dem Geist eines Baumes verbinden, ist das wie ein Energieaustausch zwischen den universellen Bausteinen des Baumes und unseren Bausteinen. Um diese „Verbindung“ herzustellen, nutzen wir einen Teil unseres Gehirns, der ansonsten brach liegt, weil er in unserer Gesellschaft nicht gebraucht wird. Je öfter wir das tun, um so besser funktioniert das, wir trainieren durch diese „Übung“ sozusagen den Teil unseres Gehirns, der dafür zuständig ist, um diesen „Energiefluss“ wahrnehmen zu können. Imgrunde kann also jeder Mensch mit einem Baum kommunizieren, nur ist es eben so, dass manche Menschen empfänglicher dafür sind als andere; der eine mehr, der andere weniger Übung dafür braucht. Das ist genauso, wie ein Mensch begabter für Mathematik ist als der andere, weil er besseren Zugang zu seiner rechten Gehirnhälfte hat, der andere eher für Sprachen, weil er leichteren Zugang zu seiner linken Gehirnhälfte hat.
    Wenn wir also mit dem Baumgeist kommunizieren, ist das nichts Unnatürliches, Verrücktes, Spinnöses ;-), sondern etwas sehr Natürliches. 🙂
    Wie gesagt: Naturwissenschaft und Naturregligion schließen einander nicht aus. 🙂

    • Mein Freund hat auch schonmal ein Mojo von mir getragen, dass ihm ein Auslandspraktikum in London besorgen sollte, das er sich so sehnlich gewünscht hat, welches er aber trotz 6 Monaten mit zahlreichen Bewerbungen nie bekam. 2 Wochen später hatte er ein solches Praktikum, mitten in London und natürlich nicht als Antwort auf eine Bewerbung, sondern über unerwartete Umwege bekommen. Sein einziger Kommentar dazu: „Ach, naja, das war doch Zufall, aber danke für deine Mühe.“ Trotzdem bat er mich irgendwann später nochmal um ein anderes Mojo …

      Das mit dem Erklären auf rationale Art und Weise habe ich auch schon versucht, ist leider ein bisschen tricky, weil er viel viel mehr Ahnung von Physik und Naturwissenschaften hat als ich (die ich auch eher der Sprachentyp bin) und ich auf seine spezifischen wissenschaftlichen Nachfragen hin dann ein bisschen ratlos bin. Ich habe die Quantenphysik ins Feld geführt, die er aber als unpassend ansieht und auch die Sache mit den Gehirnhälften (das konnte er so akzeptieren). Außerdem habe ich auch erklärt, dass zur Magie auch viel, viel Psychologie gehört und die Grundzüge der Schattenarbeit mit Jung erläutert, das fand er dann wiederum verständlich und akzeptabel.
      Letztlich sind ihm, glaube ich, auch nur die Sachen mit den Göttern und der Rituale, die nach außen wirken sollen, die man also nicht nur mit Psychologie erklären kann, wirklich suspekt, den Rest kann er so ganz gut hinnehmen und findet er teilweise auch ganz interessant.

      LG
      Liath

  10. Ja, ich finde auch, dass das ein spannendes Thema ist. Unter anderem, weil uns das ja auch selbst zum „Darüber Nachdenken“ anregt. 🙂
    Und was die Götter/innen und Rituale angeht: Menschen fällt es nun einmal schwer, sich etwas vorzustellen, das man nicht sehen kann. (Wer kann sich zum Beispiel tatsächlich Unendlichkeit vorstellen?) Wir wenden uns einfach leichter an eine „Person“ als an eine unsichtbare „Energie“. Rituale: Nun, wenn Du ein Brötchen haben willst, dann stellst Du Dich ja auch nicht einfach irgendwohin und sprichst wahllos in eine Menschenmenge, in der Hoffnung, dass Dich irgendwo ein Bäcker hört. Nein, Du gehst in eine Bäckerei, sprichst gezielt den Bäcker an und sagst, was Du haben willst. 🙂

  11. Hach ja, ein gar leidiges Thema *g*.
    Meine erste Beziehung hatte ich mit einem ebenfalls naturreligiösen Heiden. Meiner Erfahrung nach ist das aber kein Garant für eine funktionierende Beziehung ;). Er war nordisch-Asatru orientiert und fand anfangs alles was ich mache, womit ich mich beschäftige usw. höchst spannend, interessant und bewundernswert. Im Laufe der Jahre entwickelten wir uns jedoch in völlig verschiedene Richtungen. Er fand irgendwann alles was nicht Asatru ist schlecht. Reiki, Hexentum usw. alles was er vorher toll fand, war plötzlich falsch, böse usw. Mit esoterischen Themen wie Engeln die irgendwie christlich spirituell angehaucht sein könnten durfte ich mich erst recht nicht beschäftigen. Ja, später hat er wirklich angefangen mir bestimmte Sachen zu verbieten. Auch das ich an eine große Göttin glaube war ihm irgendwann nichtmehr recht, dass sei zu monotheistisch, zu nah am Christentum usw.
    Er war voll fixiert auf das Germanentum, völkisches Asatru, was noch mehr explosiven Diskussionsstoff bot da ich es nicht verstehen kann wenn man manche Relgionen den Menschen vorbehält, welche eine entsprechende „Blutreinheit“ haben und sie anderen verbietet. Da könnt ich gleich an die Decke gehen *g*.
    Danach hatte ich 2 längere Beziehungen mit Atheisten. In diesen Jahren habe ich auch viel Spott und Hohn ertragen was mich immer sehr wütend gemacht hat. Einer meiner Exfreunde hat am Ende der Beziehung auch gesagt er würde es mit mir nicht mehr aushalten, mein Interesse an all diesen verrückten unsinnigen Dingen sei unerträglich für ihn. Anfangs fanden sie es immer alle irgendwie ganz interessant und okay. Aber mit der Toleranz hielt es nicht lange an… In meiner jetztigen Beziehung ist es mir sehr wichtig das ich so wie ich bin toleriert und akzeptiert werde. Mein Freund ist kein 100% Atheist, er kann sich schon vorstellen das es irgendwelche Macht oder Energie gibt die manche Menschen Gott nennen. Er macht sich nie über das was ich tu oder glaube lustig. Natürlich machen wir schonmal Witze, immer wenn mein Freund etwas mit Elfen und Feen sieht spricht er mich darauf an, oder wir scherzen das ich eine moderne Hexe bin die nicht mehr auf einem Besen sondern natürlich auf einem PS starken Staubsauger unterwegs bin ;).
    Ich bin ein sehr toleranter Mensch, ich war mit Männern zusammen deren Lebens- und Weltanschauung sich soooo sehr von der meinen unterschieden hat das unsere Beziehungen fast ausschliesslich auf Gegensätzen beruhten. Aber ich kann Menschen gut das denken und leben lassen was sie für richtig halten. Nur leider habe ich die Erfahrung gemacht das diese Menschen sich im Gegensatz mit der Toleranz schwer tun. Da kam dann bei mir nach ein paar Jahren immer irgendwann der Punkt wo es nichtmehr ging. Unterschiedliche Religionen und mein Glaube waren nie ein primärer Trennungsgrund, aber es spielte schon immer in meine Beziehungen mit ein, in dem Sinne das sie die Beziehung zusätzlich belasteten.
    Rituale etc, mache ich auch am liebsten wenn mein Freund nicht zu Hause ist. Er hätte nichts dagegen und würde auch nichts sagen, aber die Frage im Kopf was er sich wohl nebenan denkt würde mich zu sehr ablenken, so könnte ich mich wohl nicht richtig fallen lassen :).
    LG
    Karmi

  12. ich habe zwei männer.
    der eine ist atheist, aber sehr offen, interessiert und tolerant. hat sich sogar von mir in reiki einweihen lassen 😉 er nimmt an unseren familien-ritualen mit kind teil, ist dabei aber passiv und „gast“, also kein aktiver part.
    der andere ist heide, wobei ich gar nicht den versuch machen will, sein spirituelles empfinden näher zu charakterisieren. er und ich ritualisieren gemeinsam, seit wir uns kennen. unsere gemeinsame spiritualität hat sich im laufe der zeit, durch veränderte bedürfnisse und auffassungen schon gewandelt, aber ich genieße es dennoch, in den genuß seiner sicht der dinge, seiner energie zu kommen.
    rituale sind mir inzwischen nicht mehr so wichtig. ich empfinde spiritualität als teil des alltags und in diesem kontext habe ich durchaus meine rituale, aber das, was frau darunter klassischerweise versteht, mache ich nur noch seeeeehr selten.
    irgendwelche spannungen wegen meiner spiritualität gab es nie. ich bin allerdings auch keine, die sich blöde kommentare oder lästereien gefallen läßt.

  13. @Karmi: Hui, da hast du ja schon einige interessante Erfahrungen gemacht, danke dir für’s (Mit)Teilen! Das mit dem völkischen Asatru (zum Glück sind die nicht alle so!) ist natürlich eine besonders unschöne, da würde ich wohl noch jeden Atheisten vorziehen. Sowie gibt es eine ganze Reihe männlicher „Heiden“, von denen ich glaube, dass ich nicht mit ihnen klarkommen würde … so ein streng durchorganisierter und machtgeiler Zeremonialmagier wäre genausowenig mein Fall wie ein Licht-und-Liebe-Prediger (nicht, dass ich diese Menschen nicht tolerieren würde, aber meinen Geschmack in Sachen Charakter und Weltanschauung träfen sie halt so gar nicht).

    @Amala: Das klingt wirklich sehr schön, auch wenn du meine These, dass es sich mit anderen Heiden vielleicht noch schlechter zusammen lebt als mit Atheisten, soeben wieder zerstört hast. *g*

    Liebe Grüße an euch!

    ————–

    Übrigens, was ich auch ganz interessant finde, ist dass diejenigen heidnischen Freundinnen, die mit evangelischen oder gar katholischen Christen verheirated oder zusammen sind/leben, auf total viel Verständnis, Neugier und Toleranz stoßen (mehr als bei denjenigen, die eben atheistische Partner haben). Das hat mich anfangs doch etwas überrascht, aber ich finde es sehr schön.

  14. Liebe Liath, Partnerschaft ist ein Geben und Nehmen – und auch ein Seinlassen. D.h. jeder hat seine Ecken und Kanten, die wohl oder übel von dem anderen akzeptiert werden sollten.
    Mein Mann ist Asatru, ich folge dem Hexenpfad. Das ist an sich schon mal eine gute Kombi, aber auch da sind einige Unterschiede zu finden. Aber die heidnische Gesinnung tragen wir beide – das ist eher selten.
    In den meisten Fällen sind die Frauen, die ihre Religion oder spirituelle Gesinnung nach außen tragen.
    Ich denke, es ist wichtig in einer Partnerschaft den Mensch zu sehen, nicht die Religion oder die Gesinnung. Wer versucht den Partner in die eine oder andere Richtung zu schubsen oder gar etwas zu verbieten, der wird den Partner über kurz oder lang, denn das ist schon ein großer Eingriff in die Persönlichkeit. Für mich ist respektvolles Seinlassen die größte Liebeserklärung, die es gibt.
    Liebe Grüße
    Isabeau

  15. Liebe Liath,
    ich kann dich gut verstehen 🙂 Mein letzter Freund war Gott sei Dank spirituell … aber warte, da erinnere ich mich gerade daran, dass ich mir schnell einen „nicht-spirituellen Mann“ gewünscht habe…haha, ja genau, es war alles sehr kompliziert – wo plötzlich Verständnis für das Spirituelle war, wurde ganz andere Welten geöffnet, die man sich gar nicht antun möchte.
    Mein derzeitiger Freund ist Hindu und akzepiert mich und meine Gabe voll und ganz 🙂
    Ich schätze dein Freund meint nicht, was die Wissenschaft nicht erklären kann, sondern vielleicht, was er sich selbst nicht erklären kann oder wovor er Angst hat?
    Geb ihm Zeit und lass es komplett offen, wann er bereit ist, sich anzunähern.
    Wenn du so akzeptiert werden möchtest, wie du bist, akzeptiere ihn, so wie er ist…und sage ihm das umgekehrt auch 🙂 Dazu muss er nicht spirituell sein, um die Liebe darin zu erkennen 🙂
    Ich zB versuche mit der Spiritualität auch immer ein Bein auf dem boden zu haben und „Nicht-spirituellen-Menschen“ es immer so zu erklären, dass es für sie auch Sinn macht 🙂

    Es ist in der Evolution schon immer so gewesen, dass man die Dinge, die in uns stecken und die manche mehr und andere weniger haben, immer gleich als „Ungewöhnlich“, falsch oder Einbildung darstellt, bis der Größteil der Menschheit mit dem eigenen Verstand hinterherkam.

    Zum Beispiel:
    Die Erde ist eine Kugel und keine Scheibe
    Die Erde ist nicht der Mittelpunkt des Universums
    Menschen sind nicht zum Fleischessen geboren
    „Ich mache das in jedem Haushalt ein PC stehen wird“ (Bill Gates)

    Psychologie und Wissenschaft wurden damals auch ausgelacht, weil man an die … halt dich fest… ALTEN RIETEN geglaubt hat und das alles für Humbug hielt.

    All das wurde in der Vergangenheit gesagt und ausgelacht und heute staunt man. Die uralten Rieten und die Gaben der Göttin und von Gott haben insbesondere die Frauen seit anbeginn der Zeit in sich …heute lacht man und morgen staunt man!

    Statt etwas zu verurteilen, sollte man in allem das göttliche sehen und anfangen darin die Verbindung, wie beim YinYan zu sehen 🙂 Die Medaille hat immer zwei Seiten…davon ist aber keine richtig oder falsch und keine Wahrheit oder Blödsinn! 🙂

    Die Frau kommt jetzt wieder dazu frei, das zu tun, was ihr liegt, ihre Gottesgabe ist und ihr Spaß macht. Erst seit 1969 darf eine Frau einen Vertrag selbst unterschreiben!! Es ist alles noch recht neu…nach 2000 Jahre Unterdrückung der Frau…also geben wir den Herren ein wenig Zeit sich an die inkarnierte Göttin zu gewöhnen 🙂

    Alles Liebe
    Sabrina DiAngelo

  16. Liebe Sabrina,

    das hast du sehr schön gesagt, danke dir für deine interessanten und offenen Worte!
    Und du hast Recht, die Welt ändert sich immer weiter, die Ansichten ändern sich auch wieder und wieder. Die Welt wurde entzaubert und viele Menschen sind noch nicht soweit, sie wieder zu verzaubern.

    LG
    Liath

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