Die Magie der Wegkreuzungen

In vielen alten Büchern zum Thema Hexerei und Magie finden sich Zauber, die irgendetwas mit Wegkreuzungen zu tun haben; sei es, dass ein Zauber nur dort ausgeführt werden kann, dass man dort etwas vergraben oder einen Wunsch äußern soll, dass man dort unter gewissen Umständen in die Zukunft sehen kann oder dass man Erde einer Wegkreuzung braucht. Es gibt zahlreiche Götter und Göttinnen sowie andere Wesen verschiedenster Kulturen, die mit ihnen in Verbindung stehen. Es rankt sich einiges an Mythen und Brauchtum um Wegkreuzungen und auch Weggabelungen – und da mich so etwas ja immer fasziniert, dachte ich, vielleicht kann ich ja ein wenig darüber schreiben und wer mag, ergänzt das zusammengetragene Wissen, auch wenn man vermutlich ganz Bücher darüber schreiben könnte, weshalb ich auch ein bisschen oberflächlich bleiben muss.

Die Energie der Wegkreuzungen

Die Energie und Symbolik eines Ortes ist etwas, das jeder unterschiedlich wahrnimmt und was auch von Ort zu Ort unterschiedlich sein kann. Die einen empfinden eine Wegkreuzung als einen Platz des Chaos, als ein „Dazwischen“ von Ort und Zeit – steht man auf einer Wegkreuzung, mag man vergessen, woher man kam und nicht wissen, welchen Weg man nehmen soll, man ist zwischen den Wegen, nirgendwohin unterwegs. Die anderen mögen Wegkreuzungen als Kraftorte empfinden, wo verschiedene Energielinien aufeinandertreffen – ein Ort, der voller Potential und Möglichkeiten ist, ein Ort der Transformation. Auch könnte man Wegkreuzungen bzw. -gabelungen, besonders solche in Y-Form, mit Weiblichkeit assoziieren. Die beiden Wege, die den Schenkel ergeben, kann man einerseits als Tor sehen, andererseits als weibliche Schenkel bzw. Schambereich, so ist man dann am wörtlichen „Scheideweg“. Auch Hexen wurden auf frühen Darstellungen mitunter auf einer zweizackigen Gabel reitend dargestellt. Auch als Ort, wo sich Dämonen und der Teufel tummeln, wo als das Böse herrscht, sind Wegkreuzungen verschrien gewesen.

Die Götter und Geister der Wegkreuzungen

Allen voran ist hier wohl antike Göttin Hekate zu nennen. Sie ist vor allem mit jenen Wegkreuzungen verbunden, von denen 3 Wege abgehen, da sie zum einen eine dreifaltige Göttin ist (Jungfrau, Mutter, Alte), zum anderen kann sie in die Vergangenheit, die Zukunft und die Gegenwart sehen. Ihre Schreine und Opferstätten standen dort, wo später christliche Statuen folgten. Eine weitere Hüterin der Kreuzwege und Durchgänge ist die griechische Enodia, auch Diana und Artemis sowie andere Mondgöttinnen wurden mit Wegkreuzungen assoziiert.

Hermes, der Götterbote, ist verbunden mit den Wegkreuzungen, an denen sich 4 Wege treffen, er ist schließlich auch ein Vermittler zwischen den Welten.

Auch Papa Legba (Exu, Eshu-Elegbara, Elegba) kommt diese Rolle zu, ebenso der brasilianischen Göttin Pompa Gira, die man vor allem an T-förmigen Kreuzungen antreffen soll.

Die Laren, eine Art Schutzgeister der Römer, sind ebenfalls (unter anderem) auf Wegkreuzungen zuhause, sie hatten dann den Beinamen „compitales“ (von compita, der Wegkreuzung). Sie sind sehr ortsgebunden und grenzen den Ort, auf den sie sich fixiert haben, gegenüber seiner Umgebung ab und schützen ihn so.

Viele namenlose Spirits trifft man an Wegkreuzungen, die als Wegeöffner fungieren, die einem – so man sie günstig stimmt oder überzeugt – mit Wissen, Entscheidungskraft oder einem kleinen Schubser des Schicksals helfen. Sie entscheiden aber selbst, wem sie den richtigen Weg zeigen und wen sie irre führen, wer freies Geleit bekommt und wen sie blockieren.

Auch den Teufel trifft man laut den Christen auf der Wegkreuzung – der ist für Hexen und Heiden nicht allzu relevant. 😉

Aberglaube und Brauchtum

Hier nun könnte man wirklich Bände füllen. Gerade die Römer hatten einen ausgeprägten Aberglauben, was Wegkreuzungen angeht, aber auch im afrikanischen, britischen und nordischen Bereich gibt es da so einiges. Man könne dort besonders häufig Geister, Hexen und Feen antreffen, weil alle Wege, auf denen sie laufen könnten, dort zusammenlaufen, auch die Wilde Jagd zieht dort vorbei.

In der Nacht zum Neujahr soll man zum Beispiel auf der Wegkreuzung die Toten rufen können, die einem dann erzählen, was das kommende Jahr bringt. Das mag daran liegen, dass in manchen Gebieten (zB in England bis 1835) Verbrecher und Selbstmörder auf Wegkreuzungen bestattet werden sollten (in anderen Teilen der Welt galt dies für Totgeburten oder andere nicht natürliche, „besondere“ Todesarten, oftmals in Kombination mit anderen Bräuchen, die zB sicherstellten, dass die tote Seele keine Bedrohung mehr darstellen würde). Somit galten Wegkreuzungen auch als Versammlungsort der Toten. Vampiren sollte man dort übrigens auch begraben, damit man sie endgültig los wird. Frauen, die über Wegkreuzungen gehen, mussten allerhand Dinge tun (drei Mal spucken, ein Kreuz schlagen usw.), damit sich kein Wiedergänger in ihren Körpern einnistet. Krankheiten wurden dort oft in unterschiedlichster Form „abgelegt“, deshalb dufte man nichts von Kreuzwegen aufheben, was man dort fand. Ein Streit auf einer Wegkreuzung soll Unglück bringen.

Viele alte Zauber verlangen, etwas auf einer Wegkreuzung zu tun, sich dann zu entfernen und nicht mehr zurückzuschauen, sonst geht die Wirkung verloren oder aber man zieht sogar Böses auf sich.

In der Mongolei stehen an Wegkreuzungen Oowos, mit Gebetsfahnen gespickte Steinhaufen, die mit allerlei Kram wie Geldscheinen, Tierschädeln auch Getränkedosen überhaupt sind und an denen man die guten Geister um sichere Weiterreise bitten kann. In den Südstaaten (Amerika) glaubte man, dass man auf Wegkreuzungen seine Seele an den Teufel verkaufen konnte, um ein musikalisches Talent zu erhalten. Im Hoodoo (und auch bei der Santeria oder Brujeria) gibt es zahlreiche Hexereien, die mit Wegkreuzungen in Verbindungen stehen. Auch in den Rauhnächten wurden bevorzugt Orakel an Wegkreuzungen befragt.

So viel erstmal dazu. 😉 Und was fällt euch noch ein? Habt ihr regionales Brauchtum oder Aberglauben, was Wegkreuzungen angeht? In meiner Heimat jedenfalls finden sich an alten Kreuzungen viele Wegsteine oder Pfähle und ich lege dort gern ein paar Früchte nieder und nehme ab und an etwas Erde mit, quasi als portable Wegkreuzung. 😉

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4 Gedanken zu “Die Magie der Wegkreuzungen

    • Hi Carlin,
      manchmal reicht es schon, alte Wegkreuzungen aufzusuchen und zu sehen, was da eventuell an Markierungen vorhanden ist und sich ein bisschen einzufühlen, um zu sehen, ob man die Energie mag oder nicht. Aber sich mit den Geschichten, Legenden und Bräuchen seines Heimatortes auseinanderzusetzen ist ohnehin oft sehr spannend und empfehlenswert!

      LG
      Liath

  1. Bei uns gibt es mehr jahreszeitliches Brauchtum, das starke heidnische Anklänge aus keltisch-alemannischer Zeit hat, jetzt natürlich christlich verbrämt, aber immer noch sehr wild und urwüchsig daher kommt.
    An Wegkreuzungen stehen bei uns oft blumengeschmückte Kreuze mit dem gekreuzigten Jesus dran – sogar sehr oft. Sonst ist zu Wegkreuzungen wenig erhalten. Für mich ist es immer ein Ort um mit Hekate, der ich mich sehr verbunden fühle, zu sprechen oder auch nur an sie zu denken.
    Ganz schlimm finde ich das in vielen Büchern beschriebene vergraben von Kerzenresten oder mehr an den Wegkreuzungen. Ich möchte wirklich nicht das ganze Wachs dort im Boden wissen. Kerzen kann man doch komplett abbrennen lassen, es gibt inzwischen ja sogar schon Minikerzen in allen Farben für die Eiligen.
    Ein schöner Post, Liath, danke dafür!
    LG Alruna

    • Ja, das mit den Kerzen-/Ritualresten ärgert mich auch jedes Mal, vor allem da man gar nicht weiß, was für Stoffe in den ganzen bunten, duftenden Kerzen heutzutage so drin sind. Ganz zu schweigen davon ist die Erde nunmal kein Müllplatz, auch wenn es einem „guten“ (wohl eher egoistischen) Zweck dienen soll, dort was loszuwerden.

      Jesuskreuze gibt es bei uns gar keine, aber das ist ja auch keine allzu christliche Gegend.

      LG
      Liath

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