Veg-was?

Ich bin in der letzten Zeit auf einige Blogbeiträge gestoßen, die sich die Frage stellen, was genau sie in Bezug auf ihre Ernährung eigentlich sind oder sein wollen: Veganer, Vegetarier, Flexitarier oder was nun eigentlich? Das brachte mich ein wenig zum Grübeln. Wo könnte ich mich eigentlich einordnen – oder, Moment mal, will ich mich überhaupt in eine Schublade stecken, mich so einem Begriff unterordnen? Warum? Sicher macht es die Dinge einfacher. Sagt man im Restaurant, man sei Veganerin, dann wissen die meisten damit etwas anzufangen und bieten einem keine Speisen mit Milch oder Fleisch an. (Negative Ausnahmen gibt es natürlich – eine Freundin mit Milcheiweißallergie fragte mal an einem Imbiss, was sie dort essen könnte, und die Verkäuferin deutete auf alles – auch die mit Käse überbackenen/belegten Baguettes, da ihr der Zusammenhang von Milch und Käse nicht so ganz klar war …)

Allerdings werden manche Menschen auch sofort ablehnend, spöttisch oder gar aggressiv, bezeichnet man sich als Vegetarier oder Veganer (dazu gab es auch mal einen Artikel in der SZ: http://www.sueddeutsche.de/wissen/psychologie-und-ernaehrung-warum-fleischesser-vegetarier-anfeinden-1.1274443). Das Thema Ernährung führt zu teilweise ganz extremen Emotionen und Positionen und ich bin stets wieder schockiert, wie die verschiedenen Seiten – Omnivore, Vegetarier, Veganer oder Frutarier – mitunter verbal um sich hauen, um ihre Ernährungsweise zu verteidigen oder anzupreisen. Jemanden als Leichenfresser zu bezeichnet, nur weil er sich von tierischen Produkten ernährt fiele mir genauso wenig ein wie über Rohköstler zu spotten. Und obwohl ich denke, dass Ernährung und Spiritualität sich sehr stark beeinflussen, würde es zu meiner Spiritualität auch nicht passen, würde ich jedem die seine absprechen, nur weil er dieses oder jenes isst bzw. nicht isst.

Und was bin ich nun? Eine Frau, die gern bewusst genießt. Punkt. Ich lebe nicht zu 100% vegan und werde es wohl auch nicht tun. Eine befreundete Imkerin (Bienenliebharin und Umweltschützerin) hat gerade ihren ersten Honig geerntet und ich werde ihr sicher ein Glas abnehmen. Bei meinen Eltern habe ich Eier mitgenommen mit von den Hühnern, die dort auf dem Hof leben – eine alte Rasse übrigens, keine Hybridhühner, die das ganze Jahr über massig Eier legen, diese alten Damen ruhen die meiste Zeit das Jahres über und picken in Frieden ihre Würmer und das Gras. Für mich ist das okay, aber ich verstehe auch, dass und warum andere das nicht so sehen. Eier aus Bodenhaltung dagegen esse ich nicht. Fleisch auch nicht – aber das fällt mir ohnehin nicht schwer, da ich nie viel Fleisch gegessen habe (ich mochte weder Geflügel noch Rind noch Schwein und Wild, was ich als einziges okay fand, war eben verdammt teuer).

Was mir schwer fällt, ist Verzicht auf Milchprodukte. Einerseits finde ich den Gewinn von Milch besonders grausam und es eigentlich auch total logisch, dass es irgendwie merkwürdig ist, die Muttermilch einer anderen Spezies zu trinken. Andererseits bin ich nunmal damit aufgewachsen und habe Käse, Quark und anderes sehr genossen. Vegane Alternativen finde ich ehrlich gesagt eher bescheiden … Milch und Sahne, das geht zwar noch einigermaßen (auch wenn es einiges Rumprobieren und Umgewöhnen erforderte, das Richtige zu finden), Eis und Joghurt findet man tatsächlich auch noch in schmackhaften Varianten, sogar Schokolade. Aber Käse? Quark oder Sour Cream? Schmand? Fehlanzeige, trotz diverser veganer Imitate ist das meiste davon ziemlich grauenhaft.

Auch muss ich zugeben, dass meine ersten veganen Kochversuche sehr oft eine Katastrophe und allenfalls essbar waren, aber nicht gerade ein Genuss. Das führte dazu, dass ich mich nie so ganz konsequent zum Milchverzicht durchringen konnte, dass ab und an doch mal ein bisschen Käse auf den Auflauf kommt, wenn der Hunger darauf zu groß wird oder es gerade mal wieder ein paar vegane Kochpannen gab. Vielleicht ändert sich das noch (zum Beispiel wenn meine Kochkünste sich verbessern, ehem), ich bin ja noch jung, aber bis dahin nehme ich mich und meine Ernährung so an, wie sie nunmal ist und versuche einen Ausgleich zu schaffen, indem ich mich aktiv für Tierschutz engagiere – und im Übrigen auch für hilfsbedürftige Menschen.

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12 Gedanken zu “Veg-was?

  1. Na ja, genau so seltsam wie der Verzehr von Muttermilch ist der Verzehr von „Pflanzenkindern“ – etwas anderes sind Getreide, Obst und Gemüse ja nicht, schließlich wollen die Pflanzen sich damit fortpflanzen.

    Aber es ist immer gut, sich darüber Gedanken zu machen, was man in den eigenen Körper steckt – egal, ob es um physische oder geistige Nahrung geht.

    (Ich esse alles, aber bewusst.)

    • Ich finde den Vergleich ganz schön weit hergeholt, ehrlich gesagt – das mit der Milch ist auch nicht böse gemeint, ich persönlich empfinde es nur so. Aber ich glaube ich verstehe, worauf du hinaus willst und ich finde es auch wichtig, die Pflanzen genauso bewusst und dankbar zu essen wie tierische Nahrung und auch hier ein bisschen auf Umweltschutz zu achten und ganz überwiegend regional und saisonal zu essen.

      LG
      Liath

      • Man sollte dabei nur nicht vergessen, dass durch den Konsum von Fleisch- und Milchprodukten ungleich mehr „Pflanzenkinder“ sterben müssen, als für eine Vegane Ernährung. Die „Nutz-„tiere leben ja nicht von Luft und Liebe …

  2. Pingback: Was bin ich eigentlich? « Buecherrad's Blog

  3. Natürlich haben Pflanzen auch ein Bewusstsein, das wissen wir wissenschaftlich spätenstens seit dem Lügendetektor- Test. 😉 Andererseits können wir auch nicht von „Luft und Liebe“ leben. Auch wenn ich jetzt bestimmt ebenfalls Kritik auf mich ziehe: Zwar esse ich ebenfalls bewusst und liebe auch meine Pflanzen hier abgöttisch, dennoch unterscheide ich zwischen Milch-/Fleischkonsum und dem Verzehr von Pflanzen. Nicht, weil ich den einen ein größeres Bewusstsein zuspreche als den anderen, sondern weil ich denke, dass die Bedingungen bei dem erstgenannteren wesentlich brutaler sind als Ackerbau und Co. Klar, auch hier gibt es teilweise Pestizide und alles, aber Pflanzen werden nicht lebendig weiterverarbeitet. Sie kommen mit einem „Schnitt“ aus dem Leben, während Tiere teilweise lebendig weiterverarbeitet werden und Kühe für Milch noch zu Lebzeite leiden. Oder sehe ich da was falsch…?

  4. Bei diesem Thema stehe ich auf dem Standpunkt: „Leben und leben lassen.“ Wenn sich jemand vegetarisch/veganisch ernähren möchte und ihr/ihm das guttut und bekommt, ja, warum denn nicht?
    Ich kann dazu nur sagen, dass es mir nicht bekommt und mein Versuch, mich zumindest vegetarisch zu ernähren, kläglich gescheitert ist. Nach 4 Wochen stellte sich bei mir ein permanenter Kopfschmerz ein, nach 6 Wochen war ich so gereizt, dass ich die Wände hätte hochgehen können, nach 9 Wochen wurde ich dazu dann auch noch depressiv und fing beim geringsten Anlass an zu heulen. Das alles entspricht absolut nicht meiner Art. Und spirituell hat es mir überhaupt nichts gebracht. Jedenfalls habe ich für mich den Schluss gezogen, dass ich offenbar noch zuviele Neandertalergene in mir habe und ich mir das nicht noch einmal antun würde. Ganz sinnlos war mein Versuch jedoch nicht. Ich esse nun zwar wieder Fleisch, aber doch deutlich weniger als zuvor und ich habe gelernt, sorgfältig darauf zu achten, was ich esse und wo ich es kaufe. 🙂

    Viele liebe Grüße, Lailokeny

    • Das beweist wieder, was ich gestern einer anderen Bloggerin schrieb: Jeder ist anders und jeder isst anders. Ich habe eine Freundin, der ging es ganz genauso wie dir und ich finde es gut, wenn man zumindest den Versuch wagt, sich informiert und bewusst isst,statt einfach alles in sich reinzustopfen, was die Lebensmittelindustrie einem vorwirft (und was teilweise weit weg davon ist, tatsächlich zu nähren). Genauso wie ich es auch wichtig finde, mal kritisch zu hinterfragen, was so in der Gesichstlotion steckt und wo die herkommt, ob da Tierversuche im Spiel waren und ob man nicht vielleicht noch eine Alternative findet, die freundlicher zur eigenen Haut, zur Umwelt und zu den Mitgeschöpfen ist. Oder ob die Schokolade, die man gerade isst, aus Kakao gemacht, der durch Kinderarbeit gewonnen wurde (und ob Fairtrade wirklich die bessere Alternative ist). Letztlich kann man nicht die ganze Welt retten und es bringt auch nichts, sich den lieben langen Tag Gedanken darüber zu machen, was alles verkehrt läuft. Aber so manch kleine Tat bewirkt vielleicht doch etwas.

      Ich bin ganz froh, dass ich so wenig Probleme mit der Umstellung auf Vegetarisch hatte, von einem leichten Eisenmangel abgesehen, den ich aber schon immer hatte. Dafür hat sich vieles verbessert, ich habe abgenommen und meine sonst sehr unregelmäßige und starke Periode wurde plötzlich auch normaler und vor allem schmerzfrei.
      Spirituell gesehen hat mir die erste Zeit nach größeren Ereignissen (Jahreskreisfeste mit umfangreicher ritueller Ausgestaltung, längere Reiki-/Meditationsabende) aber total die Erdung gefehlt, ich schwebte auf beinahe unangenehme Weise auf Wolke 7, war total empfindlich für alles mögliche, das war extrem anstrengend, wenn auch interessant. Das hatte den ersten Rückfall ausgelöst, nicht die Lust auf Fleisch oder irgendwelche körperlichen Sachen, faszinierenderweise. Inzwischen hab ich das aber auch im Griff und fühle mich wohl damit.

      Alles Liebe,
      Liath

  5. Das mit dem Lügendetektortest steht unter anderem in dem Buch „das geheime Leben der Pflanzen“. Da wird ein Lügendetektor an die Blattmembranen angeschlossen und die elektrischen Impulse der Blattoberfläche (wie bei unserer Haut) gemossen. Und die Pflanzen reagierten mit starkem Ausschlag als einer ins Zimmer kam, der vorher auf einer Pflanze in „Sichtweite“ der anderen herumgetrampelt war, während sie sich entspannten, wenn derjenige kam, der sie gießt.

    Die Umstellung auf vegetarisch war für mich nicht schlimm – oder ich habe es inzwischen schon vergessen 🙂
    An das mit der fehlenden Erdung kann ich mich aber auch erinnern. Das konnte ich durch viele Kartoffelgerichte ausgleichen.
    Wegen Kuhmilchallergie begann ich mich für vegane Ernährung zu interessieren, denn da bin ich ja dann eh schon nah dran, schaffe es aber auch nicht komplett. Es gibt immer noch gelegentlich Eier (von mir bekannten Hühnern…) und Ziegen- oder Schafskäse, auch ab und zu Honig. Aber eben nur gelegentlich und die Wertschätzung dieser Lebensmittel ist bei mir deutlich gestiegen im Gegensatz zu früher. Jetzt wird nicht mehr einfach nur so was reingeschlungen, das ist jetzt etwas ganz besonderes für mich.

    Ernährung ist immer ein brisantes Thema, weil hier meist feste Meinungen und ganze Weltanschauungen aufeinanderprallen.

    Liebe Grüße
    Alruna

  6. also, ein argument gegen milchprodukte ist mmn nach das sog. casomorphin, ein inhaltsstoff von milchprodukten (vor allem käse), der mit dem guten, alten morphium verwandt ist. er macht glücklich, besänftigt, stillt sogar schmerzen. und er macht abhängig, knallhart. das ist ja auch der grund, wieso es den meisten, die umstellen, so schwer fällt, auch milchprodukte zu verzichten. insofern ist die frage gerechtfertigt, wie viel eigener, freier wille im konsum vonmilchprodukten drinsteckt und wie viel sucht.

  7. @Alruna: Danke dir für die Erklärung, das klingt ja spannend! Ich glaube, das Buch setze ich mal auf meine Leseliste.
    Ja, deftige Kartoffelgerichte sind für mich auch eine gute Alternative, auch sonstiges Wurzelgemüse. Und ansonsten halt der direkte Kontakt mit der Erde und Sport, dann passt das schon.

    @Amala: Danke auch die für die Erklärung, ich hatte zwar immer wieder mal gehört, dass Milch süchtig macht, aber nie die Begründung dafür, sodass ich mir nie sicher war, ob das nun Fakt oder Mythos ist.

    Liebe Grüße an euch
    Liath

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