Warum in die Ferne schweifen …?

In unseren Breiten gibt es ja doch so einiges, was Hex und Heid verwerten können – Mythologie, Volksmagie, Brauchtum, Heilmethoden usw., gerade wenn man den gesamten deutschen Raum betrachtet. Klar, nicht alles ist  ureuropäisch, urgermanisch, pures Heidentum usw. – Völkerwanderung (die ja noch gar nicht vollständig erforscht ist), Vermischung mit dem/Verleugnung durch das Christentum und andere Faktoren machen es durchaus schwer, heidnische Wurzeln zu erkunden. Wenn man sich allerdings ein bisschen bei den ganz Alten erkundet, ein bisschen forscht und fühlt, dann findet man hier wahnsinnig viel Verwertbares als Hexe/Heide.

Trotzdem gibt es einige, und ich gehöre dazu, die auch gern mal in die Ferne schweifen und weit über den Tellerrand hinausschauen: Nicht nur dass ich mich rein theoretisch für unterschiedlichste Mythologien interessiere, ich baue da auch gern Dinge, die mich ansprechen, in meine magische Praxis ein. Während mich das Böten, das ja aus unserem Kulturkreis stammt und von dem sogar schon meine alten Tanten geschwärmt haben, mich irgendwie nicht so interessierte, hat mich das aus Japan stammende Reiki schnell begeistert. Während ich mit dem germanischen Pantheon wenig anfangen kann, weder Kontakt bekomme noch mich aufraffen kann, mich theoretisch damit zu beschäftigen, finde ich die Orishas extrem spannend und bin sehr eng einigen griechischen Göttern verbunden. Ganz viel Inspiration finde ich zum Beispiel auch im afro-amerikanischen Hoodoo, wie man hier ja öfter lesen konnte. Viele Jahre war ich total vernarrt in Japan – klar, dass ich mich da auch mit Shintoismus (immerhin ja auch eine Naturreligion) und japanischen Göttern und Sagen beschäftigt habe. Anderes kam auch zu mir, ohne dass ich darauf Einfluss hatte oder ich mich vorher dafür interessiert hätte – Durga beispielsweise, eine Göttin aus dem indischen Raum.

Nun gibt es natürlich immer wieder Leute, die meinen, es sei total unsinnig, sich mit beispielsweise asiatischer oder afrikanischer Magie/Mythologie/wasauchimmer zu beschäftigen, wo wir in Deutschland doch ein so reiches naturreligiöses/hexisches Erbe haben. Als neugieriger und offener Mensch sehe ich das aber anders. Warum nicht die Möglichkeiten nutzen, die einem offen stehen? Was funktioniert, was heilt und was berührt, ist für mich richtig – egal, woher es kommt. Ganz zu schweigen davon, dass vieles zweifelhaft ist, was andere als „so haben die weisen Frauen das hier mal gemacht!“ darstellen.

Ich finde es im Übrigen trotzdem wichtig, die Geschichte des Ortes kennenzulernen, den man Heimat nennt. Ich weiß, dass hier in der Region die germanischen Semnonen und ein Slawenzweig sehr lange dominant waren und habe mich mit deren Glauben auseinandergesetzt, auch wenn mich wenig davon anspricht. Und, noch viel bedeutsamer (meiner Meinung nach!): Den Geist des Ortes kennen lernen, schätzen lernen, sich bekannt machen. Das ist für mich das Fundament meiner Spiritualität, worauf ich alles aufbauen kann und das muss einfach der Ort sein, an dem ich tatsächlich weile. Aber was ich dann in meinen „Garten“ pflanze oder wie ich mein „Haus“ einrichte, da gibt es keine Grenzen.

Und wohin schweift ihr und warum – oder warum nicht?

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7 Gedanken zu “Warum in die Ferne schweifen …?

  1. Da geht es mir ganz ähnlich wie Dir, Liath. Zwar habe ich mich mit der germanischen Mythologie auseinandergesetzt, finde in der Praxis aber keinen Zugang dazu. Zu einigen griechischen Gottheiten und anderen ist mein Kontakt viel inniger. Der Geist eines Ortes ist mir auch sehr wichtig und ich bin auch meistens ziemlich empfänglich für sie/ihn. Das machte sich besonders bemerkbar, als wir umgezogen sind und mehrere Häuser besichtigt haben. Bei zwei der Häuser war der Eindruck so stark, dass ich schon von außen wusste, ich würde da nicht wohnen können, auch wenn das Haus von innen noch so schön wäre. Während ich bei dem Haus, in dem wir jetzt wohnen, gleich das Gefühl hatte, willkommen zu sein. 🙂

    Liebe Grüße, Lailokeny

  2. Nachdem bei uns so vieles leider in Vergessenheit geriet, bzw. mit Feuer und Schwert ausradiert wurde, finde ich es bereichernd, mir Naturreligionen genauer anzusehen, die durchgehend ausgeübt wurden, von den Yoruba über die Indianer bis zum Hinduismus. Davon können wir nur profitieren. Was wir davon in unseren Breiten verwenden wollen, das sollte eben mit viel Feingefühl ausprobiert werden. Bei mir funktioniert z.B. ein Ritual unter freiem Himmel nicht für eine hier komplett fremde Gottheit. Geht einfach nicht. Isis muss hier wohl schon mal durchgerauscht sein oder verwandt sein mit unserer Holda, denn sie ist hier auch gerne daheim. Hekate sowieso… In der Nähe von Köln wurde wohl auch vor kurzem ein Isis-Tempel ausgegraben 🙂
    Aber insgesamt interessiert mich das Thema Magie und Naturreligion so sehr, dass ich einfach auch gerne über meinen Tellerrand hinausschauen will und gucken, was und wie es anderswo gemacht wird. Man muss ja auch nicht unbedingt alles nachmachen, aber es kann einen ja auch einfach interessieren 😉

  3. bei mir ist es ähnlich wie bei dir und ganz anders. oder so 😉
    bei mir ist es aber auch so, dass ich mich sehr für andere glaubenssysteme, pantheen usw. interessiere. mein spiritueller alltag und mein pantheon sind recht bunt gemischt.
    nordisch-germanisch, griechisch, keltisch, hawaiianisch, indisch, ägyptisch … da gibt es viele einflüsse und keinen von ihnen möchte ich missen. ich für meinen teil hab damit auch überhaupt kein problem. ich muss auch sagen das mich für meine spiritualität historische oder geographische aspekte überhaupt nicht interessieren. was mich interessiert ist, ob es sich für mich stimmig anfühlt … ich glaub ich schreib dazu die tage mal was auf meinem hexen-blog, da wollte ich ohnehin regelmäßiger bloggen.

  4. @Lailokeny: Oh, das kann ich mir vorstellen, dass man als sehr sensible Person beim Umzug eine noch schwierigere Wahl hat als ohnehin schon. Aber immerhin kann man sich den Geist eines Hauses ja auch zum Verbündeten machen, wenn man auf Wohnungssuche ist und es einfach passt.

    @Alruna: Das mit dem Isistempel ist ja interessant! Und ja, ich finde auch, man verpasst total viele interessante Dinge, wenn man die Scheuklappen trägt. Ich würde viele Voodoo-Praktiken auch nicht nachmachen wollen/können, aber es ist nichtsdestoweniger sehr spannend zu lesen.

    @Ima: Da bin ich gespannt auf deine weiteren Ansichten und freue mich auf neues Futter in deinem Hexenblog. 🙂

    Alles Liebe an euch,
    Liath

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