Nahrung für Götter, Geister und Ahnen

Viele Heiden opfern regelmäßig ihren Verbündeten – seien es nun Götter, Spirits, Ahnen oder sonst etwas -, ob nun schöne Dinge, eine selbstgeschriebene Hymne oder auch Speis und Trank. Da ich inzwischen recht gern koche und backe, wenn auch für mich selbst selten etwas aufwändigeres, verlege ich meinen Göttinnendienst oft in die Küche (ein Ort, der ohnehin unheimlich magisch ist!). Natürlich kann man, wenn man das möchte, auch ein paar gekaufte Speisen opfern, aber für mich ist es wichtig, Intention, Gefühl und Energie beim Backen oder Kochen in die Nahrung fließen zu lassen, es ist ein ganz persönliches Geschenk – und da finde ich handgemacht einfach am schönsten.

Neulich habe ich beschlossen, dass es Zeit ist, ein bisschen Diät zu halten, weil ich mich – dank Prüfungsstress – bisweilen doch sehr ungesund und/oder kalorienreich ernährte.  Ich hab mir (unter anderem) als Zuckeraustauschmittel Stevia besorgt und mir vorgenommen, ein paar fettarme Kekse damit zu backen und dachte, das könnte ich ja gleich mit dem Göttinnendienst verbinden. Nur, fragte ich mich dann, ist es gerecht, die Göttin (und dazu noch eine, die ich als sehr sinnlich empfinde) auf meine Diät zu setzen? Sie mit etwas abzuspeisen, dass für mich eher eine restriktive Verlegenheitslösung ist?

Ich musste da eine Passage aus Luisa Teishs „Jambalayah“ denken (ein Buch, das ich unheimlich liebe und das ich jedem empfehlen kann, der sich für New Orleans Voodoo, für afroamerikanische Magie und Frauenspiri interessiert):

„Ich habe gesagt, dass es leicht ist, für die Ahnen zu kochen, da gibt es eine Ausnahme. Zwing die Ahnen nicht, deine dogmatische Diät zu essen. Das wird nicht lange gut gehen.

Ich kannte eine Frau, die ihre Ahnen zwingen wollte, vegetarisch zu essen, wie sie selbst. Das Orakel sagte immer, dass sie nicht zufrieden seien.

Ich schlug ihr vor, Hackfleischbällchen für sie zu kochen. Sie tat es und hatte „großes Glück“.

[…]

Jetzt sagen sicher einige von euch: Das ist doch absurd! Warum sollte ich jemandem Essen geben, der es eh nicht essen kann? Denk daran, alles, auch Nahrung, ist Energie. Du gibst einfach Energie an die zurück, die dir Energie gegeben haben. Füttere sie und sie werden dich auch füttern.“

Ich finde, das klingt gar nicht so verkehrt. Bei meinen Ahnen würden mir auch welche einfallen, die wohl sehr pikiert reagieren würden, wenn ich ihnen Tofu vorsetzen würde (trotzdem werde ich natürlich nicht plötzlich ein Steak braten  und es auf den Altar stellen 😉 ). Bei Göttern sehe ich es noch ein bisschen anders, auch wenn ich schon meine, auch dort bei den unterschiedlichen Gottheiten unterschiedliche Präferenzen wahrgenommen zu haben. Sicher sollte man ein bisschen schauen, wem man was opfern will (wer der Göttin der Pferde, Epona, eine Pferdesalami anbietet, würde sich mE ganz schön in die Nesseln setzen), aber ich glaube, die Energie ist wichtiger als die Speise an sich. Nur, steckt in Lebensmitteln, die ich als Diätnahrung herstelle, die gleiche Energie wie in solchen, die ich deshalb mache, weil sie mir schmecken und ich einfach nur Lust darauf habe? Ich bezweifle es irgendwie, aber ich werde mal darauf achten.

Und was denkt ihr?

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17 Gedanken zu “Nahrung für Götter, Geister und Ahnen

  1. Ich denke, dass es auf die Absicht ankommt und auf die Qualität der Nahrung. Vielleicht sogar noch, ob sie mit Liebe zubereitet ist oder lieblos hingestellt wird. Und ob man eine Gegenleistung verlangt oder einfach nur gastfreundlich sein will.
    Hihi, den Nordischen würde ich jetzt auch nicht grade ein Tofuwürstchen servieren, die bekommen eher Hochprozentiges von mir 🙂
    LG Alruna

    • japp so seh ich das auch. ich denke es kommt auf die qualität an und darauf was man selbst davon hält. wenn ich der meinung bin meinen göttern etwas zu opfern was ich als „kostbar“ empfinde und als „stimmig“, dann wird es auch passen. egal was es ist. wenn ich selbst aber etwas als „gering“ erachte, dann wird es sich auch als opfergabe nicht eignen. opfergaben haben ja auch einen symbolcharakter.

      • darum würde ich übrigens auch kein essen opfern, dass ich selbst nicht mag. was wäre das denn für ein opfer?

      • @Alruna: Ja, so denke ich das auch, gerade auch die Qualität der Nahrung ist mir wichtig – natürlich auch, wenn ich für mich selber koche. Ich würde ja auch kein schimmliges Brot essen und wenn ich das jemandem opfere, käme das einer Beleidigung gleich. Und auch die spirituelle Qualität ist mir da wichtig – Schokolade, die mit großer Sicherheit per Kinderarbeit unter miesesten Umständen produziert wurde oder Fleisch aus Massentierhaltung kann mE keine „gute“ Energie sein.

        @Ima: Mit dem „kostbar“ und „gering“ stimme ich zu, das ist ja auch meine Überlegung im Beitrag (nur bin ich mir eben noch nicht sicher, was ich von Diätessen halte ;)). Zum Nachtrag: Ich finde, es kommt drauf an. Ich mag zum Beispiel auch keinen hochprozentigen Alkohol und keinen Tabak, aber in der Geisterwelt kommt der wahnsinnig gut an und so opfere ich da durchaus mal was. Für mich ist das wie beim Beschenken von Freunden: Ich lese auch keine Krimis, aber ich würde sie einer krimibegeisterten Freundin dennoch schenken, weil ich weiß, dass sie sich drüber freut.

        LG
        Liath

      • ja das stimmt schon. ich hab das glaub zu lax formuliert. ich meinte damit, dass ich nichts opfern würde was ich mit meinem gewissen und meiner ethik vereinbaren könnte. wie eben fleisch, sprich tieropfer zum beispiel. (egal ob selbst getötet oder in mittelbarer täterschaft.)

  2. Glücklicherweise gibt es viele gut schmeckende „Diät“-Lebensmittel, die man schnell zuhause herstellen kann. Versuch es doch damit. Wenn ich Muffins mitbringe auf die Arbiet, lecken die Kollegen sich immer die Finger, und da hat sich noch nie jemand dran gestört, dass die mit gesunden Zutaten hergestellt und kalorienarm sind. ^^

  3. ich würde sagen versuch es und finde durch dein gefühl- oder orakel heraus, ob deine götter, geister, ahnen etc. dein opfer akzeptieren. obwohl ich schon die erfahrung gemacht habe, dass besonders zuckerhaltige lebensmittel bei den geistern gut ankommen… aber wenn ich mal wirklich nix gescheites da habe, opfere ich auch mal kräutertee und brot. ich glaube es kommt wie bei allem im leben, immer aufs gleichgewicht an…

    • Ja, das Gefühl mit den zuckerhaltigen Lebensmitteln habe ich auch. Brot steht aber in meiner Wertschätzung so hoch, dass ich finde, das geht auch immer. Jetzt nicht unbedingt altbackenes Billigbrot aus dem Supermarkt, aber so ein selbstgemachtes Brot (egal ob von mir oder vom Bäcker), da steckt viel Arbeit und Energie drin!
      Gleichgewicht ist ein gutes Stichwort, das stimmt. 🙂

      LG
      Liath

  4. ich bin da pragmatisch. wenn ich ein geschenk gebe (ich mag das wort opfer überhaupt nicht – ich habe genug geopfert, die göttinnen kriegen von mir nur noch geschenke), das nicht genehm ist, dann sollen die göttinnen sich melden. wir kommunizieren ja miteinander. so ließ kali neulich ein paar frisch geschnittene blumen (direkt vom feld, 500 m weiter) binnen dreier tage und trotz mehrmaligem wassertausch komplett vergammeln, so richtig eklig mit schimmel, glibber und gestank. ok, waren wohl nicht das richtige. gekochten reis mag sie lieber, und rauch.
    beim geben von geschenken gibt es für mich grenzen. ich bin veganerin und werde demnach keine tierischen produkte hergeben. habe bisher auch noch nie erlebt, daß ein veganes geschenk abgelehnt worden wäre, einfach nur weil es vegan ist. wenn die göttinnen blut wollen – das bekommen sie einmal im monat höchstselbst von mir, ohne wunde, ohne tod.

    • Ich definiere opfern eigentlich relativ neutral als „den Göttern darbringen“ und sehe da keinen großen Unterschied zum Schenken, kann aber verstehen, wenn andere den Begriff negativ konnotieren.
      Vermutlich hast du Recht und es wird einem schon gezeigt, ob die Göttin das mag oder nicht. Ich bin da wie beim Geschenk aussuchen für Freunde: Ich denke tausendmal drüber nach, ob es wirklich das Richtige ist, statt es einfach drauf ankommen zu lassen. ^^

      LG
      Liath

  5. Ich bin da auch pragmatisch- und auch ich sage ‚Geschenk‘ dazu, nicht Opfer. Opfer werden nicht aus Freude gegeben, sondern aus Angst- oder, um sich selbst zu quälen. Das möchte ich in meinem Götterdialog nicht haben. Ich habe es noch nie erlebt, dass man nach etwas verlangt hat, was ich nicht geben will- wenn ich gezwungen wäre, einer Göttin Fleisch zu schenken obwohl ich mich dabei absolut schlecht fühlen würde, würde ich irgendwann aufhören, mit der Göttin zusammen zu arbeiten. Mache ich es trotzdem, sollte ich mich nach dem Warum fragen. Höchstens aus Angst, und da sind wir dann wieder beim Strafe- Gedanken, der da meiner Meinung nach absolut nichts verloren hat.
    Mir erschließt sich nicht, warum Fleisch mehr ‚wert‘ sein sollte als ein Brot. Bei ersterem nehme ich einfach fremde Energie und schmücke mich mit fremden Lorbeeren (in etwa so, als würde ich ein geliehenes Buch verschenken und mich dafür feiern lassen), im zweiten Fall habe ich Mehl hergestellt, selbst gemahlen vielleicht, habe das zu einem Teig verarbeitet, dann gebacken. Da steckt doch viel mehr von mir selber drin!

    • Wie schon oben gesagt, ist Opfern für mich kein negativ belasteter Begriff, sondern ich benutze es im Sinne der Wortherkunft: lat. ob = entgegen, ferre = bringen, also den Göttern/Ahnen/etc. etwas entgegen bringen. Das hat nichts mit Angst oder Qual zu tun und ich schneide mir auch nix aus der Rippe, was ich nicht entbehren kann.
      Ich denke nicht, dass es in dem von mir zitierten Abschnitt darum geht, dass Fleisch mehr „wert“ sein soll, es geht eher darum, dass die Präferenzen der Ahnen auch erfüllt werden (es ging auch nicht um Götter, mir fiel die Passage nur bei den Gedankengängen wieder ein).

      LG
      Liath

  6. Meiner Meinung nach kommt es nicht darauf an, ob etwas fettreduziert ist oder nicht. Wichtig ist in erster Linie die Intention. Ich würde aber interessanterweise nicht auf die Idee kommen, Fleisch zu „opfern“. „Interessanterweise“ deshalb, weil ich selbst schon Fleisch esse. Aber bei „Opfergaben“ nehme ich immer selbstgebackenes Brot, Milchprodukte, Früchte und Wein. Mir ist hier vor allem wichtig, dass es natürliche Produkte sind, ohne künstliche Zusatzstoffe. Vegane Tofuwürstchen kämen bei mir deshalb schon allein wegen diesem Kriterium nicht in Frage. Ich habe neulich aus beruflichen Gründen vegane Fleischersatzprodukte getestet und mir hat es da schon bei der Zutatenliste die Schuhe ausgezogen. Mit „natürlich“ hat das nix mehr zu tun. Da würde ich dann mir und den Göttern doch lieber ein richtiges Steak in die Pfanne hauen 😉

  7. ich denke, dass unsere Ahnen über weltlichen Dingen stehen, sonst hätten pagans mit christlichen Vorfahren ja immer ein Problem (oder Nazigroßeltern, Kriegsverbrecher…) – wir haben unsere Sicht auf Dinge, die aber eine viel weitere.
    was Opfer angeht, so ists bei mir so, dass ich von MEINEM Essen/Getränk teile, also einen Teil opfere und nicht extra koche. Ich teile mein Brot als Geste, lade diese Geste durch das bewußte Tun mit energie auf. Und wenn ich nur einen Apfel und Wasser habe, teile ich das eben. Und wenn ich vorher Wasser aus einer Wuelle geschöpft hab, dann das. Es geht wie so oft in magischen Dingen um das Tun, um das Symbol, die Geste, das Bewußtsein… So seh ich das. Und dann bekommt mein militärischer Großvater eben auch mal ein Energiebällchen 🙂

    • Danke dir für deine Ansicht! Über Nazigroßeltern und Co habe ich mir noch gar keine Gedanken gemacht, wenn ich ehrlich bin und wüsste auch nicht so recht, wie ich damit umgehen sollte und ob ich diese beim Gedenken wirklich einbeziehen würde, selbst wenn deren Sicht weiter ist. Ich suche mir meine Ahnen, mit denen ich den Kontakt halte, bisher aber auch relativ bewusst aus.

      LG
      Liath

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