Anstrengende Zeiten

Uff. Ich glaube, ich war noch nie so vollkommen erschöpft wie momentan. Die Abschlussklausur am Freitag hat nochmal das Äußerste von mir gefordert, ich war die Tage davor schon so ausgelaugt, so völlig am Ende aller Kräfte, dass ich einen Tag vorher nur noch schlafen konnte und darum bitten, irgendwoher genug Kraft, Ruhe und Geistesgegenwart zu bekommen, mich nochmal aufraffen und eine gute Leistung abliefern zu können. Tatsächlich war ich dann die 5 Stunden, die die Klausur dauerte, völlig fit und voller Geistesblitze – und danach so müde, als müsste ich eine Woche schlafen und gleichzeitig so angespannt, dass ich die Ruhe nicht finden konnte, die ich so dringend benötigte. Der Freund machte sich langsam große Sorgen um mich, ich sah aus wie ein Zombie, fahle Haut, Augenringe, stumpfes Haar, hängende Schultern.

Ich beschloss, mich am Tag nach der Klausur einfach in die Bahn zu setzen, irgendeine, und bis zur Endstation zu fahren, mich dann weiter vom Wind tragen zu lassen. Die Göttin war mit mir, sie führte mich zu einer wunderbaren Wiese. Ich zog die Schuhe aus, lief durch das feuchte Gras. Die Sonne schien mir – endlich mal wieder – auf den Rücken. Käfer summten, Schmetterlinge flatterten, es roch nach Sommer. Ich bemerkte, dass ich plötzlich nicht einmal mehr in Berlin war. Und dass die Spannung, nach und nach, von mir ließ. Ich tankte ein bisschen Kraft – nicht genug, ich bin auch heute noch ziemlich kaputt, unglaublich.

Weiter folgte ich dem Wind, fand ein Feld. Ich sammelte Weizen- und Roggenähren für unser Lammasritual und Corn Dollies. Überlegte, wie ich dafür danken, was ich zurückgeben könnte, und schnitt mich währenddessen versehentlich an einer Ähre. Blut tropfte auf den Boden – ein fairer Tausch.

Zuhause angekommen wollte ich mich hinlegen, endlich schlafen. Der Freund guckt auf das mitgebrachte Getreide. 20 Minuten später niest er, wird ganz heiser, hat hochrote Ohren und Pusteln. Beschwert sich über Stechen in der Brust. Ich frage mich leicht panisch, ob ich was falsches gekocht habe, dann frage ich, worauf er noch gleich allergisch war … Roggen. Mist. Die Ähren wanderten also zu einer Bekannten, die Lammas mitfeiern wird. Dem Freund geht es wieder gut, zum Glück. Die Zeit der Entspannung währte nicht lang …

Ich glaube, morgen gönne ich mir noch einen freien Tag, gehe schwimmen, lege mich auf eine Wiese und versuche, in meine Mitte zu kommen.

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7 Gedanken zu “Anstrengende Zeiten

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