Rezension: Die Partholon-Serie von P. C. Cast

Lange gab es keine Rezension mehr, das soll sich wieder ändern, denn genauso sehr wie das Lesen von Büchern selbst mag ich es, über das Lesen von Büchern zu lesen und über Bücher zu schreiben. Und jetzt habe endlich mal wieder Zeit und Lust, etwas anderes als Fachbücher zu lesen.

Die Partholon-Reihe von P. C. Cast (auch bekannt als Co-Autorin der „House of Night“-Reihe, die stark von Wicca inspiriert wurde) umfasst 3 Bände: Divine by Mistake, Divine by Choice und Divine by Blood (auf deutsch „Ausersehen“, „Verbannt“ und „Gekrönt“). Die Geschichte dreht sich in den ersten beiden Bänden um Shannon, eine Englisch-Lehrerin Mitte 30 mit einem Faible für Antiquitäten, Kraftausdrücke, Wein und alte amerikanische Western. Als sie auf einer Auktion eine alte keltische Vase entdeckt, die eine Szene eines Rituals für die Pferdegöttin Epona abbildet, wird sie von dieser magisch angezogen. Auf fast schon unheimliche Art und Weise bekommt sie auch den Zuschlag für die Vase – die sie allerdings letztlich irgendwie in eine andere Welt katapultiert, nämlich nach Partholon. Partholon ist ein pseudo-keltisches matriarchales Land, dessen Hauptgöttin Epona von den Menschen verehrt wird. Shannon wird dort von den Menschen wie eine Göttin behandelt und erfährt von einer Frau, die aussieht wie ihre beste Freundin, dass sie das Spiegelbild der Hohepriesterin Eponas, Rhiannon, ist. Rhiannon, ein selbstsüchtiges Miststück, hat die Plätze mit Shannon getauscht, nachdem sie in Visionen gesehen hat, dass eine Vision schrecklicher Gestalten Partholon droht. Denen muss sich nun Shannon mithilfe der Göttin stellen – und außerdem auch ihrem Handfasting-Partner Clan-Fintan, einem Schamanen, der auch noch zur Hälfte ein Pferd ist …

Der erste Teil ist wirklich schön – es gibt viel Humor und Partholon ist, wenn auch keine allzu realistische oder ausgeklügelte Welt, dennoch ein wundervoller Ort, zu dem man sich gerne denkt. Auch die Protagonistin ist sympathisch – klug, witzig, aber mit ein paar Ecken und Kanten. Die Geschichte rast flott dahin, ist auch spannend erzählt, wenngleich es keine Überraschungen gibt. Die Dialoge sind teilweise etwas arg unrealistisch und auch so manches Logikloch hat sich eingeschlichen, aber da man hier ohnehin nur leichte Unterhaltung erwarten darf und keine Hochliteratur, fällt das nicht allzu sehr ins Gewicht.

Ganz wundervoll ist das Zusammenspiel von Epona und Shannon, die Göttin wurde zum Glück gänzlich ohne Pathos oder Kitsch dargestellt. Der Band ist auch in sich abgeschlossen, obwohl er Raum für die Fortsetzungen lässt – meiner Meinung nach sollte man es aber wirklich bei Teil eins belassen.

Der zweite Band, „Divine by Choice“ wechselt nämlich viel zu hektische mit gähnend langweiligen Szenen ab, wirft sowohl auf Shannon als auch auf Epona ein etwas fragwürdiges Licht, bietet keine sonderliche spannende Geschichte und noch mehr Logikbrüche. Eine schöne neue Idee kommt zwar insofern dazu, als Shannon beginnt, Bäume verstehen und von ihnen Kraft leihen zu können, was genauso wie die Interaktion mit Epona toll beschrieben ist, aber das allein kann das Buch nicht retten.

Band drei führt letztlich viele neue Figuren und eine neue Protagonistin ein, nämlich Morrigan, Rhiannons Tochter (die nicht von Epona, sondern von Adsagsona, Göttin der Unterwelt, auserwählt wird). Vordergründig ist es wieder ein Buch über eine (diesmal junge) Frau, die ihren Weg zur Göttin und zu ihrer eigenen Kraft und Führungsrolle findet. Aber trotzdem bin ich geschockt, wie frauenfeindlich das Buch wenigstens mir erscheint. Bei dem späteren Verlobten und Seelenverwandten von Morrigan dachte ich die ganze Zeit, er würde sich als einer der Bösen entpuppen, weil er sich derart machtbesessen, triebgesteuert und unsymphatisch zeigt. Wenn während einer Zeremonie, wo Morrigan ihre Stärke zeigt, er nur daran denken kann, dass sie so mächtig ist und schön aussieht, dass er sie am liebsten auf dem Boden des Tempels „nehmen“ würde (er ist übrigens auch zur Hälfte ein Pferd), dann finde ich ihn doch nicht wirklich sympathischer als den Gegenspieler Morrigans, einen dunklen Gott, der Frauen kontrollieren und die Göttinnen unterdrücken will … Naja, letztlich wurden die beiden aber von ihren Göttinnen „füreinander gemacht“ – auch schön, dass das dort so Brauch ist, und scheinbar eine Frau bzw. Priesterin allein nicht als vollständiger Mensch gilt, sodass man ihr noch einen männlichen Partner (hallo, Heteronormativität) dazu erschaffen muss … Solcherlei Punkte gab es noch viele und sie haben mir das Buch wirklich verleidet.

Fazit: „Divine by Mistake“ ist ein durchaus lesenswertes Buch, aber die Folgebände kann man sich getrost sparen. Schade, da wurde viel Potential verschenkt!

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