Brigitte und „normale Frauen“

„Brigitte“, das ist eine sog. Frauenzeitschrift, die 2010 angekündigte, wider dem Magerwahn keine Profi-Models mehr zu präsentieren, sondern normale Frauen von der Straße. Jetzt ruderten sie wieder zurück und wollen wieder Profi-Models engagieren wegen Zuschriften von Leserinnen, die sich verunsichert fühlten, weil die normalen Frauen schon so hübsch aussähen, das sie Komplexe bekämen. Bei Models wisse man zumindest, dass sie unerreichbar wären. (Außerdem, so „Brigitte“, sei das Arbeiten mit Agentur-Models billiger, weil effizienter.)

Die geballte Heuchelei, die sich da findet, ist schon ein starkes Stück. Zunächst einmal ist es absurd, davon zu reden, man wolle weg von den oftmals perversen Diktaten der Mode(l)welt und dann in fast jeder Zeitschrift Tricks zum Abnehmen zu präsentieren (es gibt ja auch die berühmte „Brigitte-Diät“) und den Frauen vorzuschreiben, wie sie sich zu gerieren und auszusehen haben, um dazuzugehören.

Furchtbar auch, dass die Frauen von nebenan dann auch retuschiert wurden wie nix, perfekt geschminkt, eingekleidet und frisiert wurden und mit einem Gesicht und Körper, die vielleicht nicht laufstegtauglich waren, aber trotzdem auch nicht zu weit weg von dem Schönheitsideal, das Medien propagieren. Adipöse Frauen? Behinderte Frauen? Frauen mit schiefen Nasen, Akne, Haarausfall? Nö, gibt es nicht in der Brigittewelt. Auch keine arbeitslosen, depressiven oder Klo putzenden Frauen, sondern toughe Buisenessfrauen oder softe Yogalehrerinnen. Wenn ich also auf die Straße gehe, auf der Suche nach den „normalen“ Frauen für die Brigitte, ich würde wohl sehr wenige finden. Denn hier in Berlin ist es normal, dass Frauen Dreads haben und Piercings im Gesicht, bunte Haare oder eine Burka tragen, gestresst sind und auch so aussehen und ganz sicher tragen nicht alle Kleidergröße 34-40.

Wenn ich in meinen Freundeskreis sehe, sehe ich viele unterschiedliche Frauen. Ich finde alle schön. Sogut wie keine ist zufrieden mit sich, viele halten Diäten, die sie furchtbar finden und machen Sport, der ihnen keinen Spaß macht und rasieren sich die Beine, obwohl sie keine Lust darauf haben. Danke, Brigitte und Co (lies: fahrt doch alle zur Hölle, ihr sog. Frauenzeitschriften!).

Bei den sog. Männerzeitschriften sieht es übrigens nicht besser aus was Optik und Inhalt angeht, aber das ist ein anderes Thema.

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3 Gedanken zu “Brigitte und „normale Frauen“

  1. Es gab darüber einen Bericht im Fernsehen.Das hat mich schon über-
    rascht.Angeblich wollten die Modemacher oder wer auch immer ihre
    Kleidung nicht an normalen Frauen sondern an professionellen Models sehen.Aber so richtig haben sie
    sich nicht dazu geäußert.

    • Hm, auch keine besonders gute Begründung. Ich habe mal von einem Fotografen gehört, Designer würden sehr dünne Modelle bevorzugen, weil die Kleidung an denen so fällt wie sie dann auch auf dem Kleiderbügel hängt (ganz unironisch gemeint). Das fand ich auch böse …

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