Von Spiri-Gruppen und unschönen Dingen

Inspiriert durch Alexis‘  Bericht über Götter möchte ich heute mal über die nicht so schönen Dinge schreiben, die oftmals in spirituellen Gruppen passieren und die ich alle schon erlebt habe, denn normalerweise schreibe ich ja eher über das Schöne – und lese auch vor allem Beiträge und Kommentare, wie schön das doch sei oder sein müsste, mit anderen Menschen gemeinsam seine Spiritualität auszuleben, den Jahreskreis zu feiern usw.

Ja, es kann schön sein. Aber es menschelt auch – und zwar immer! Wo viele Menschen zusammen kommen, kommen auch meist unterschiedliche Charaktere, Überzeugungen, Temperamente zusammen und dass es da Reibungspunkte gibt, ist klar. In einer Gruppe Freifliegender hat man dann oft auch noch komplett unterschiedliche spirituelle Ansichten und Arbeitsweisen – der eine glaubt an Gott und Göttin, die nächste nur an die Göttin, wieder andere nur an die eigene Göttlichkeit oder die Ahnen, die Geister des Landes, Engel oder schlichtweg an gar nichts, außer der Macht der Gedanken. Man muss bis zu einem gewissen Grad tolerant sein, möchte man zusammen einen heiligen Raum schaffen, in dem sich alle wohl fühlen. Das heißt allerdings nicht, dass manche die Toleranz nicht zu sehr ausreizen würden, indem sie sehr skurrile Energien in einen Kreis holen, mit denen sich die meisten gar nicht anfreunden können … somit muss man auch schauen, wo die Toleranz enden sollte.

Vertrauen ist wichtig, das allerwichtigste überhaupt – und gerade das fehlt allzu oft. Stößt man neu zu einer Gruppe, fühlt man sich vielleicht als Außenseiter oder wird dazu gemacht, indem man nicht richtig einbezogen wird. Schwer, da Vertrauen aufzubauen. Oftmals hat man in der Gruppe auch konfliktscheue Personen, die ihre Probleme und Sorgen nicht allen gegenüber aussprechen, sondern allenfalls einer bestimmten Person, die ihnen am nächsten steht (und oftmals am ähnlichsten ist)  – oder sie lassen die Konflikte in sich schwelen. Dass beides für viel schlechte Schwingungen sorgen kann, muss ich wohl nicht sagen. In einer Gruppe sollte alles angesprochen werden (dürfen)! Offenheit allen gegenüber ist eine wichtige Vorraussetzung, um Vertrauen zu schaffen und zu erhalten, hintenrum sollte nichts Ausdiskutiert werden.

Manchmal holt man sich auch unabsichtlich einen Spalter in die Gruppe (merke: Menschenkenntnis ist auch sehr wichtig!). Jemand, der aus welchem Grund auch immer, Zwietracht sät, der manipuliert und hetzt. Eine echte Feuerprobe für eine Gruppe, denn meist sind solche Leute nach außen hin überaus freundlich und hilfsbereit, spielen auch gern das Opfer während sie andere als die Bösen darstellen, während sich das wahre Gesicht erst später offenbart – und dann ist es meist schon zu spät. Wichtig ist deshalb auch Loyalität. Nicht blindes Folgen irgendwelcher Hohepriester, sondern Treue, Loyalität und Aufrichtigkeit gegenüber den Menschen, denen man im Kreis die Hand gereicht hat. Ehrlichkeit und Loyalität nehmen Spaltern den Wind aus den Segeln – und Konfrontation.

Oftmals macht sich auch Frust breit, weil die Rituale, die andere kreiert haben und schön finden, nicht dem entsprechen, was man selbst gern tun möchte. Hier ist es wichtig, Kompromisse zu finden und Raum für Abwechslung und Entfaltung zu lassen. Ein starrer Ritualrahmen ist für manche Gruppen hilfreich, weil er Chaos und Pannen in gewissem Maße vorbeugt. Aber er behindert auch das Wachsen der Gruppe und der einzelnen Mitglieder, das voneinander und miteinander Lernen und eine wirklich offene, freie Spiritualität.

Wichtig ist auch, das Machtgefüge zu klären. Haben wir eine Hohepriesterin, einen Ältesten, einen inneren Kreis oder sind wir alle gleichberechtigt? Wenn sich alle damit einverstanden erklären (und zwar wirklich von ganzem Herzen heraus!), dass es eine Hierarchie gibt, ist das natürlich in Ordnung. Schließlich bedeutet das auch oft, dass man weniger Arbeit hat, wenn man unten in der Hierarchie steht und dass man sich vielleicht mehr darauf konzentrieren kann, von Erfahreren zu profitieren und zu lernen. Nicht schön ist es allerdings, wenn man sich auf einen Kreis geeinigt hat, in dem alle gleich sind – und plötzlich meint jemand, an diesem Machtgefüge etwas ändern zu müssen, andere herab- und sich selbst hochsetzen zu müssen. Oftmals mit der Begründung, jemand würde auch die meisten Aufgaben übernehmen – für die andere nicht qualifiziert oder vertrauenswürdig seien. Oder auch mit dem Argument, jemand sei viel länger auf dem alten Pfad … Man kann solchen Dynamiken entgegenwirken, aber oftmals nicht ohne Verluste und man muss sie rechtzeitig erkennen.

Das schlimmste Erlebnis in der Gruppenarbeit ist wohl das Auseinanderbrechen einer Gruppe. Das kann natürlich ganz friedlich passieren, weil sich einfach die Interessen verschieben, weil man wegzieht oder keine Zeit mehr vorhanden ist. Manchmal endet es aber auch in einer wahren Schlammschlacht – all der Frust, der nicht ausgesprochen wurde, wird nun rausgelassen; all die Vorwürfe, die man sich vielleicht jahrelang zurechtgelegt hat, werden nun aufgelistet; all die Verletzungen, die man geheimgehalten hat, werden jetzt nochmal aufgekratzt. Wenn es an den essentiellen Dingen wie Vertrauen, Offenheit, Loyalität und Kompromissbereitschaft gefehlt hat, dann muss und wird eine Gruppe scheitern – und es wird schmerzhaft für alle.

Ich hoffe sehr, dass ich das bewahren kann, was mir wichtig ist, den kleinen Kreis von Frauen, Freundinnen, Zaunreiterinnen, in dem ich mich geborgen fühle. Aber es ist nicht immer leicht zu Vertrauen, wenn dieses Vertrauen schon einmal betrogen wurde. Und es ist nicht leicht, sich Vertrauen zu verdienen, wenn man eigentlich eine sehr verschlossene Person ist. Und noch einiges mehr … ich glaube, da gibt es irgendwann nochmal einen spezifischeren Beitrag.

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4 Gedanken zu “Von Spiri-Gruppen und unschönen Dingen

  1. Hallo Liath,

    das ist ein toller Beitrag!
    Ich hatte mal mit einer Gruppe zutun, die fast alle negativen Aspekte die du oben aufzählst, erfüllt hat. Sie ist dann auch auf eine sehr hässliche Art auseinander gebrochen, mit Anfeindungen innerhalb der Szene usw.
    Ich finde so etwas lehrreich mitanzusehen und hoffe, dass ich die Fehler der Gruppe nicht nachahmen werde.

    Aber ich habe auch schon in eigenen Gruppen Probleme gehabt, z.B. dass Leute zu den Ritualen kommen und sich unterhalten lassen wollen… ohne sich selbst einzubringen versteht sich. Das passiert meist bei offenen Gruppen. So etwas ist extrem frustrierend. Dann kommt das Argument: ja aber ich bringe doch meine Energie ein… o_O ähm… ja… schön… aber je kleiner die Gruppe, umso weniger hilft das wenn nicht mit gearbeitet wird.

    Auch bin ich in Gruppen an dem von dir genannten Punkt gescheitert, dass manche Leute sehr stark abweichende Weltbilder von einem selbst haben. Wenn ich magisch arbeite, dann mag ich sehr gerne einen Ablauf, einen Rahmen… wenn ich kann, dann den trad. gardnerian wicca ablauf. Aber viele Freiflieger können damit so gar nichts anfangen, weil er ihnen zu starr ist… oder sie kennen ihn gar nicht. In total intuitiven Ritualen fühle ich mich immer irgendwie verloren und stehe nur blöd rum.

    LG
    Alexis

    • Ja, dass es so manchen „Ritualschmarotzer“ gibt, habe ich auch schon des Öfteren gehört, aber da ich selbst nie in einer offenen Gruppe war, habe ich das noch nicht erlebt. Ich wäre auch nicht sicher, wie ich damit umgehen würde.

      Mit dem klassischen BTW-Ablauf komme ich auch gut zurecht, weil ich finde, er lässt auch durchaus Raum für individuelle Freiheiten – aber mit so einem ganz krassen zeremonialmagischen Ritualaufbau würde ich gar nicht klar kommen. Und mit einem komplett struktur- und planlosen Gruppenritual wohl auch nicht.

      LG
      Liath

      • Na ja… bei den stark ritualisierten Sachen die ich so vom OTO kenne oder manch anderem… da würde ich dabei einschlafen… ganz ehrlich, ohne respektlos wirken zu wollen. Aber meine ganze Energie und Konzentration würde da verpuffen.

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