Bewertungen

In der Schule fängt es (spätestens) an: Man wird bewertet. Mit Worten, mit Noten, von Menschen, die einen kaum kennen und nach Maßstäben, die einem vielleicht gar nicht gerecht werden. Es setzt sich fort, das Bewerten – im Studium, im Arbeitsleben, im Privaten. Und im Spirituellen? Allzu oft lese ich in Foren, auf Blogs oder in Büchern Bewertungen – werde selbst bewertet.

„Oh, du machst Hoodoo, ist das nicht böse und gefährlich?“
„Oh, du führst Rituale aus, das ist doch nur was für Anfänger und Möchtegernhexen!“
„Ach, du feierst die Jahreskreisfeste nach dem Sonnenkalender, das ist ja sehr untraditionell.“
„Du bist ja noch ganz schön jung, da kannst du noch nicht mitreden.“
„Wie, du bevorzugst die Göttin, aber die Dualität ist doch so wichtig!“
„Du würdest dich für’s Kartenlegen bezahlen lassen? Das ist aber unmoralisch, das macht eine echte Hohepriesterin nicht.“
„Ganz schön altmodisch/viel zu modern, was du da machst!“ […]

Ein bisschen mehr Toleranz wäre schön. Ein bisschen mehr Akzeptanz und ein bisschen weniger bewerten, sich besser, spiritueller, richtiger fühlen – denn keiner von uns ist das. Jeder muss mit seinem Weg glücklich werden und wenn einer gerne in seinem Kessel ein paar Kräuter, Glitzerpulver und Entengrütze bei Vollmond zusammenrührt, um sich einen Liebsten zu suchen und der nächste bei dröhnendem Techno schamanische Trancereisen macht und sich wild durch das Internetorakel klickt, dann hat man das auch so hinzunehmen, statt sich da auf ein Podest zu setzen und diesen Weg schlecht zu reden oder in Frage zu stellen.
Es reicht doch schon, dass man in der breiten Gesellschaft mit Bewertungen und Vorurteilen zu kämpfen hat – muss man auch in der Heidenszene seinen Weg ständig verteidigen, wird es bald keinen Austausch mehr geben, weil das einfach keinen Spaß oder Sinn macht.

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21 Gedanken zu “Bewertungen

  1. Liebe Liath,
    Das kenne ich auch und eine Zeit lang hat mich das fast fertig gemacht. Gerade wenn man, wie ich damals, halt noch nicht 100 Jahre Hexe auf dem Buckel hat und ab und an mal auch noch etwas unsicher ist, kann einem das (fast) zum Verängnis werden. All diese sehr „weisen“ Menschen, die behaupten man sei nur Hexe/Schamanin what ever wenn man die Initiation genau so erlebt und genau das mit genau dieser Tradition lebt….pha….mittlerweile lache ich darüber und sch…sorry PFEIFF auf die. Ich mach mein Ding und höre auf mein Herz, auf die Geister, die Göttin. Mache das, was sich für mich richtig anfühlt, denn genau so ist es eben auch richtig. 😉 Und ich denke jeder sollte sich diese Freiheit nehmen dürfen.

    Lieb Grüsse
    Nicky

  2. Hi Nicky (muss mich erstmal an den neuen Namen gewöhnen ^^),
    ja, das hast du schön gesagt. Natürlich sind gerade die Unsicheren die, die unter diesen Bewertungen und Schmähungen leiden. Wer voll und ganz hinter dem steht, was er tut, der ärgert sich vielleicht über die Arroganz, Intoleranz oder Rechthaberei der Anderen, aber letztlich lässt er sich nicht beeinflussen. Wie es halt richtig ist. 🙂

    LG
    Liath

  3. Über solche Menschen kann man doch nur lachen… es ist ziemlich schwierig, sich in so diversen Gruppen zurechtzufinden, aber gerade deswegen ist es absolut lächerlich, einige Entscheidungen für „richtig“ zu erklären und einige für „falsch“. Schließlich führen alle Wege nach Rom. Oder so.

  4. inzwischen habe ich verständnis für diese bewertungen. sie helfen, dinge, die nicht dem eigenen denk- und handlungsschema entsprechen, irgendwie einzusortieren. das heißt nicht, daß ich so mancherlei bewertung, die mir zuteil wird, nicht unangebracht / albern / unnötig / verletzend finde, aber eigentlich bedeutet bewertung doch bloß eigene unsicherheit. wenn frau in sich ruht und von ihrem „blingbling“ überzeugt ist, werden bewertungen einfach unwichtig. allerdings lauft frau dann wieder gefahr, als arrogant bewertet zu werden *gacker*

  5. Hallo Liath,

    wieder ein sehr guter Beitrag und ich kann dir da nur zustimmen. Diese Bewertungen sind auch der Grund, warum ich in „magischen“ Foren etc. nicht so aktiv bin. Mir hängt dieses arrogante Gehabe zum Hals raus. Gerade im naturspirituellen Bereich sollte man erwarten, auf entsprechende Toleranz gegenüber Verschiedenartigkeit zu treffen. Aber leider muss man immer wieder feststellen, dass viele sich icht besser verhalten als die Katholen, die sie doch eigentlich genau dafür kritisierten.

    LG, Varis

  6. Oh wie wahr, Du sprichst mir aus der Seele!
    Jeder solle zunächst vor seiner eigenen Haustüre kehren, oder noch besser:
    Einfach mal hinnehmen wie jemand (anders) ist.
    Jeder muss schließlich seinen eigenen Wohlfühl-Weg finden und gehen, wie Du selbst auch schon sagtest.
    Und allen Vorrednern hier kann ich mich auch nur anschließen.
    Halten wir das im Hinterkopf und versuchen von nun an uns davon nichts mehr anhaben zu lassen! 😉

  7. Danke euch für eure Meinungen dazu! 🙂

    Wichtig ist natürlich auch, ganz genau zu schauen und selbst nicht zu bewerten. Mir persönlich passiert das manchmal nämlich auch – da werte ich vielleicht vorschnell jemanden als fluffige Esotante, weil sie ihre Erzengelkerzen und Aurasprays betüdelt, obwohl das ja eigentlich nichts Negatives ist, eventuell meine Wertung meilenweit von der Wahrheit entfernt ist und es mir auch total egal sein sollte. Insofern ist dieser Beitrag auch eine Erinnerung an mich selbst.

    • Ja Liath,
      Niemand ist perfekt und ich denke wir alle verhalten uns das ein oder andere Mal total daneben. Leider fällt uns dieses Gehabe aber immer viel eher bei anderen auf, als bei uns selbst. 😉

      Manchmal bewerte ich auch, weil ich denke, dass ich es mal wieder viel besser wüsste und so viel mehr Erfahrung hätte…. Danach nerve ich mich dann über mich selbst! Haha xD Das Leben ist da um zu lernen…

      Liebe Grüsse
      Nicky

  8. Halli hallo,
    ich bin auf diesen Beitrag gestoßen und hab spontan Gesprächsbedarf weil die Kommentare so wahr sind. Ich war selbst in Foren unterwegs und war schockiert darüber, wie sich da niedergemacht wurde. Das Paradebeispiel war ein armer Kerl, recht jung und nach eigenen Angaben am Anfang seines spirituellen Weges, der nach heidnischen Dekomöglichkeiten für seine erste eigene Wohnung fragte. Erst ein sehr fruchtbares Gesprächsthema, bis dann einer den Kommentar einbrachte, vielleicht Runen an die Wand zu malen, da prügelte ein anderer verbal auf ihn ein, dass das ja ein Hohn wäre den Göttern gegenüber, heilige Buchstaben an die Wand zu malen, ginge ja garnicht… was soll ich sagen, der Junge hat das Forum wahrscheinlich nie wieder betreten. Auch persönlich habe ich solche Sachen schon am eigenen Leib erfahren, wie sich gegenseitig be- und abgewertet wurde, du machst das, du machst das… Ich find den letzten Kommentar von wegen Esotante (in meinem Fall dann Esoonkel) super, ich selbst bin zwar auch naturspirituell unterwegs und ziemlich „hexisch“ orientiert aber seit ich vor ein paar Wochen meine Reiki-Einweihung bekommen habe, Durfte ich Bekanntschaft mit Raphael dem Erzengel gemacht. Ich hab das versucht auszublenden, weil ich das für mich selbst als unpassend bewertet habe weil ein „Gesandter“ eines christlichen Gottes mal garnicht in mein Weltbild passte bis ich mir dann bewusst wurde, dass Erzengel oder besser, diese, ja, ich nenne sie mal energetischen Verkörperungen garnicht sooo christlich sind, lange Rede kurzer Sinn, ich habs einfach angenommen und kann da gut mit leben und arbeiten. Tja, manchmal bewerten wir uns auch selbst zu streng, ohne es mal aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.
    Danke für diesen erfrischenden Beitrag und liebe Grüße,
    Phosphoros

  9. Hallo Phosphoros,

    schön, dass du hier mitredest! Ja, eine falsche Frage im falschen Forum kann ein richtiges Streitgewitter auslösen. Wobei das mit den ach so heiligen Runen schon lustig ist – wo es doch so einige archäologische Funde gibt, die belegen, dass die Menschen früher Runen teilweise sogar für total profane oder vulgäre Sprüche an irgendwelchen Wänden benutzt haben. 😉 Naja, hauptsache sich erstmal als Sprachrohr der Götter sehen und verurteilen, schlimm …

    Das mit dem Reiki kenne ich auch – ich bin ja auch eingeweiht und eine Zeitlang war ich da auch sehr fluffig drauf, voller Licht und Liebe eben (und auch mit Engelsanklopfen, aber aus anderen Gründen als dem eher christlichen Hintergrund habe ich das abgewiesen). Da war ich teilweise auch skeptisch gegenüber meiner eigenen Entwicklung/habe mich bewertet, bis ich erkannte, dass das doch Unsinn ist. Was einen glücklich macht bzw. was für einen funktioniert, kann nicht komplett daneben sein.

    LG
    Liath

  10. Jaja, ich glaube wir alle kennen Phrasen wie die oben genannten… aber ich selber kann mich davon nicht ausschließen – ich glaube das liegt daran, dass ich das seit meiner Kindheit vorgelebt bekam – von der Gesellschaft (wie wir alle: „Das macht/tut man nicht… das ist gut/böse/schlecht…usw)
    Dementsprechend gestaltet es sich als schwierig, selber nicht zu urteilen, denn es passiert meistens binnen Sekunden.. Vielleicht ist der erste Schritt erst einmal das Bewusst-werden, dass man gerade etwas beurteilt hat – um dann ein wenig mehr Gefühl dafür zu bekommen…

    Aber wenn ich jetzt sage, dass Bewerten nicht gut sei – dann bewerte ich schon wieder 😉 Und das macht man als Hohepriesterin von Avalon nicht *lol*

    • So ganz ohne Bewertungen geht es wahrscheinlich auch nicht, wir sind halt alle Menschen und als solche manchmal sehr impulsiv in unseren Gedanken. ^^ Aber ich denke auch, das Bewusst-werden ist ein guter 1. Schritt.

  11. Ach, ganz ehrlich. Mein Blog hat ja auch einen ziemlich *fluffigen* Namen und wie schon bei einem meiner Vorredner spielt Erzi Raphael in meinem Leben eine große Rolle. Nun ja, er scheint nichts gegen Hekate & Co. zu haben ;D Und Engel sind vom Ursprung her auch alles andere als christlich. Wobei ich auch darüber nicht urteilen möchte =)

  12. Das stimmt, sie sind keine christliche Erfindung aber landläufig springt bei einem oder besser gesagt bei mir beim Wort „Engel“ die christliche Schublade auf. Trotzdem war mein erster Gedanke *was will der von mir?* Ich konnte mit der Licht- und Liebe-Fraktion (das war jetzt völlig wertfrei gemeint!), von der ich eigentlich immer nur kannte, dass die mit Engeln und Erzengeln arbeiten, nie was anfangen, geschweige mich damit identifizieren. Mittlerweile nehme ich es halt an und bitte ihn während einer Reiki-Anwendung um Unterstützung und es fühlt sich prima an und wie heißt es so schön von wegen über den Tellerrand schauen?

    Im groben und ganzen spricht gegen die Bewerterei ja nichts, in dem wir bewerten, legen wir ja nur unsere eigenen Maßstäbe offen bzw vergleichen andere mit diesen. Schlimm wird’s ja, wenn versucht wird, die eigenen Maßstäbe als allgemeingültig zu erklären und andere damit herabzustufen. Und das ist denke ich ja auch nicht unsere Intention, wenn wir mal hier mal da was be-werten.

  13. Ich glaube,es ist die Art und Weise,wie ich etwas bewerte.Ich kann
    versuchen,dabei sachlich zu bleiben ohne zu verletzen.Kritik ist nicht
    immer schön, kann aber zum Nachdenken anregen.
    Ich bin erst am Anfang meines spirituellen Weges,aber wie dein Name
    -Wege der Magie-so schön sagt,es gibt verschiedene Richtungen,
    Möglichkeiten und Kombinationen.
    Meine Tochter glaubt an Gott und möchte auf eigenen Wunsch
    konfirmiert werden.Das ist ihr Weg.
    Ein klasse Beitrag.Klasse Komentare.Jedenfalls wird es immer wieder
    Menschen geben,die meinen,die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben.

    • Ja, das „wie“ ist entscheident, da hast du (und Athena) recht. Und auch das Warum: Will ich nur für mich die Maßstäbe festsetzen? Will ich einen konstruktiven Austausch anregen? Oder will ich jemanden nur abstempeln, herabsetzen, mich aufspielen? Bewerte ich aus Angst, Unwissenheit, Arroganz, Neid, Unsicherheit? Sich zu hinterfragen (oder auch den,der wertet) beugt vielen unnützen Kommentaren oder verletzten Gefühlen vor.

      LG
      Liath

  14. Ja, da hast Du Recht Weidenfrau und ich muss Dir beipflichten: Der Ton macht letzten Endes die Musik!
    Wenn eine Kritik freundlich formuliert ist und auch noch konstruktiv, ist das vermutlich eine wertvolle Sache. Einfach abgezogener „Mecker“ jedoch – so nach dem Motto „So, da has´e“ ist so ziemlich das Letzte was ein Lernender oder eben sich Entwickelnder grad gebrauchen kann.

  15. Ein sehr schöner Beitrag, Liath. =) Ich schließe mich da prinzipiell eher Amala und Athena an – Wertungen und Urteile bekommen erst Gewicht, wenn wir ihnen eines zugestehen. Wenn wir wissen, was wir tun und warum, welche besondere Bedeutung unsere Art eben für uns hat, dann kann sie kaum von irgendwem einfach schlecht gemacht werden. Wer denkt, er müsse sich über mich lustig machen, noch dazu in Themen, die solch eine Intimität haben wie Religion, der hat in meinem Leben nichts zu suchen. Und manchmal hat so ein hingeschnoddertes vorschnelles Urteil vielleicht auch den Effekt, daß man sich selbst mal wieder ein bißchen von außen betrachtet und womöglich durchaus einen Punkt findet, der einem selbst nicht gefällt und den man ändern kann.
    @ Phosphorus: Sehr spannend, Deine Reikieinweihung. =) Ich habe selbst die Existenz von Engeln jahrelang geleugnet, bis sie wirklich mit der Keule kamen. Heute kann ich mir ein Leben ohne sie nicht mehr vorstellen, und trotzdem schwebe ich nicht auf einer rosa Glitzerwolke durchs Wunderland. Die sind halt da. Und wie mal ein schamanisch arbeitender Mensch zu mir sagte, verstehen sie sich ausgesprochen gut mit meinen (und seinen, was ihn wirklich überraschte) Krafttieren. Vermutlich hilft uns einfach jedes Wesen, das wir zulassen und diese ganzen Kopfschubladen „das paßt mit dem nicht zusammen“ sind einzig unser Problem.

  16. Jepp, mein Hummelchen – das kann ich nur bestätigen 🙂
    Ob nun Göttin mit Engel oder Krafttier mit Dämon – irgendwie kommen sie doch alle viel besser miteinander klar, als wir uns das meist so vorstellen können. Am kleinlichsten sind bekannter maßen wir Menschen…

  17. Jeder bewertet wohl für sich, hält manches für toll, anderes für doof. Aber man muss ja auch ungefragt nicht alles aus- und ansprechen, sondern könnte auch einfach „seinen“ Weg gehen und andere ihre eigenen Erfahrungen machen lassen. Diese fürchterliche Arroganz, die eigene Sicht der Dinge als allein seelig machende zu betrachten und anderen aufdoktrinieren zu müssen, die schreckt mich auch immer wieder ab.
    Reiki, ja, hihi, bei mir ist seitdem Zadkiel ein ständiger Gast/Begleiter. Da habe ich mich auch lange dagegen gewehrt und habe schließlich doch nachgegeben. War genau dieses Schubladendenken von dem Hummel schreibt 🙂

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