Hexe sein, Spiritualität & mehr

Via Nymphenkuss habe ich ein paar Fragen gestellt bekommen, die ich sehr interessant finde und über die ich teilweise ohnehin schon bloggen wollte (es fehlte nur noch der entscheidende Schubs, insofern dankeschön für ebenjenen. ;)).

Was bedeutet „Hexe sein“ für dich?

Hexe ist ein Wort, das ziemlich negativ besetzt ist – als Frau bist du oft Hexe oder Heilige, gemein oder gut. Für mich ist es aber keinesfalls eine Beleidigung, Hexe zu sein, denn eine solche Hexe (übrigens finde ich, das Wort passt auch für Männer) ist jemand, der die Welt mit anderen Augen sieht, der immer mehr als eine Ebene sieht und auf mehr als einer Ebene seinen Willen manifestieren kann, um seine eigene Realität zu schaffen. Jemand, der die Natur als heilig ansieht und als beseelt. Hexe sein bedeutet für mich nicht, dass man Götter verehrt, magische Kreise zieht, einen Altar aufstellt oder einen Besen hat. Es ist eher eine ganz bestimmte Art, zu sehen, zu handeln, zu leben.

Wie bezeichnest du dich selber?

Das kommt darauf an. Ich versuche inzwischen selbst, mir kein Label aufzudrücken, weil es mir nichts bringt. Wenn mich ein Atheist oder Christ fragt, ob ich religiös sei, antworte ich oft der Einfachheit halber, dass ich naturspirituell bin, weil der Begriff so schön schwammig ist und alles Mögliche reinpasst und die meisten Leute eh wissen, dass ich ziemlich „Öko“ bin und es sie somit nicht weiter wundert. 😉 Wenn mich jemand aus der neuheidnischen Szene fragt, erkläre ich, dass ich eine Freifliegende mit schwer erklärbarem eklektischem Glauben bin (wo auch wieder viel reinpasst).

Und wie sah dein Weg dorthin aus?

Naturverbunden war ich schon immer, das ist auch ziemlich normal, wächst man in einem kleinen Bauerndörfchen auf. Außerdem gab es so viele Orte dort, die magisch waren – Burgruinen, Hügelgräber, uralte Bäume und natürlich auch viel Brauchtum wie Erntefeste, Osterfeuer, Rübenlichter, usw. Irgendwann fiel mir dann ein Tarot in die Hände und da war es um mich geschehen – ich wollte mehr wissen, mehr machen, mehr erfahren. Anfangs interessierte ich mich sehr für Wicca, aber das war nicht mein Weg. Auch keiner der anderen Wege, die ich kennen lernte – Asatru, Reclaiming, Dianic usw. – wollten recht passen, also entschied ich mich, meine Spiritualität so zu leben, wie ich sie für richtig halte, eine wilde und bunte Mischung aus allem, was mir gut tut und sich richtig anfühlt.
Als ich nach Berlin zog, fand ich schnell einen Frauenzirkel, dem ich mich anschloß, leider brach auch schnell auseinander. Nach einer Weile, die ich eher allein verbrachte, habe ich jetzt zum Glück wieder zwei Freundinnen um mich – besonders die Jahreskreisfeste machen so einfach viel mehr Spaß, wenn man zusammen essen, lachen, singen kann!

Was steht für dich im Vordergrund: die Spiritualität oder das Hexenhandwerk? Warum?

Ich finde es gar nicht so leicht, beides zu trennen. Was mir momentan aber am meisten bedeutet, ist dieses Gefühl des Einsseins, der Verbundenheit mit allem, mit der Natur, mit Göttern, Geistern, Ahnen, mit Menschen und Tieren, dem Wind, der Erde und allem eben. Und auch die Liebe, die ich inzwischen überall finden und fühlen kann. Das füllt in mir einfach alle kleinen Leerstellen aus und erleuchtet alle kleinen dunklen Plätze in meinem Innern, sodass ich mich selbst als genauso heilig ansehen kann wie alles, was mich umgibt.

Hast du eine tägliche Praxis? Wenn ja, wie sieht sie aus?

Jein. 😉 Ich muss zugeben, in stressigen Zeiten vernachlässige ich oft alles, außer den vermeintlich wirklich wichtigen Dingen – obwohl mir gerade in diesen Zeiten die spirituelle Praxis am meisten helfen könnte. Was ich also nahezu täglich mache: Unter der Dusche (also für mich morgens) fängt es an, ich nutze diese Zeit um micht nicht nur körperlich zu reinigen, sondern auch von allen negativen Gefühlen, Gedanken, von Müdigkeit und von Albträumen und anderem, was ich aus der vergangenen Nacht/dem letzten Tag nicht mit in den neuen Tag nehmen will. Da kann man einfach prima visualisieren, chanten und Co.
In der Straßenbahn gebe ich mir dann meist ein bisschen Reiki.
Wenn ich abends wieder zuhause bin, zünde ich eine Kerze an und versuche, in meine Mitte zu kommen, ruhig zu werden, manchmal auch Kontakt zu bekommen. Momentan beschäftige ich mich dann auch immer noch ein bisschen mit den Runen.
Freitagabends (da bin ich immer Strohwitwe) ziehe ich meist einen Kreis und räuchere dabei, tanke darin Energie, lade die Hausgeister ein, reise, biete meinen Göttern was an oder entspanne einfach nur.

Welcher Gottheit bist du besonders zugetan? Warum?

Das wechselt sehr. Am Anfang war es Hekate. Sie war alles, was ich brauchte, lehrte mich viel, gab mir viel und inspirierte mich sehr. Sie wird mir immer wichtig sein, denke ich. Eine lange Zeit war da Bastet – kaum ein Ritual, ohne dass ich danach eine wilde Katze mitten in Berlin in der Plattenbautensiedlung getroffen hätte, die ich streicheln und füttern konnte. Dieser Göttin nah zu sein war so leicht, spielerisch, angenehm.

Später wurde es Aphrodite, das hat mich ganz schön geschockt, weil ich viele Vorurteile hatte. Aber sie hat viel mehr Aspekte, als ich gedacht hatte und ist einfach wunder-voll.
Und dann ist da noch Dyonisos – er kam ungebeten, aber er hat mir sehr geholfen. Seinem Charme, seinem Lachen und seiner Lebenslust kann ich mich schwer entziehen (und will es auch gar nicht). Jedes Glas Wein hebe ich zuerst auf ihn (auch wenn ich recht wenig trinke, wirklich! 😉 ). Er ist die einzige männliche Gottheit, zu der ich bisher wirklich einen Bezug aufbauen konnte.

 

Und was bedeutet „Hexe sein“ für euch?

Advertisements

14 Gedanken zu “Hexe sein, Spiritualität & mehr

  1. Ich habe die Frage von Nymphenkuss, was für mich Hexe sein bedeutet, auf meinem Blog so beantwortet:

    Die meisten Antworten die ich darauf geben könnte würden nicht nur auf Hexen, sondern genauso auf Ökos zutreffen, deshalb lege ich jetzt mal den Fokus eher auf den magischen Aspekt: mich mit den Geistwesen/Naturgeistern/Göttern zu verbinden, zu verbünden und mit ihnen zu kommunizieren.

    Dieses „Verbunden sein“ ist für mich ganz wichtig und wesentlich.

    LG Alruna

  2. Ich sehe mich nicht mehr als Hexe… deswegen werde ich die Fragen so nicht beantworten. Aber ich danke dir, dass du das getan hast, das fand ich sehr spannend zu lesen- und auch inspirierend.

    • In den letzten Jahren sind ohnehin sehr viele davon abgekommen, sich als Hexe zu bezeichnen (ironischerweise machen das jetzt meist nur noch die gaaanz jungen Mädels statt der „weiseren“ älteren Frauen), jedenfalls gerade im deutschen Sprachraum (im englischen sieht das nochmal etwas anders aus). Ich finde das interessant zu sehen, wo die Entwicklung hingeht, warum das so ist und welche neuen Begriffe und Wege geprägt werden.

      Und obwohl ich mich selbst auch des Öfteren von dem Begriff Hexe distanzieren wollte, kam da immer wieder jemand, der mich als „gemeine Hexe“ oder ähnliches betitelt hat (ohne von meiner Spiri zu wissen), sodass das wohl doch immer zu mir gehören wird. ^^

      LG
      Liath

      • Ich fand Deine Antworten super interessant und kann mich bei einigen (z.B. was Deinen bunten Mix der Glaubensidee angeht, oder wie man das nennen möchte) richtig damit identifizieren bzw. mich sogar anschließen. Vielleicht mops´ich das hier, wenn ich mit meinen Beiträgen über Samhain durch bin 😉

      • Mopsen ist immer gern gesehen, ich finde es immer sehr interessant, was andere gleich/anders sehen und nehme darauf oft selbst neue Denkanstöße mit. 🙂

  3. ich denke ich werde in den nächsten tagen mal dazu bloggen was „hexe sein“ für mich bedeutet. 🙂
    deine antworten fand ich jedenfalls sehr interessant. 🙂

  4. Schön,dass du die Antworten hier veröffentlicht hast.Spannend und
    interessant.
    Ich habe in den letzen ein,zwei Jahren überlegt,was ich sein möchte
    und mich für “ freifliegender Mensch“ entschieden.
    Über viele Jahre habe ich mir Bücher gekauft,die mich eher verwirrt
    haben.Aus verschiedenen Gründen habe ich mich damit nicht näher
    beschäftigt und auch keine Gruppen/Personen gesucht oder Workshops besucht.
    Für mich ist auch dieses „verbinden“ wichtig.
    Was ich mir schon immer gewünscht habe:welche Rituale im Alltag
    gepflegt werden.Deine Antworten fand ich darauf sehr inspirierend.
    Vielen Dank

    • Freifliegender Mensch ist eine schöne Bezeichnung. Jede muss – und darf – ihren Weg finden, ob nun allein, unter Hilfestellung Erfahrenerer oder in einer Gruppe Gleichgesinnter. Ich finde, das ist auch das Schöne am Heidentum – wir sind wirklich ganz und gar frei in unserem Tun und Denken.

      LG

  5. Danke für diesen Eintrag!
    Ich bin noch nicht sehr lange „dabei“.
    Allerdings bezeichne ich mich gerne als Hexe, ich bin stolz darauf, eine zu sein, es geht mir gut damit.
    woran ich glaube… gute Frage. Ich würde fast sagen, an nichts. Das klingt härter, als es ist. Ich spüre die Energien und Geister überall, wie sie fließen, was sie verkörpern. Und das ist es, woran ich glaube. Doch ich habe keine Ahnung, wie ich das Außenstehenden plausibel erklären kann.
    Hexe sein bedeutet für mich nicht, zu fliegen oder zu zaubern… sondern zu sehen und zu spüren.

    • Hallo Nachtmusikerin,
      gerade dein letzter Satz trifft es sehr gut und daher kommt ja auch die „Magie“ – das ist nichts Übernatürliches, nur erkennt nicht jeder die Fäden, die man weben kann.

      • Guten Abend 🙂
        Mir gefällt deine Seite sehr gut, ich freue mich, mehr zu lesen !!
        Es war übrigens einer dieser ZUFÄLLE… vor dem schlafengehen „fühlt sich gut an, hexe zu sein“ geg**gelt, diese Seite gefunden, gelesen und verstanden gefühlt.
        So, nun aber schlafen, wie ich es eigentlich vor einer halben Stunde vor hatte……

  6. wunderbare Antworten auf tiefgründige Fragen. Gerade das Sehen und Spüren hat mich sehr berührt, denn genau das ist es, dem ich nachgehe. Leider habe ich so bisher nirgendwohin „gepasst“. Gruppen sind nicht zustande gekommen oder sehr heftig auseinandergegangen. Seit über einem Jahr gehe ich diesen Weg komplett allein – manchmal finde ich das toll, manchmal hätte ich einfach gern Geselligkeit gerade zu den Jahreskreisfesten oder eine Art Zirkel, in dem man sich austauschen kann.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s