Zeichen

Naturspiritualität bedeutet für mich, die Götter nicht nur im Wohnzimmer anzurufen, den Jahreskreis nicht nur in wind- und wettergeschützten vier Wänden zu feiern, Rituale nicht nur am heimischen Herd durchzuführen.
Und es bedeutet auch, nicht nur schöne Karten zu deuten, wenn mir gerade danach ist. Sondern achtsam zu sein, wo ich gehe und stehe. Vielleicht sehe ich Zeichen im Vogelzug. Vielleicht erhasche ich einen Blick auf die Zukunft in einer Regenpfütze. Und – ich lebe schließlich in einer Großstadt – vielleicht gibt mir ein Graffitti einen genauso wichtigen Impuls wie eine Tarotkarte. Man muss die Augen offen halten – und den Geist, dann kommen die Dinge.

Neulich ging ich vom Schwimmen heim und hatte ein ungutes Gefühl, als redete jemand schlecht über mich. Leider erwies sich in der Vergangenheit ein solches Gefühl allzu oft als wahr – und plötzlich, als ich noch darüber grübelte, fiel mir ein langer, dünner Ast direkt vor die Füße, eine Krähe hatte ihn wohl vom Baum mitgerissen, als sie aufflog.
Ich erschrak.
Und dachte nach.
Legt mir jemand Steine in den Weg? Nein, das ist kein Stein, das ist ein Stock.
Hm. Warte, etwas klingelt … „Stock und Stein, brechen mir das Bein – “
Ja, das passt! Aber wie geht der Spruch weiter?
„… doch Worte bringen keine Pein.“*

So sei es. Ich ging meinen Weg nach Hause weiter – irgendwie erleichtert (und dankbar für diese Botschaft).IMG_0141bea

*Meine inneren Gespräche mit mir selbst sind manchmal etwas wirr, aber es ist doch beruhigend, immer mit jemandem reden zu können. *g*

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18 Gedanken zu “Zeichen

  1. Wunderbares Erlebnis! Solche kleinen Botschaften ermutigen mich oft, meinen Weg weiter zu gehen, wenn ich Zweifel und grübel…

    Liebbe Grüsse
    Petra

  2. Schön gesagt und eine wundervolle Botschaft, im wahrsten Sinne des Wortes.
    Ich sehe das mit der Naturspiritualität im Prinzip wie Du. Nur erkenne ich natürlich auch dass ich schon alleine wg. der Vollzeit-Arbeit, Haushalt und anderweitigen Verpflichtungen nicht so viel auf die Beines stellen kann, wie ich vielleicht gerne würde.
    Oftmals reichen mir dann auch wirklich die „Begegnungen“ in meinen vier Wänden oder eben draußen auf der Terasse. Jedenfalls was Rituale angeht. Sehen, fühlen, wahrnehmen, das geht natürlich auch so in Alltag, wenn man draußen unterwegs ist.
    Ja ja, die „Stadthex von heute“ muss sich halt anpassen und aus den Gegebenheiten das Beste machen. Es funktioniert. Auch wenn ich mich manchmal nach einem Ritual mit mehreren Frauen in der freien Natur sehne. Alleine habe ich offen gestanden einfach zu viel Angst, heut zu Tage. Wenn ich mir nur vorstelle im Dunkeln alleine im Wald rum zu laufen…
    Aber glücklich und verbunden fühle ich mich auch so )O( Einfach jede Gelegenheit beim Schopfe packen und zur Not einen Teil der Natur einfach ins Heim holen, das ist eh schön.
    LG Athena
    (kann mich hier irgendwie nicht mehr anmelden, spinnt manchmal)

    • Ich glaube, da geht es vielen von uns so – ob nun die wirbelnde Hausfrau und Mutter, die Berufstätige, die Studentin oder Schülerin, das Privatleben bleibt in dieser hektischen Zeit oft auf der Strecke. Gerade deshalb ist es für mich ja so wichtig, dieses Spiritualität im Alltag zu sehen – ich habe Natur geschrieben, aber eigentlich meinte ich Umwelt, also auch der Weg zur Arbeit (der ja meist auch Bäume, Büsche, einen Wolkenhimmel bereithält) gehört dazu oder sogar die Topfpflanze im Büro.

      Aber eine Hexe sollte doch wissen, dass es im Wald nichts Gefährlicheres gibt als sie selbst. 😉 (Eine Bekannte zieht Schutzkreise, die sogar Mücken und Wildschweine abhalten, vielleicht kann ich das in ein paar Jahrzehnten auch. *g*)

      • Haha 😉
        Aber ernsthaft, da geb ich Dir natürlich Recht. Magie ist in Allem, in uns und um uns herum. Man muss sie nur sehen (wollen). Magische Momente kannst Du deshalb immer und überall haben, gerade in den alltäglichen „Dingen“ bzw. auf den Wegen…

  3. So sehe ich das auch! Eine Hexe zu sein – oder wie immer sich ein naturspiritueller Mensch bezeichnen mag -, ist eine Lebenseinstellung, kein Hobby.

  4. *Meine inneren Gespräche mit mir selbst sind manchmal etwas wirr, aber es ist doch beruhigend, immer mit jemandem reden zu können. *g*

    In diesem Satz erkenne ich mich selbst wieder, und für lange Zeit war ich auch mein einziger Gesprächspartner. Schon allein weil ich mich immer mehr in mich zurückgezogen habe, und meine Erlebnisse mit niemanden teilen konnte und auch manches Mal nicht wollte. Zu viele Erklärungen und zu wenig Verständnis.
    Mit offenen Augen und einem offenen Herzen lassen sich so einige Zeichen entdecken, es ist immer spannend, und wie in Deinem Fall muss es auch nicht immer etwas negatives sein. Wir sind nunmal nicht alleine^^
    Ich wünsche Dir noch einen schönen Freitag
    Silberweide

  5. Hach… dein Text berührt mich irgendwie. Besonders, weil ich gerade heute gemerkt habe, das mir mein über alles geliebten Bezug zur Natur im Moment etwas entglitten ist.
    Ich gehe zwar jeden Tag mit meinem Hund Gassi, habe derzeit aber auch einen Pflegehund dabei und muss mich einfach auf die beiden konzentrieren. Aber das ganze geht nur noch bis Ende Januar, dann kann ich sie wieder alleine mit meinem Hundekind genießen, bis dahin mache ich einfach das Beste daraus…

    • Ich kann mir vorstellen, dass das ganz schön fordernd ist. Aber immerhin siehst du rechtzeitig zum Februar, wie die Natur langsam aus ihrem Schlummer erwacht, das ist immer so eine schöne Zeit. 🙂

  6. Liebe Liath,
    danke für diese (wirren?) Gedanken-ich habe auch in letzter Zeit bemerkt, dass ALLES dazu gehört: dass Tarotkarten zum Beispiel einfach eine klare Übersicht bieten und einfacher zu behandeln sind, aber dass nicht nur die Karte, die zu dir kommt, deutbar ist, sondern ALLES, was zu dir kommt. Ich habe letztens auch Zeichen im Verhalten von Vögeln entdeckt und hoffe, dass ich diesen Sinn noch weiter ausweiten werde.
    Von daher konnte ich mich gut in deinem Artikel wiederfinden 🙂

  7. Oh, das würde ich (wieder mal) genau so unterschreiben. Vor allem den letzten Satz. ^^ Sehr schön. =D

    Ich denke auch, wenn wir offen dazu sind, kann alles und jedes für uns – und nur für jeden persönlich – eine Botschaft transportieren. Mir hätte so ein Ast vielleicht etwas ganz anderes bedeutet, schon allein, weil ich den Reim nicht kannte, und in mir lösen auch oft banale Kleinigkeiten die entscheidenden Gedanken aus.

    @Athena: Ich glaube, Liath meinte nicht mal unbedingt, daß man sich vornehmen muß, jetzt aber mal was draußen zu machen (dafür fehlen mir auch Zeit und die richtige Gesellschaft), sondern daß es eben draußen genauso wie im eigenen Wohnzimmer zu spirituellen Begegnungen und Erkenntnissen kommen kann. Selbst wenn man einfach nur mit dem Rad zum Bäcker fährt. Oder wie in meinem Fall mit dem Hund Gassi geht und plötzlich die Birken sprechen hört. Und das ist doch total bereichernd. =)

  8. „Der innere Mentor“ – das fällt mir ganz spontan zu deiner Inneren Zwiesprache ien – und natürlich kann ich dir nur aus vollem Herzen zustimmen: Naturspiritualität findet, wie der Name schon sagt – besonders in der Natur statt – und dort ist meist der Ort, wo wir weise Antworten finden…

    Und gerade in der Großstadt bekommt es eine ganz andere Wendung – die „Unterweltgöttinnen“ denen man in den U-Bahnhöfen begegnen kann, Tarot-Grafitti (als Antwort auf eine frage, die man gestellt hat).

    Danke – das erinnert mich daran, wieder ein wenig in urban primitive lesen sollte 😉

  9. Jawoll, raus mit uns an die frische Luft! Draußen sind Rituale und auch diese Zwiegespräche viel kraftvoller. Und Zeichendeutung ist immer spannend und braucht keine kostspieligen Hilfsmittel.

    • In der Tat. Man braucht keine Runen, wenn es auch Flußkiesel und Wiesensteine tun. Man braucht kein Tarot, wenn man Bilder in den Wolken sehen kann (auf Molchinnereien zum Orakeln wie in einschlägigen Hexenfilmen verzichten wir lieber *g*). Allerdings ist es natürlich trotzdem schön, sowohl die eine als auch die andere Möglichkeit zur Verfügung zu haben.

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