Scham

Wir schämen uns für Nacktheit, obwohl wir nackt auf die Welt kamen und die Kleidung uns nicht angewachsen ist.

Wir schämen uns für Schwächen, obwohl jede und jeder welche hat.

Manche schämen sich für ihren Körper, weil er zu dick ist oder zu dünn, weil er Narben hat oder Makel, obwohl dieser Körper doch Tempel der Seele ist.

Andere schämen sich für ihre Bedürfnisse – Scham für die Lust am Sex, am guten Essen, an Dingen, die uns glücklich machen.

Wir schämen uns dafür, zu spielen, albern zu sein, lauthals zu lachen, irrational zu sein, animalisch zu sein, weil wir ernst und erwachsen sein sollen.

Wir schämen uns dafür, versagt oder verloren zu haben, obwohl in jedem Verlieren ein Gewinn an Erfahrung liegt.

Manche schämen sich für ihren Gesang, ihren Tanz und sind unfrei darin, ihrer Seele Ausdruck zu verleihen.

Scham setzt Grenzen. Übertritt diese Grenzen und du wirst freier, lass deine wilde Frau aus dir heraus. Denn es gibt nichts in dir, an dir, aus dir, wofür du dich schämen müsstest.

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18 Gedanken zu “Scham

  1. Oh ja, wem sagst Du das?! Ich schäme mich für alles mögliche! Das fängt beim Husten an (kein Witz, könnte ja jemand als störend empfinden) und hört bei meiner Figur, meiner Blässe usw. auf. Keine Ahnung woher ich das habe. Aber es scheint Hoffnung zu geben: Mit dem zunehmenden Alter bin ich dies bzgl. auch ruhiger geworden und das höre ich von vielen Frauen.

  2. Oh ja, die liebe Scham… Mit ihr komme ich auch oft in Berührung… das hat auch so super viel mit Minderwertigkeitsgefühlen zu tun. Wenn man sich nicht minderwertig vorkommen würde, würde man sich selbst ja den Wert dafür, was gerade ist, zugestehen und müsste sich nicht dafür schämen. Ich bin der Überzeugung, dass Scham einfach ein Teil unserer Programmierung während der Sozialisation ist und dass man dieses Programm durch bewusstes Leben, durch Arbeiten an sich selbst, ändern kann. Es ist nicht einfach und es kommt nicht von heute auf morgen, aber ES GEHT. Immer nur Stück für Stück. Aber wahres Wachstum kann auch nur langsam sein, oder hat man schon mal einen Baum in 2 Sekunden in die Höhe sprießen sehen?

    • Da sagst du wahre Dinge. Leider hat man ja das Problem, dass man sich selbst verändern kann – aber die Umwelt nur bedingt. Und die will einem nur zu gern vorschreiben, wofür man sich zu schämen hat, was man nicht tun soll. Manchmal wird man schon für’s laute Lachen missbilligend angeschaut. Und nackt Gärtnern im Hochsommer bei 30° C im Schatten? In der DDR kein Problem, heutzutage geht das gar nicht, da soll man sich schämen, wenn man nur auf die Idee kommt, sowas zu machen. Aber man soll ja selbst die Veränderung sein, die man sich in der Welt wünscht – also, auf geht’s!

  3. Da komme ich endlich wieder in deinen Blog und dann gleich so ein toller Post.
    Er trifft genau das was ich denke!! Und ich bin so froh, das ich schon so viele Schritte in die „Schamlosigkeit“ gemacht habe!! Es ist ein unheimlich tolles Gefühl, wenn man sich nicht mehr ständig einen Kopf darum macht, was andere über einen denken… 🙂

      • Fremdschämen bedeutet, die Peinlichkeit der Schamlosen mit Anstand zu ertragen. Ich möchte darauf nicht verzichten, schließlich möchte ich mich auch nicht mit den Schamlosen gemein machen.
        Gruß M. M.

  4. Hhhhmmm, mal was anderes *grummel*
    Wo ist denn Dein neuester Post mit dem Frühlingsspaziergang abgeblieben?
    Hatte per mail eine Benachrichtigung erhalten, aber hier wird er mir gar nicht angezeigt :-/
    Liegt das an mir bzw. an meinem Computer…?

    • Nein, ich hatte den nochmal rausgenommen, weil bei mir bzw. WordPress was nicht richtig geklappt hat mit der Bildkomprimierung und ich den Fehler erstmal nicht beheben konnte.

  5. Da kann ich dir Zuversicht geben – je älter man wird, umso weniger ist einem peinlich, umso weniger schämt man sich für irgendwelche Unzulänglichkeiten. Ist halt so, basta 😉

    • Das sind doch mal beruhigende Prognosen. 🙂 Wobei ich mich inzwischen für viele Dinge auch nicht mehr schäme: nackt sein, singen, laut lachen, anders aussehen – alles kein Problem!

  6. Scham geht oft einher mit der Meinung, Menschen hätten „so und so“ zu sein, glaube ich, und je mehr wir uns davon befreien, andere Leute in Schemata einzuordnen, desto mehr Freiheit gönnt uns das auch selbst. ‚Man‘ (mein persönliches Unwort) sagt so etwas aber nicht, man kleidet sich aber nicht so, eine anständige Frau tut so etwas nicht… das habe ich auch sooooo oft gehört. Und ich werde immer unverschämter.
    Im Übrigen – auch mal an den einen fremdschämenden Kommentator hier – was jemand für sich als Peinlichkeit einordnet ist eigentlich immer eine sehr interessante Charakterstudie.

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