Wärme

(Vorab: Ich weiß, dass ein bereits veröffentlichter Artikel wieder verschwunden ist. Mea culpa, technische Probleme machten dies erforderlich!)

Gestern war ich mit einer Freundin von mir und einer Bekannten dieser Freundin zum gemeinsamen Kochen verabredet. Es gab vegane Vollkorn-Bolognese-Lasagne und veganes Mousse au Chocolat. Das Kochen war spaßig, das Essen war grandios und die Gespräche ebenso gehaltvoll und köstlich wie die Nahrung. Es brachte mir Wärme. Wärme in der kalten Winterzeit, Wärme die mich auftauen ließ in einer Zeit, wo ich mich wie zu Eis erstarrt fühlte. Ich wollte ursprünglich absagen, denn ich habe momentan kaum Freizeit, jede Menge Arbeit und Druck und dachte, ich könne es mir nicht leisten, mir einen ganzen Nachmittag in der Woche freizumachen für Spaß und Genuss. Wochenende? Pah, brauche ich nicht. Soziale Kontakte? Lenken jemanden eh nur vom Erfolg ab.
Dabei ist das so wichtig, schön, Kraft gebend und befreiend. Menschliche Wärme, Mahlzeiten voller Liebe gemeinsam gekocht, eine Gemeinschaft von sinnlichen Frauen, Worte von Herzen und lautes Lachen – was gibt es besseres in dieser eisigen, grauen Winterzeit, in dieser hektischen, bedrückenden Welt?

Von dieser Wärme und Geborgenheit nährte ich mich auch heute noch, als ich beim Kochen einen Fehler machte, auf dem glatten Eis bös ausrutschte, eine unsagbar öde Vorlesung durchstand, ein Problem bei meiner Arbeit nicht zu lösen wusste und durch eigene Schusseligkeit erst die Verabredung mit einer Freundin und dann den Yogakurs sausen lassen musste, weil ich ohne Brieftasche losfuhr. Hätte ich den gestrigen Tag nicht gehabt, hätte ich abends sicher mit fürchterlicher Laune und erschöpft bis auf die Knochen über der Arbeit gebrütet. Aber so nahm ich mir zuhause angekommen den Rest vom Mousse au chocolat vor und erinnerte mich der süßen Augenblicke des Lebens, die die Bitterkeit vertreiben.

Und wenn die Wärme des vergangenen Sonntags verblasst, kann ich mich immerhin auf den kommenden Samstag freuen, wo sie nämlich zurückkehrt, selbst wenn die Sonne nicht scheint: Denn dann feiere ich in einem liebevollen Frauenkreis mit Magie, gutem Essen und sicherlich viel zum Lachen und Staunen Ostara.

Ich bin dankbar dafür, dass ich diese Lektion nun endlich zu lernen scheine: Das Leben ist zu kurz, um es nur in Arbeit und Trostlosigkeit zu verbringen und Zwischenmenschliches ist zu wichtig, als dass es zugunsten irgendwelcher zweifelhafter Erfolge außer Acht gelassen werden könnte. Wenn wir wachsen wollen, brauchen wir Nahrung, Liebe und Wärme, die uns leiten und stärken und die Destruktivität ausmerzen.

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9 Gedanken zu “Wärme

  1. Oh, Liath… 😦
    Folgendes habe ich in dem Buch „Solange du da bist“ das erste mal gelesen und für dich nun aus dem Netz herausgesucht.

    Stelle dir vor, du hast bei einem Wettbewerb folgenden Preis gewonnen: Jeden Morgen, stellt dir die Bank 86400 Euro auf deinem Bankkonto zur Verfügung. Doch dieses Spiel hat auch Regeln, so wie jedes Spiel bestimmte Regeln hat.

    Die erste Regel ist: Alles was du im Laufe des Tages nicht ausgegeben hast, wird dir wieder weggenommen, du kannst das Geld nicht einfach auf ein anderes Konto überweisen, du kannst es nur ausgeben. Aber jeden Morgen, wenn du erwachst, eröffnet dir die Bank eine neues Konto mit neuen 86400 Euro für den kommenden Tag. Zweite Regel: Die Bank kann das Spiel ohne Vorwarnung beenden, zu jeder Zeit kann sie sagen: Es ist vorbei. Das Spiel ist aus. Sie kann das Konto schließen und du bekommst kein neues mehr.

    Was würdest du tun??? Du würdest dir alles kaufen was du möchtest? Nicht nur für dich selbst, auch für alle Menschen die du liebst. Vielleicht sogar für Menschen die du nicht kennst, da du das nie alles nur für dich alleine ausgeben könntest. Du würdest versuchen, jeden Cent auszugeben und ihn zu nutzen oder?

    Aber eigentlich ist dieses Spiel die Realität: Jeder von uns hat so eine “magische Bank”. Wir sehen das nur nicht. Die magische Bank ist die Zeit. Jeden Morgen, wenn wir aufwachen, bekommen wir 86400 Sekunden Leben für den Tag geschenkt und wenn wir am abend einschlafen, wird uns die übrige Zeit nicht gutgeschrieben. Was wir an diesem Tag nicht gelebt haben, ist verloren, für immer verloren, Gestern ist vergangen. Jeden Morgen beginnt sich das Konto neu zu füllen, aber die Bank kann das Konto jederzeit auflösen, ohne Vorwarnung.

    Was machst du also mit deinen täglichen 86400 Sekunden? Sind sie nicht viel mehr wert als die gleiche Menge in Euro? Also fang an dein Leben zu leben!

    • Huch, da fehlt noch ein bisschen Text…

      Ich finde dieses Beispiel so passend und wünsche mir sehr, das du ab und zu daran denkst, wenn du dich zu sehr in die Arbeit vergräbst. Du bist so ein offener, herzlicher Mensch, zumindest das, was ich bisher durch deine Blogs von dir erfahren habe.
      Klar, Arbeit ist wichtig und nötig, aber verliere das Leben nicht aus den Augen.

      • Ich danke dir sehr für die schönen und treffenden Worte. Momentan denke ich viel darüber nach, wie wichtig ist es doch eigentlich ist und wie schön es wäre, jeden Tag so zu leben als sei es der letzte. Im Jetzt zu leben, nicht nur für die Zukunft zu schuften, die doch so ungewiss ist. Ich werde mich bessern, bestimmt. 🙂

  2. Wie wahr, wie wahr. Ein schönes Erlebnis. Vermutlich sollte ich mir auch öfter zeit für solche Frauen-Runden gönnen. Aber es wird ja schon.
    Alles Liebe weiterhin für Dich – Kopf schön hoch halten ♥ – und eine wunderschöne Ostara-Feier wünsche Ich Dir!

    • Ja, ich kann es dir nur empfehlen. Aber es ist halt auch schwer, eine Runde zu finden, in der man sich rundum geborgen und wohl fühlt – alles andere ist ja dann auch wieder nicht so ganz das Richtige.

      Danke und dir auch ein schönes Ostara-Fest und alles Liebe!

  3. Ich weiß genau was du meinst. Ich bin auch so, dass ich gerne um solche Dinge herumgehe, weil ich sie für ‚verschwendete Zeit‘ halte. Ich weiß, dass es das nicht ist, denn wenn ich mich wirklich mal dafür entscheide, dann zaubert es plötzlich ein Lächeln auf mein Gesicht, von dem ich tagelang zehren kann. Ich habe mir mal einen Spruch zu Herzen genommen: Ich will in zwanzig Jahren eine Biographie über mich lesen können, ohne kotzen zu müssen 😉

    • Der Spruch ist zwar ganz schön derb, aber ich glaube auch, da ist was dran. Und vor allem: Ich will mich bei meiner Biographie auch nicht zu Tode langweilen, sondern weinen und lachen können. Muss ich mir auch mal zu Herzen nehmen, dieses Motto.

  4. Hey Liath,
    mir geht es grad genauso wie dir… Leben oder Beruf? Bin momentan noch dabei, diese beiden Bereiche sinnvoll in mein Leben zu integrieren. Dein Artikel trägt eine Menge dazu bei 🙂
    Liebe Grüße, Sofia

    • „Arbeiten, um zu leben und nicht leben, um zu arbeiten“ – ein altes Problem, aber es wird in unserer Leistungsgesellschaft immer schlimmer. Ich hoffe, du findest da auch deinen Weg, der dich zufrieden stellt.

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