Von Fehlern und Ängsten …

Momentan läuft meine Examensanmeldung, und sie läuft vor allem chaotisch. Meine großen Schwächen schlagen mal wieder zu: Unorganisiertheit und (lähmende, krankhafte) Angst vor dem Scheitern. Ich hatte bis vor kurzem damit gerechnet, dass ich nicht rechtzeitig den letzten mir fehlenden Schein bekommen würde, um mich anzumelden, auch wenn ich allen anderen gegenüber sagte (und mir selbst auch immer wieder einreden wollte), ich sei zuversichtlich. Deshalb habe ich mich eigentlich gar nicht großartig darum gekümmert, schon vor der Anmeldefrist alles Wichtige zu organisieren und mich gewissenhaft auf das Examen an sich vorzubereiten.

Nunja. Ich habe meinen letzten Schein gerade rechtzeitig bekommen und plötzlich brach Panik aus. Soll ich mich jetzt wirklich anmelden? Kann ich mich anmelden? Oh Göttin, wo habe ich all den nötigen Papierkram? Ich hatte so viel Angst davor, am Examen zu scheitern oder auch nur den Papierkram nicht zu bewältigen, dass ich wie gelähmt war und mich erst gar nicht anmelden wollte, sondern die Frist verstreichen zu lassen, während ich mich irgendwo verstecke und elend fühle. Mit Müh und Not (und unter körperlichen Schmerzen und Stresssymptomen) schleppte ich mich dann doch zur Anmeldestelle. Der Papierkram war nicht vollständig. Ich war kurz davor zu verzweifeln – und der Bearbeiter sagt, es sei okay, ich könnte die fehlenden Sachen auch einfach im Laufe das Monats nachreichen.

Und plötzlich ging mir auf, wie albern es war, dass ich mich so gestresst hatte und solche Angst hatte. Die Welt geht nicht unter, weil man einen Fehler macht – in der Regel bekommt man sogar eine zweite Chance. Die Menschen sehen einen nicht als Versager an, weil man etwas nicht auf Anhieb richtig macht oder etwas unorganisiert ist. Es geht immer irgendwie weiter. Vielleicht falle ich ja auch durch das Examen – dann ist es eben so und ich versuche es nochmal. Wenn die Angst davor, etwas falsch zu machen größer und furchtbarer ist, als den Fehler tatsächlich zu machen, hindert, lähmt und verletzt man sich nur selbst. Ich bin ein Mensch und als solcher nicht perfekt. Das ist okay. Es gibt fast immer eine zweite Chance, es besser zu machen, nochmal zu versuchen oder einen neuen Weg zu gehen. Nur wenn ich Entscheidungen treffe, Dinge einfach tue, statt über sie und was dabei schief gehen kann ewig nachzudenken, kann ich mich entwickeln und lernen.

Jetzt heißt es also: Ärmel hochkrempeln, Defizite und Fehler ausbügeln, Herausforderungen annehmen!

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10 Gedanken zu “Von Fehlern und Ängsten …

  1. Liebe Liath,
    Ich kann dich gut verstehen. Ich habe mich gerade durch eine lange, mit viel Versagensangst behaftete Abschlussarbeit-Zeit geschleppt und warte nun auf meine mündliche Prüfung. Heute muss ich ins Prüfungsamt fahren, um meine Scheine abzugeben. Sobald ich den Ordner mit den Scheinen nur anschaue, steigt Panik in mir hoch, weil ich befürchte, sie nicht so angerechnet zu bekommen, wie ich es mir vorstelle (ist etwas kompliziert an meiner Uni mit den Scheinen)….Ich habe vieles auch aus Angst vor dem Scheitern schleifen lassen. Mittlerweile versuche ich mir immer wieder zu sagen, dass es NUR eine Prüfung ist und das Leben nicht unter geht, wenn etwas nicht so top läuft. Aber bis das wirklich mal in Kopf und Herz ankommt……
    Ich drück dir die Däumchen!
    LG, Maren

  2. Kleiner Tipp von einer die da war und überlebt hat: Sogar, wenn du durchfällst, versagst du nicht. Du versuchst es einfach noch einmal.

    (Ich weiß noch gut, wie sehr man leidet, aber es ist wirklich überflüssig. Ich sage dir auch jetzt voraus, dass du dich und dein Studium in der Examnesphase verfluchen wirst, unglaublich viel Zeit auf sinnlosen Seiten im Netz verplempern und dir schwören, dass du nie wieder irgendwas lernen wirst. Und etwa ein halbes Jahr nach Ende wirst du anfangen, von einem Aufbaustudium zu träumen. ^^ )

  3. Liebe Liath,

    es wäre gelogen, wenn ich schreiben würde, es wird alles gut, es wird alles leichter.
    Das wird es nicht. Hast du die Hürde zur Prüfungsanmeldung genommen gehts jetzt erst richtig los.
    Angst, Panik, Herzklopfen, schlaflose Nächte usw. Ich hab alles durch.
    Du wirst über dich hinauswachsen müssen. Vielleicht lernst du eine neue Liath kennen. Eine die bockig die Bücher in die Ecke schmeißt oder jeden Abend weint, weil sie nicht mehr kann.
    Aber es gibt auch was Schönes. Nämlich, wenn man alles geschafft hat, sagen kann, ich hab alles gegeben und sich danach an einen schönen Ort begibt (z.B. dein Lieblingsbaum) und einfach nur faullenzt und die Sonne genießt.

    Uns selbst wenn wir scheitern ist es nicht das Ende. Irgendwo öffnet sich eine neue Tür, ein neuer Weg, wir müssen ihn nur beschreiten.

    Sei zuversichtlich! Ich bin es bei dir! Du schaffst es.

    lg Muse

  4. Ja, das kenne ich: man selbst ist strenger mit sich als der rest der welt! Deshalb habe ich gelernt, meine beste freundin zu sein, seitdem bin ich viel verständnisvoller zu mir selbst.

  5. Liebe Liath,

    auch ich hab Prüfungs- und Versagensängste, doch stelle ich mir einfach vor ich hätte es schon längst geschafft. Denn ich kann es ja, so beruhige ich mich wieder und kann nochmal so richtig anpacken.
    So kam ich auch durch meine letzte Prüfung durch und hab es endlich geschafft 🙂
    Auch du wirst es schaffen!

    Liebste Grüße
    Brane

  6. Wahrscheinlich schlägt sich jede/r mit Prüfungs- und/oder Versagensängsten herum, mal mehr, mal weniger. Ein Examen stellt ja auch irgendwie einen Meilenstein im Leben dar, stellt eine Weiche auf dem Lebensweg. Aber das war das Abitur auch schon und das hast du auch gemeistert.
    Genau, Ärmel hoch und durchstarten – und dich dabei selber nicht vergessen und dir kleine Ruheinseln einbauen. Tschakka, du schaffst das!
    Liebe Grüße
    Alruna

  7. fühl dich mal fest umarmt.
    ich kenne solche situationen aus eigenem erleben. sehr mutig von dir so offen darüber zu schreiben und sehr stark. 🙂
    mir hilft ein satz, den ich mir immer sage, wenn ich mich völlig überfordert fühle, große angst oder ähnliches habe: „auch das geht vorbei“ 🙂

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