Nicht aus den Augen verlieren

Manchmal ist das Leben stressig. Die Arbeit allein nimmt schon 75 % der Wachzeit ein, dann hat man noch einen Partner/Familie/enge Freunde, denen Aufmerksamkeit gewidmet werden muss und dann möchte ja auch der Haushalt geschmissen und allerlei Dringendes wie Steuererklärungen oder dergleichen erledigt werden. Und irgendwann, da zwickt es dich. Da fühlst du, dass dir etwas fehlt. Hattest du nicht einmal Hobbies? Wolltest du nicht einmal ein Buch schreiben, ein Gemälde malen, eine Handarbeit anfertigen? Ah, keine Zeit. Wolltest du nicht das Jahreskreisfest feiern, zu Vollmond trommeln, in der Neumondnacht meditieren? Oh, schon wieder verpasst. Aber es zwickt dich. Du merkst, dass dein Leben voll ist – und doch irgendwie leer. Dass du viel zu viel vor hast und tust – dir aber doch etwas fehlt.

Aber vielleicht kommt der Tag, wo du dir deine To-Do-Liste ansiehst, sie lächelnd mit einer großen Sonne übermalst und rausgehst – um ein Abenteuer zu erleben (mir ist da neulich so ein Einhorn begegnet …), um ein bisschen Yoga im Park zu machen, für ein Hexenteekränzchen, um dich in einen einsamen Wald zu stellen und dir die Seele aus dem Leib zu schreien, um den Frühling zu feiern, deinen Lieblingsbaum zu malen oder sonst etwas zu tun.

Wenn wir stur gerade aus schauen, auf das, was gerade oder für die nächsten Stunden, Tage und Woche zu erledigen ist, dann verpassen wir vielleicht Dinge, die wir nur aus den Augenwinkeln erahnen. Vielleicht verlieren wir aus den Augen, was uns gut tut und Spaß macht, was wichtig auf einer nicht materiellen, aber dennoch bedeutsamen Ebene ist. Vielleicht verlieren wir Menschen aus den Augen, die uns einmal wichtig waren oder wir verlernen Dinge, die uns entspannt haben, bei denen wir uns entfalten konnten oder die uns verzaubert haben. Gib keine Hobbies auf, nicht das Hexendasein und nicht interessante Bekannschaften, weil du glaubst, sie nicht in deinen Alltag integrieren zu können. Schaffe lieber Tage oder Stunden, die nicht Alltag sind.

Mosaikeinhorn

Manchmal muss man sich einmal umsehen und nicht das sehen, was da ist – sondern das, was fehlt. Und sich dann aufmachen, es wiederzufinden.

Advertisements

10 Gedanken zu “Nicht aus den Augen verlieren

  1. Du sprichst etwas an das mich gerade selber beschäftigt. Störenfried ist bei mir allerdings eher die Beziehung.
    Eigentlich kein Wunder wenn der Partner gläubiger Christ ist. Aber ich komme im Moment sehr selten nur zum „Hexen“.
    Die Uni ist mir zur Meditation geworden, ich kann „Ahnenarbeit “ machen, kreativität und Kraft tanken.
    Schön das es dich noch gibt.
    G

    • Ja, dass gerade Beziehungen großen Einfluss auf die eigene Spiritualität (beziehungsweise deren Praxis) haben, musste ich auch schon feststellen – wobei ich bisher die Christen wesentlich offener fand als zum Beispiel die Hardcore-Atheisten. Insbesondere beim Zusammenwohnen kann es dann schon schwer werden, Raum für’s Hexische zu schaffen.

      Und ja, mich gibt es noch und ich freue mich, dass noch jemand mitliest – nachdem ich in den letzten 6 Monaten 4 Mal umgezogen bin, habe ich endlich wieder Ruhe gefunden. 🙂

  2. Schön, wieder von dir zu lesen! Der Text spricht mir ziemlich aus der Seele, es fühlt sich einfach nicht gut an, wenn To-do-Listen und der Alltag alles an sich reißen und kein Platz mehr bleibt für das, was man eigentlich braucht und einem gut tut. Dabei hilft es so sehr, sich auf kleine Abenteuer einzulassen, die ganzen „Ich muss noch“-Sachen für ein Weilchen wegzuschieben und rauszugehen 🙂
    Liebe Grüße!

    • Es ist wie so oft im Leben eine Frage der Balance und die findet sich manchmal gar nicht so leicht – zumal oft nicht nur die Zeit, sondern letztlich dann auch die Energie für Hobbies und Abenteuer fehlt. Aber ich bin überzeugt, man kann sich den Raum dafür zurückerobern, wenn man will.

  3. Schön geschriebener Text! Und mir im Moment auch aus der Seele gesprochen… manchmal sieht man vor lauter „tun“ das Wesentliche und „Eigentliche“ nicht mehr. Dabei plant man doch nur, fertig zu werden, eine Liste abzuarbeiten und am Ende steht man meilenweit neben sich. Manchmal ist es wahrscheinlich wichtiger und besser, sich eine Zeit lang einfach treiben zu lassen.

    „Schaffe lieber Tage oder Stunden, die nicht Alltag sind.“ – das werde ich mir mitnehmen 😉

    Lieben Gruß!

    • Ja, sich treiben zu lassen bringt einen ja manchmal auch an die allerschönsten Ufer! Solange man nicht ZU weit vom Weg abkommt, darf man sich das hin und wieder doch erlauben. 🙂

    • Hihi, danke – ich stehe normalerweise nicht so sehr auf Einhörner, aber das hat etwas so Niedliches an sich gehabt, dass ich es ablichten musste!

  4. Das sind die kleinen Stunden, alles grad mal hinschmeißen , in den Wald laufen. An einem mysthischen Ort Räucherwerk anmachen(ohne den armen Wald abzufackeln !!!) sich mit der Natur verbinden, eine kleine Meditation macht es vollkommen. Ich kenne sie auch, die kleinen Einhörner, welche die Seele baumeln lassen. GGLG

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s