Sei die Hexe, die du sein willst

Bloggerinnen, Autorinnen, Workshopleiterinnen, selbst Roman- oder Filmfiguren malen oft ein ganz bestimmtes Bild davon, was eine Hexe so tut, wie sie sich fühlt, wie sie aussieht, wie sie denkt. Aber denke immer daran: es ist okay, total anders zu sein.

Auch wenn alle Hexen, die du kennst, ein positives Leuchten verbreiten und total hippie-esk und zufrieden mit sich und der Welt wirken, ist es für dich okay, wenn du eher eine grummelige, skeptische, sarkastische Hexe bist. Umgekehrt darfst du auch dann bunt und fröhlich sein, wenn alle im Zirkel plötzlich nur noch schwarz tragen, sich erhaben geben und sich mit silbernen Pentagrammen schmücken. Auch wenn plötzlich alle schamanisch reisen und ihr Krafttier kennen, ist es für dich okay, zu sagen, dass dich das Thema nicht anspricht. Auch wenn es scheint, als hätte jede Hexe ihr Lieblingstarotset und könnte dieses weise deuten, ist es okay, sich rein gar nicht für das Thema zu interessieren. Finde deine eigenen Stärken. Sei deine eigene Art von Hexe. Definiere deine eigene Art von Magie. Hol dir Input, aber lass dich nicht verleiten zu glauben, es gebe einen Weg, der richtig wäre und auf diesem müsste man jenes mal gemacht haben und dieses gut beherrschen und so weiter. So ist es nicht. Erlaube dir, du selbst zu sein, dich selbst zu finden. In einem festen Zirkel oder auch einer Tradition, in der du dich ausbilden lässt, kann das schwierig sein, denn oftmals gibt es da vorgeschriebene Rituale und Themen, aber auch hier solltest du versuchen, möglichst viel von dir selbst einbringen zu können. Hör auf deine Intuition (die dir vielleicht auch sagen mag: okay, Gruppen sind eigentlich gar nichts für mich, auch das ist okay!).

witch

Was macht dich als Hexe aus, worin unterscheidest du dich von den anderen Hexen, die du kennst, und worin findest du dich wieder? Was willst du lernen, was lieber sein lassen? Das sind Fragen, die auch mich gerade beschäftigen und ich finde durchaus erste Antworten. Ich bin keine grundpositiv eingestellte Hippiehexe – vor allem nicht vor dem ersten Koffeinschub. Ich sehe vieles kritisch, ich grübele viel, ich bin oft wütend, sarkastisch sowieso. Aber ich versuche, Probleme zu lösen, die Welt zu verbessern und freue mich sehr bewusst über glückliche Momente und schöne Dinge. Ich kann mit Schamanismus tatsächlich nichts anfangen und mein Krafttier ist mir auch schnuppe. Ich mag Küchenmagie, handfeste Rituale, wildes Singen und Tanzen, das Arbeiten mit Kräutern, Farben, Elementen, mit Dingen, die ich berühren, riechen und schmecken kann, mit Mojos, Kerzen, Tränken, Sigillen. Ich mag Tarot und ich habe ein zwiespältiges Verhältnis zu Runen und kann mit einem Pendel nicht viel anfangen. Ich bin oft echt miserabel im Meditieren. Ich liebe den Mond. Ich feiere gern die Jahreskreisfeste – aber manche davon lieber als andere. Ich liebe total üppig geschmückte Altare. Ich mag kleine Gruppenrituale mit Menschen, die ich gut kenne, aber ich arbeite am wirksamsten allein. Ich trage bei Ritualen am liebsten wallende Kleider und offenes Haar. Ich habe ein echt bunt gemischtes Pantheon. Ich tanzen nach Ritualen gern zu Loreena McKennitt. Ich bin meine eigene Art von Hexe. Und du?

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15 Gedanken zu “Sei die Hexe, die du sein willst

  1. Amen, Schwester! =D
    Und vor Allem bin ich ebenfalls definitv kein „Lichti“.
    Das Wort klingt böse, pardon. Aber ich schätze Du weißt was ich damit sagen will.
    Für mich gibt es nicht schwarz und weiß und schon gar nicht nur weiß.
    Dafür gibt es viel zu viele Graustufen und die ganzen anderen Farben erstmal.
    Ich probiere mich aus. Ich lerne dazu. Ich mag Schamanismus.
    Meine Interessen sind vielfältig und mein Pantheon geht ebenfalls um die ganze Welt.
    Ich reiße Dinge aus dem Kontext, damit sie für mich passen und dann werden sie plötzlich rund.
    Ach, da könnte ich jetzt ewig weiter machen. Eine fabelhafte Botschaft jedenfalls, bravo!

    • Danke dir! Vielleicht magst du das Thema ja auch in einem eigenen Blogbeitrag bei dir aufgreifen? Mich würde sehr interessieren, was du noch dazu denkst, was für eine Hexe DU bist, obwohl man ja auch viel davon ahnt, wenn man bei dir liest. Aber ich denke, es ist einfach schön zu zeigen, wie vielfältig wir alle sind, wie unterschiedlich wir leben, zaubern, fühlen, handeln.

      • Wie ich das hier gerade so von Dir lese, da denke ich mir spontan…. „ich weiß gar nicht ob man das so ahnt“… Weil ich eben vieles auch nicht so ausführlich erwähne oder überhaupt nicht. Ich weiß nicht ob eine meiner Leserinnen denken würde dass ich auch mal Blut in meinen Ritualen verwende bzw. Körperflüssigkeiten generell. Dass mich Voodoo und Santeria interessieren und dass ich auch nicht davor zurück schrecke… mich „zu revanchieren“, wenn mir jemand wirklich übel mitgespielt hat.
        Aber ich werde definitiv noch dazu schreiben. Also nochmal danke für die tolle Anregung dazu :*

  2. Ein sehr schöner Text! Ich bin keine dicke Freundin von dogmatischen Vorgaben und gerade Spiritualität/Magie ist für mich ein Thema, wo man ohne Individualismus nicht sehr weit kommt – geht es hier doch in meinen Augen genau darum, ein Stück weit zu sich zu finden, seine eigenen Fähigkeiten zu entwickeln und seinen eigenen Weg zu gehen.
    Ich finde beispielsweise keinen Zugang zu Karten, die jemand anderer gemalt hat, weswegen Tarotkarten oder Lenormand in meinen Händen totes Papier sind. Ergo: keine gekauften Karten für mich und das ist okay so. Vielleicht male ich mir irgendwann selbst welche und versuche es nochmals 😀

    • Oh je, das wäre für mich aber schlimm, ich kann nämlich gar nicht malen bzw. nur unendlich langsam und mit dutzenden Anläufen. Obwohl ich schonmal überlegt hatte, die Große Arkana fotografisch zu inszenieren, aber ich glaube fast, ich könnte selbstgemachte Karten viel schlechter deuten als gekaufte. So hat jede eben ihre Besonderheiten. 🙂

  3. Hi Liath,

    Da sprichst du mir aus dem Herzen. Ich passe als Hexe auch so in gar keine Schublade. Das hat mich anfangs gestört, heute bin ich ganz froh darüber. Schmunzeln muss ich jeweils dann, wenn die Leute mal sehen wie meine Magie tatsächlich abläuft. Viele sind total überrascht, weil ich fast immer ein Lächeln auf den Lippen habe und die Leute gerne zum Lachen bring, dass ich dann magisch aber eher auf der „dunkleren“ Seite Zuhause bin, hat schon so den ein oder anderen aus den Schuhen gehauen. Das kann sich fast keiner vorstellen. *g* Trotzdem kann ich es nicht ändern, in der traditionellen Hexenkunst bin ich ganz einfach zu Hause und mit „erdigen“ Themen kann ich mich einfach magisch viel besser identifizieren als mit anderen. Vielleicht ist das meine ganz persönliche Art des Ausgleichs. 😉

    Schön, dass du hier das Thema der Individualität aufgreifst. Es ist so wichtig auf sein innere Stimme zu hören und seine Magie so zu leben, wie es sich für einen selbst richtig anfühlt. ❤

    Liebe Grüsse
    Nicky

    • Ich denke, so wie dir zu Anfang geht es vielen, daher dachte ich, der Artikel hätte auch seine Berechtigung. Aber schön, dass du auch ein bisschen von dir erzählt hast, was ich sehr interessant finde. Ich glaube, bei mir ist es umgekehrt, weil ich so viel schwarz trage und okkulte Dinge sammle, glauben bestimmt einige, ich mache ganz dunkle, schlimme Sachen, obwohl das überhaupt nicht der Fall ist. 😀

      • Ja, wir Menschen sind eben einfach gestrickt. Was wir sehen, das glauben wir. Oder besser gesagt, das ordnen wir in eine der Schubladen, die wir kennen. Dass da ziemlich sicher noch mehr dahinter steckt, als nur das Sichtbare, scheinen wir gerne mal zu ignorieren. 🙂

  4. Auch von mir ein Amen Schwester! Picken wir uns heraus, was für uns passt. Wurscht, wie Andere das sehen. Karten hab ich auch nicht, für so manches Jahrkreisfest bin ich zu faul , spontane kleine Rituale mitten im Wald sind heavy, fiese Absichten zurückschicken und „eins draufsetzen“ sind oft nötig – Athena, da bin ich bei dir – ! Wir lassen uns nix vorschreiben, das ist Credo! Danke für dieses Super-Post!! Alles Liebe dir!

  5. Hallo, Liath!
    Wir hatten vor ein paar Jahren miteinander zu tun, da hieß ich noch „buecherrad“. Demnächst findest du mich jedoch auf whyindie.de
    Jedenfalls finde ich deinen Artikel sehr gut. Je nachdem, wo man sich einliest, ob nun bei Claire, Cunningham oder anderen, immer scheint irgendjemand bestimmte Dinge „vorzuschreiben“. Gerade auch, was Rituale angeht, mit Kreis ziehen und Co.
    Dabei finde ich es viel wichtiger, auf sein Gefühl zu vertrauen. Gerade im Umgang mit Kräften sollte man zwar nicht respektlos sein, aber man darf sich seine Spontanität durchaus bewahren. Manchmal ist es wichtiger, auf seine Art „Danke“ zu den Dingen um sich herum zu sein und ihnen unsere Aufmerksamkeit zu schenken, als ein geplantes auflösen des Kreises.
    Um mit den Göttern zu reden, braucht man manchmal nur sich selbst, vll in Begleitung einer Kerze. Mehr muss es gar nicht sein 😉
    Liebe Grüße aus Bremen,
    S

    • Liebe Sara, schön dich mal wieder zu lesen! Ich gebe dir völlig recht. Gerade in einer Phase, als ich sehr überarbeitet und gestresst war, fiel mir auf, dass es manchmal auch ganz unaufwändige Rituale ohne Drumherum geben MUSS und dass es eher auf das innere Gefühl als auf das äußere Drumherum ankommt.

  6. Was für ein toller Artikel! Der spricht mir total aus der Seele!
    Ich habs mit den Tarotkarten (ich lege seit meinem 12 Lebensjahr) und lege gern für andere (wobei ich es auch schon einigen verweigert habe, weil meine Intuition mir abgeraten hat, ist auch schwierig zu erklären).
    Für Rituale bin ich meistens zu faul, da bräuchte ich eine Gruppe, die mich begeistert und mitzieht (hab ich bisher nicht).
    Neben so ein paar Kräutern (ohja, die wunderbare Welt der Küchenmagie) bin ich auf der Suche nach neuen Ideen und Wegen.
    Die, mit weiten Abstand, magischste Erfahrung meines Lebens, war die Geburt meiner Tochter.

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