Fake it ‚til you make it oder: So tun als ob

Fake it ‚til you make ist eine englische Phrase, die dafür steht, so zu tun als ob man etwas wäre oder könnte, bis man es ist oder kann. Als ich das zum ersten Mal hörte, fand ich es blöd. Aber eigentlich ist das auch ein bisschen Magie und inzwischen nutze ich diese Einstellung relativ oft.

„So, du musst jetzt total seriös, selbstsicher und kompetent wirken, obwohl du unsicher bist, keine Ahnung hast und am liebsten weglaufen würdest.“ In solche und ähnliche Situationen kommt man wohl häufiger mal – neuer Job, wichtiges Praktikum, ein Prüfungsgespräch. Wichtig ist dabei, nicht nur zu schauspielern und doch die ganze Zeit seine Unsicherheiten zu vergegenwärtigen, sondern wirklich mit einer inneren Überzeugung so zu tun, als ob man es drauf hätte. Nicht so leicht, aber am Ende bringt es einen tatsächlich oft dahin, dass man nicht nur selbstsicher tut, sondern es wird.

IMG_704Das Ganze klappt durchaus auch manchmal bei privateren Themen. Wenn ich tiefunglücklich bin und aus dieser Spirale kaum mehr rauskomme, dann tue ich irgendwann auch so, als sei ich glücklich – mit Überzeugung! Ich lächle herausfordernd, ich singe und summe, ich laufe beschwingt, ich sehe mich um und registriere alles, was irgendwie schön ist, von der Fliederblüte bis zum kleinsten Sonnenstrahl, von einer vorbeisummenden Hummel bis zu hübsch lackierten Zehennägeln. Und oftmals stellt sich dann wirklich gefühlte bessere Laune ein.

Sogar in der spirituellen Praxis kann man das nutzen – du spürst beim Meditieren, beim Hexen, beim Kreis schlagen und Elemente rufen nichts? Fake it – und irgendwann kommt es zu dir.

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Nicht aus den Augen verlieren

Manchmal ist das Leben stressig. Die Arbeit allein nimmt schon 75 % der Wachzeit ein, dann hat man noch einen Partner/Familie/enge Freunde, denen Aufmerksamkeit gewidmet werden muss und dann möchte ja auch der Haushalt geschmissen und allerlei Dringendes wie Steuererklärungen oder dergleichen erledigt werden. Und irgendwann, da zwickt es dich. Da fühlst du, dass dir etwas fehlt. Hattest du nicht einmal Hobbies? Wolltest du nicht einmal ein Buch schreiben, ein Gemälde malen, eine Handarbeit anfertigen? Ah, keine Zeit. Wolltest du nicht das Jahreskreisfest feiern, zu Vollmond trommeln, in der Neumondnacht meditieren? Oh, schon wieder verpasst. Aber es zwickt dich. Du merkst, dass dein Leben voll ist – und doch irgendwie leer. Dass du viel zu viel vor hast und tust – dir aber doch etwas fehlt.

Aber vielleicht kommt der Tag, wo du dir deine To-Do-Liste ansiehst, sie lächelnd mit einer großen Sonne übermalst und rausgehst – um ein Abenteuer zu erleben (mir ist da neulich so ein Einhorn begegnet …), um ein bisschen Yoga im Park zu machen, für ein Hexenteekränzchen, um dich in einen einsamen Wald zu stellen und dir die Seele aus dem Leib zu schreien, um den Frühling zu feiern, deinen Lieblingsbaum zu malen oder sonst etwas zu tun.

Wenn wir stur gerade aus schauen, auf das, was gerade oder für die nächsten Stunden, Tage und Woche zu erledigen ist, dann verpassen wir vielleicht Dinge, die wir nur aus den Augenwinkeln erahnen. Vielleicht verlieren wir aus den Augen, was uns gut tut und Spaß macht, was wichtig auf einer nicht materiellen, aber dennoch bedeutsamen Ebene ist. Vielleicht verlieren wir Menschen aus den Augen, die uns einmal wichtig waren oder wir verlernen Dinge, die uns entspannt haben, bei denen wir uns entfalten konnten oder die uns verzaubert haben. Gib keine Hobbies auf, nicht das Hexendasein und nicht interessante Bekannschaften, weil du glaubst, sie nicht in deinen Alltag integrieren zu können. Schaffe lieber Tage oder Stunden, die nicht Alltag sind.

Mosaikeinhorn

Manchmal muss man sich einmal umsehen und nicht das sehen, was da ist – sondern das, was fehlt. Und sich dann aufmachen, es wiederzufinden.

Neues Jahr, neues Glück

Es ist schon interessant, diese Energie, die sich nicht wirklich erklären lässt: Eigentlich hat sich – bis auf die Jahreszahl – nichts verändert und doch haben die Leute am Neujahrstag immer das Gefühl, dass sich ganz neue Chancen auftun, sein Leben zu ändern, seine Träume zu verwirklichen, Gewohnheiten abzustellen oder aufzunehmen … dabei besteht diese Chance doch jeden Tag. Dennoch lasse auch ich mich dieses Jahr von dieser „die Karten werden neue gemischt und ich nehme mein Schicksal in die Hand“-Energie mitreißen und habe einige Ziele für das neue Jahr formuliert. Dabei möchte ich nicht dutzende Dinge auf meine Liste schreiben, um nicht unfokussiert mal dem einen, mal dem nächsten Ziel hinterherzulaufen und mich auch nicht übernehmen, sondern meine Energie auf die wichtigsten Ziele richten.

1. Wieder gesünder leben

Etwas, was ich in den letzten Monaten wirklich ganz sträflich vernachlässigt habe. Es gab viel, VIEL (!) zu viel Zucker und ekelhafte Pampe aus der Kantine und ich habe Arztbesuche zu lang herausgeschoben oder gar nicht wahrgenommen. Daher möchte ich meinen Zuckerkonsum drastisch reduzieren – Süßes gibt es noch, wenn es handgemacht ist und dann möglichst mit Xylit oder Stevia. Der Rohkostanteil meiner Ernährung soll sich wieder erhöhen und ich möchte demnächst Fasten. Das Essen in der Kantine soll sich auf ein Minimum beschränken, ich möchte wieder mehr selbst frisch zubereiten und/oder zur Arbeit mitnehmen. Ich möchte gesundheitliche Probleme gründlich überprüfen lassen. Und wieder täglich Sport treiben – und wenn es nur 10 Minuten sind Kniebeugen sind.

 

2. Positiv denken/Spiritualität

Ich möchte in der Gegenwart leben und sie positiv betrachten. Ich möchte den Schmerz der Vergangenheit loslassen und die Ängste vor der Zukunft wegwischen. Ich will in meine Mitte kommen und immer Kraft und Hoffnung in mir finden, um weiter zu gehen. Ich möchte mir erlauben, sooft es geht Spaß zu haben und mein inneres Kind rauszulassen. Ich möchte den Weg, der vor mir liegt, erkennen können, aber nicht daran verzweifeln, wenn er lang und steinig scheint. Ich möchte stolz sein auf den Weg, den ich schon gegangen bin. Ich will auch den alten Pfad weiter gehen und wieder intensiver erkunden. Ich will mir selbst und anderen leichter vergeben können. Ich möchte daher auch jede Woche meditieren und/oder ritualisieren.

aa

Euch allen, meine treuen und lieben LeserInnen und MitbloggerInnen ein magisches, schönes, gesundes, (erfolg-)reiches Jahr, angefüllt mit Liebe, Freundschaft, Spiritualität und allem, was ihr braucht, um euch wohlzufühlen und mit einer unerschöpflichen Kraft, um auch die widrigen Momente zu überstehen und zu transformieren. So sei es!

Der Glaube an die Liebe als Ersatzreligion

„Glaubst du an die wahre Liebe?“ Eine oft gestellte und debattierte Frage. Dabei impliziert das Wort „glauben“ schon, dass das irgendwie etwas ist, das nicht so ganz greifbar ist, das man nicht erklären und fassen kann. Den Prozess des Verliebens – all die Hormone, all die Vorgänge im Gehirn des Menschen, die dabei eine Rolle spielen – ist längst entmystifziert. Man weiß, wie und warum sich Menschen verlieben, wie lange diese Phase anhalten kann und was sie beeinflusst. Die romantische Liebe jedoch wird zwar auch seit Jahren untersucht, bleibt aber ein Mysterium, das eher die Philosophen statt der Wissenschaftler erklären können.

Nachdem ich mich Anfang dieses Jahres aus einer mehrjährigen Beziehung gelöst (und dabei sehr befreit gefühlt habe, auch wenn es eine gute, bestärkende Beziehung war) habe, habe ich viel über Liebe, Beziehungen, Monogamie und derartige Themen nachgedacht. Ich fühlte mich desillusioniert von dem, was ich gelesen hatte – dass die Hormone, die den Verliebtheitsrausch bewirken, zwangsweise ihre Wirkung verlieren, dass der Mensch nicht wirklich auf Monogamie und die Liebe des Lebens ausgelegt ist, dass zahlreiche Trennungs-, Scheidungs- und Treuestatisken auch nicht gerade für die Liebe sprechen.

Die Epoche der Romantik hat das mit der ewigen und einen wahren Liebe überhaupt erst aufgebracht und besonders in unserer heutigen Zeit wird der Liebeskult mit Disney, Twilight und Co auf die Spitze getrieben. Die Liebe ist Ersatzreligion für viele geworden – sie verspricht absolutes Glück/Absolution, sie ist die unerklärliche Macht, ihr wird überall gehuldigt, der Glaube an sie gibt Kraft, wenn man sonst nicht viel im Leben hat.

Aber all meine Beschäftigung damit, wie die Liebe funktioniert, ob es sie wirklich geben kann, woher sie kommt, zeigt mir an sich nur eins: Ich glaube wohl nicht mehr daran. Vielleicht weil ich selten wirklich das Gefühl hatte, jemanden zu lieben – auch die mehrjährige Beziehung fußte eher auf Freundschaft, Loyalität, Vertrauen und Geborgenheit, weniger auf Liebe und Leidenschaft – und wenn doch, resultierte es in Enttäuschung und Verletzung, die letztlich irgendwann die Gefühle auch abflauen ließen, sodass man irgendwann wieder weiterziehen konnte. Vielleicht gibt es auch Menschen, denen das mit der Liebe und den Beziehungen leichter fällt als anderen, die das nicht zerdenken, die offen dafür sind. Vielleicht gibt es Menschen, die die eine Liebe erkennen und behalten, die von Natur aus bindungsfähiger und treuer gegenüber einer einzigen Person sind als andere und Menschen, die halt eher die serielle Monogamie oder die Polyamorie oder die freie Liebe ausüben.

Ich weiß gar nicht, ob es mich nun enttäuscht oder befreit, dass ich an die wahre Liebe nicht mehr glaube. Immerhin bin ich ja durchaus noch der Ansicht, dass Beziehungen schön und vorteilhaft sein können und genieße auch Gefühle wie Verliebtheit, Zuneigung und Zusammenhalt. Und wer braucht als Hexe schon eine Ersatzreligion? 😉 Trotzdem fürchte ich, dass ich mit dem Thema noch nicht ganz durch bin …

Adieu Spree, hallo Rhein!

Vor einigen Monaten hatte ich ein Bewerbungsgespräch für eine Stelle, die entweder in Berlin oder in einer Stadt am Rhein zu besetzen war. Natürlich habe ich alle Götter, Geister und sonstigen Mächte darum gebeten, die Stelle zu bekommen – und zwar die in Berlin, meiner langjährigen Wahlheimat. Ich bekam die Stelle. Am Rhein. Und dann noch in der Abteilung, die mir am allerwenigsten zusagte.
Ich schimpfte auf die angerufenen Mächte. Und ich sagte mir: nagut, irgendwie könnte ich ja vielleicht doch mit einem Umzug leben … wenn ich wenigstens in eine andere Abteilung komme. Ich rief also den Personalmenschen an – und er setzte alles in Bewegung und brachte mich in eine andere Abteilung. Ich war unglücklich. Irgendwie hatte ich gehofft, er würde sagen, das ginge nicht und mir die Entscheidung, was ich machen soll, damit abnehmen.

Dann war da noch die Sache mit dem Einstellungstermin, der mit meinem schon gebuchten, bezahlten und nicht mehr stornierbaren Urlaub kollidierte. Ich sagte mir, nagut, wenn sie mich auch einen Monat später noch nehmen, dann gehe ich wirklich dorthin. Und … es klappte wieder. Dann fand ich heraus, dass der Wohnungsmarkt in besagter Stadt die Hölle ist. Semesterstart, Wohnungsnot, total überteuerte Mieten … ich sagte mir, nagut, wenn ich bis zum 30.9. eine Wohnung finde, dann gehe ich. Und ich fand am 30.9. eine spottbillige Wohnung, direkt neben dem neuen Arbeitsplatz.

Mein Wunsch, in Berlin zu bleiben, wurde nicht erfüllt. Aber irgendwie scheint es mir, der Wind will mich unbedingt an den Rhein wehen, wie sehr ich mich auch wehre. Also folge ich endlich dem Ruf und schaue, wer oder was dort auf mich wartet. Passenderweise feiern wir im Zirkel in der Nacht vor meiner Abreise Samhain – etwas endet, etwas beginnt.

Selbstfindung

In diesem Jahr wollte ich mich selbst finden. Ich hatte mein Studium beendet. Ich hatte meine langjährige Beziehung beendet. Ich hatte das Bloggen beendet. Ich war frei von allen Ablenkungen, frei darin, mich zu finden. Und doch habe ich das Gefühl, mich viel eher verloren zu haben. Es sind wohl auch all diese Ablenkungen, die einen ausmachen. Gefunden habe ich später eine neue Liebe, einen neuen Job und bald sogar einen neuen Wohnort (das alles zumindest für eine Weile). Und doch habe ich mich selbst noch nicht wiedergefunden. Ich stelle mir tausend Fragen und finde keine Antworten, sondern nur weitere Fragen. Ich gehe einen Weg und wo ich ihn früher ohne zu Zögern und mit großem Selbstvertrauen gefunden habe und gegangen bin, weiß ich nun nicht so recht, welche Abzweigung die richtige ist, wo ich eigentlich ankommen will und fühle mich zaghaft und unsicher.

Irgendwie bin ich sehr froh, dass Samhain naht. Für mich ist das immer die perfekte Zeit für einen Neustart – und den brauche ich jetzt wirklich.

Bis dahin bleibt immer noch die goldene Herbstsonne, die genug Trost und Licht spendet, auch wenn man sich verirrt hat. Bis ich meinen Weg wieder gefunden habe, lasse ich mich einfach ein bisschen davontragen – wie ein Blatt im Herbstwind. Und werde wieder schreiben. Meditieren. Zaubern.

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Leere

Ein komisches Gefühl – du arbeitest jahrelang auf etwas hin, bist nur auf dieses eine Ziel fokussiert, lernst und strebst und gibst so viel hinein. Und dann hast du es erreicht. Man gratuliert dir, man überreicht dir tolle Zeugnisse und Urkunden und Blumen. Doch es fällt schwer, sich zu freuen, weil da etwas ist, was dich beunruhigt: Leere. Wo vorher Träume, Hoffnungen, Ängste waren – Leere. Wo früher Pläne, Vorsätze, Wünsche, das alles überragende Ziel waren – Leere.

Jetzt heißt es also: neue Träume träumen, neue Ziele finden, neue Aufgaben suchen, um die Leere zu füllen. Oder vielleicht: einfach mal stehen bleiben und die Leere annehmen, vielleicht sogar genießen? Und diese Leere ausnutzen, um das Wesentliche zu finden: sich selbst?

Mal sehen. Auf jeden Fall gibt es jetzt wieder häufiger von mir zu lesen. 😉