Zitat des Tages

„Eine finstre Höhle, in der Mitte ein Kessel.

Donner; die drei Hexen kommen.

ERSTE HEXE.

Die gelbe Katz‘ hat dreimal miaut.

ZWEITE HEXE.

Ja, und einmal der Igel quiekt.

DRITTE HEXE.

Die Harpye schreit: – ’s ist Zeit.

ERSTE HEXE.

Um den Kessel dreht euch rund,
Werft das Gift in seinen Schlund!
Kröte, die im kalten Stein
Tag‘ und Nächte, dreimal neun,
Zähen Schleim im Schlaf gegoren,
Sollst zuerst im Kessel schmoren!

ALLE.

Spart am Werk nicht Fleiß noch Mühe,
Feuer sprühe, Kessel glühe!

ZWEITE HEXE.

Sumpf’ger Schlange Schweif und Kopf
Brat‘ und koch‘ im Zaubertopf:
Molchesaug‘ und Unkenzehe,
Hundemaul und Hirn der Krähe;
Zäher Saft des Bilsenkrauts,
Eidechsbein und Flaum vom Kauz:
Mächt’ger Zauber würzt die Brühe,
Höllenbrei im Kessel glühe!

ALLE.

Spart am Werk nicht Fleiß noch Mühe,
Feuer sprühe, Kessel glühe!

DRITTE HEXE.

Wolfeszahn und Kamm des Drachen,
Hexenmumie, Gaum und Rachen
Aus des Haifisch scharfem Schlund;
Schierlingswurz aus finsterm Grund;
Auch des Lästerjuden Lunge,
Türkennas‘ und Tartarzunge;
Eibenreis, vom Stamm gerissen
In des Mondes Finsternissen;
Hand des neugebornen Knaben,
Den die Metz‘ erwürgt im Graben,

Dich soll nun der Kessel haben.
Tigereingeweid‘ hinein,
Und der Brei wird fertig sein.

ALLE.

Spart am Werk nicht Fleiß noch Mühe,
Feuer sprühe, Kessel glühe!

ZWEITE HEXE.

Abgekühlt mit Paviansblut,
Wird der Zauber stark und gut.

Hekate kommt.

HEKATE.

So recht! ich lobe euer Walten;
Jede soll auch Lohn erhalten.
Um den Kessel tanzt und springt,
Elfen gleich den Reigen schlingt,
Und den Zaubersegen singt!

GESANG.

Geister weiß und grau,
Geister rot und blau:
Rührt, rührt, rührt,
Rührt aus aller Kraft!“

640px-John_Downman_Witches_from_Macbeth

Aus Macbeth von Shakespeare

Dieser Zaubertrank ist alles andere als vegan, gell?

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Magier werde ich nur im Rollenspiel …

In den Untiefen meines Bücherregals steht ein Buch namens „Die hohe Schule der Magie“ von Frater V. D. Lange schon wollte ich da mal ausgiebig reinschnuppen und jetzt, wo ich es tue, weiß ich, warum ich es so lange nicht getan habe. Dieses Buch ist wie die „12 wilden Schwäne“ von Starhawk ein Arbeitsbuch – aber krasser könnte der Gegensatz nicht sein! Während es bei Starhawk viel um das Fühlen, Spüren, Fragen stellen, den eigenen (nicht nur spirituellen) Weg finden geht, geht es beim Frater darum, diszipliniert einfach alles zu tun, was er vorgibt, ohne viel Herz und Verständnis von innen heraus dahinter.

Auszüge gefällig?

„[…]Selbstdisziplin und Härte aber stellt magisch gesehen eine wichtige Erdung dar, sie ist der beste Schutz vor den beiden typischsten und gefährlichsten Magierkrankheiten: Selbstüberschätzung und Verfolgungswahn.“

Selbstdisziplin und Härte? Ich bin da ja eher für spielerische Freiheit und Liebe gegenüber sich selbst, aber ich war als Hexe auch nie gefährdet, mich zu überschätzen oder an Verfolgungswahn zu leiden. Höchstens meine Gesangskünste überschätze ich beim Chanten schon mal, ehem.

„[…]Damit steht es [Anm.: das Pentagramm] für die materielle, irdische Welt, welche die Alten auch als die „sublunare“ (unterhalb des Mondes befindliche) zu bezeichnen pflegten. Früher galt der Mond, zumindest in der patriarchalisch geprägten Geheimwissenschaft des Westens – übrigens wie alles Weibliche – als Inschulemagiebegriff der Täuschung und Verführung, der Illusion. Daraus leitete sich dann auch die Behauptung ab, es gebe so etwas wie „hohe“ und „niedere“ Magie.“

Aha. Warum heißt das Buch eigentlich Schule der hohen Magie, wenn der Autor doch scheinbar diese Einteilung für überholt hält? Und warum kommt es mir ebenfalls so patriarchalisch geprägt vor? Sublunar. Hmpf.

„Nie sollte der Magier den Kreis während des Rituals verlassen, denn das hieße seine Mitte zu verlassen, was je nach Art der Energien, mit denen gerade operiert wird, schlimme Folgen haben kann, von Krankheit und Verwirrung bis zu echtem Wahnsinn oder gar physischen Tod.“

Im Ernst? Oh je, hätte ich gewusst, in welcher Gefahr ich schwebte, wenn ich nach Ritualbeginn doch nochmal das stille Örtchen aufsuchen und den Kreis verlassen musste! Zu viel Tee vor dem Ritual kann also Wahnsinn oder Tod bedeuten, herrje.

„Grundlage aller magischen Arbeiten sollte die Erfolgskontrolle sein. Dies verhindert Selbstbetrug und Größenwahn und sorgt für eine präzise, zutreffende Einschätzung eigener Stärken und Schwächen.“

Grundlage aller magischen Arbeiten kann, nicht sollte, Liebe, Willen, Spaß, Hingabe, Vertrauen und viel mehr sein. Aber Selbstkontrolle? Werden wir nicht schon genug kontrolliert, zum Leistung bringen gezwungen?

„Führe eine Woche lang täglich das kabbalistische Kreuz durch. […] Nachdem du Übung 2 eine Woche lang praktiziert hast, beginnst du damit, das Kleine Bannende Pentagrammritual zu praktizieren. Dies solltest du zweimal täglich tun, mindestens jedoch einmal am Tag.“

Okay, mal abgesehen davon, dass bei all den strikten Befehlen in mir eine anti-autoritäre Ader wächst: Wer hat denn bitte Zeit für all das (es kommen natürlich noch mehr Übungen hinzu)? Wohl nur jemand ohne Arbeit, ohne Familie und Freunde, aber dafür mit Haushälterin.

Ich habe noch nicht viel weiter gelesen, aber ich ahne schon: Magierin werde ich wohl nur im Dungeons&Dragons und ansonsten behalte ich mir meine komplett freie, unkrontrollierte, undisziplinierte Spiritualität. Ein Hoch auf die freien Hexen! 😉

Zitat des Tages

“Never put your faith in a Prince. When you require a miracle, trust in a Witch.”
― (die wunderbare) Catherynne M. Valente, In the Night Garden

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(Eines der außergewöhnlichsten, märchenhaftesten Bücher, das ich je gelesen habe – voller Poesie, Zauber und spannender Gedanken.)

Rezension: Luisa Francia – Die Magie der Steine

francia_magie_ok_Layout 1Luisa Francia ist den meisten Frauen als Autorin spiritueller Bücher wohl bekannt, bereichert sie uns doch schon seit circa 30 Jahren mit wunderbar unkonventioneller Literatur, die irgendwo zwischen magisch, feministisch und alltäglich liegt.

Ihr neuestes Buch heißt „Die Magie der Steine – Weshalb wir sie lieben, mit nach Hause nehmen und wie sie uns helfen können“. Der Titel verrät bereits ganz gut, worum es darin geht: um Steine. Genauer gesagt geht es in dem reich bebilderten Werk um große Steine, kleine Steine, Edelsteine und Kiesel, heilende, magische, schöne und schlichte Steine und alles, was man braucht, um zu Steinen einen Kontakt zu knüpfen und sie ganz neu kennen und lieben zu lernen. Ich würde auch sagen: um zu lernen, mit ihnen zu arbeiten, aber eigentlich wird das der Beziehung nicht gerecht, die Luisa Francia in diesem Buch gegenüber Steinen anregt. Es fehlen aber wie immer auch nicht zahlreiche persönliche Geschichten aus dem abenteuerreichen Leben von Luisa Francia. In diesen erzählt sie, wie sie zu bestimmten Steinen kam, steinerne Kultplätze besuchte oder wie Steine ihr Leben bereichern. Gänzlich unesoterisch geht Luisa darauf ein, wie man echte Edelsteine von Fälschungen unterscheiden kann und welche Steine besonders oft gefälscht werden.

Das Buch ist vor allem eines: wunderschön aufgemacht. Zahlreiche Fotografien und Malereien von Luisa zieren die durchgehend farbigen Hochglanzseiten, das ist – gerade für Steinfreunde – ein echter Augenschmaus. Es ist aber auch lehrreich, obwohl es sich sehr von anderen Steinbüchern auf dem Markt unterscheidet. Es sagt dem Leser nicht, welcher Stein zu wem passt oder welcher sog. Heilstein welches Leiden kuriert. Vielmehr zeigt es Wege auf und ermutigt, diese Dinge selbst zu erfahren und zu lernen und fordert dabei auf, den Stein erstmal für sich zu gewinnen und zu erspüren, bevor man von ihm erwartet, irgendwelche Wunder zu vollbringen. „Die Magie der Steine“ spornt den Leser auch nicht an, in die nächste Esoterik-/Steinhandlung zu gehen und munter Steine zu kaufen, die womöglich grausam dem Leib von Mutter Erde entrissen worden sind. Edelsteine sind nicht besser als gewöhnliche gefundene Steine, das betont die Autorin. Man muss nicht steinreich sein und sich dutzende teure Kristalle leisten, um die Ideen dieses Buches umsetzen zu können – nur reich an Steinen und Intuition sollte die Leserin sein.magiesteine

Dieses Prinzip, alles simpel und aus dem Bauch heraus zu gestalten, findet sich auch in dem magischen Teil des Buches mit seinen Ritualen, Meditationen und Steinorakeln. Die kurzen Anregungen, die Luisa hier für die rituelle, heilende oder sonstige Arbeit mit Steinen erläutert, sind denkbar einfach umzusetzen und brauchen in der Regel nur Stein(e), Mensch(en) und das Gespür des einen für den anderen.

Fazit: Luisa Francia liebt Steine und das merkt man diesem Buch nicht nur an – sie schafft es auch, dass der Funke überspringt, wenn man selbst noch nicht vernarrt genug in Steine war. Vollgepackt mit nützlichem Wissen, zauberhaften Fotos, interessanten Geschichten und einer Anleitung, sich selbst in die Geheimnisse und Magie der Steine einzuweihen.

Bewertung: Dafür gibt es 5 von 5 steinernen Helfern.

Daten: „Die Magie der Steine“ von Luisa Francia

Gebundene Ausgabe,  144 Seiten
Verlag:  Nymphenburger
ISBN-13: 978-3485014038

Rezension: Utterly Wicked von Dorothy Morrison

UWCoverDer Untertitel dieses Buches lautet „Curses, Hexes and Other Unsavory Notions“, zu deutsch etwa „Flüche, Verhexungen und andere unangenehme Ansichten“. Ein Buch also, das in der fluffigen Wicca-Welt eher die Ausnahme darstellt, aber nachdem ich durch Diandra (hier schreibt sie auf Englisch, hier auf Deutsch) und eine sehr positive Rezension von ihr darauf aufmerksam wurde und auch im englischen „Traditional Witch Forum“ viele Hexen begeistert davon waren, musste es in mein Regal einziehen, denn ich bin grundsätzlich ein neugieriger und aufgeschlossener Mensch.

Dorothy selbst schreibt schon in der Einführung, dass dies kein Buch für jene ist, die glauben, jede Krise könne mit Verständnis und Liebe gelöst werden und die sich sorgen um so etwas wie Karma, das dreifache Gesetz und ähnliche Konzepte. Das Buch ist für jene, die sich – auch magisch – wehren, nichts auf sich sitzen lassen wollen, die für sich selbst einstehen wollen.

Es ist allerdings nicht so, dass Dorothy dazu raten würden, jedem einen Fluch aufzuhalsen, der einem auf die Füße tritt. Sie ruft durchaus zu moralischem, vernünftigem Verhalten auf, dazu Fehler erst bei sich zu suchen, statt andere dafür zu Verantwortung zu ziehen, wenn das Leben nicht richtig läuft und niemandem magisch eins mitzugeben, wenn man selbiges nicht auch auf der realen Ebene tun würde. Da merkt man durchaus, dass auch Dorothy Morrison eben die Ausbildung zur Wiccapriesterin genossen hat, wenn sie es auch nicht allzu eng sieht mit deren Kodex.

Nach einigen Worten über’s Fluchen oder Nichtfluchen und anderen grundsätzlichen Gedanken zu diesem Thema geht es auch ans Eingemachte. Dorothy bedient sich bei vielen Kulturen – bei der traditionellen Hexenkunst, beim Hoodoo, bei den Runen, beim Quilten, bei der Knotenmagie und natürlich gibt es auch ganz moderne Alltagsmagie. Dabei beweist sie neben Kreativität oft einen ganz köstlichen Humor, der Kartoffelchip-Hex, der Toillettenpapier-Hex und der „Pants a’fire Spell“ haben mich doch sehr zum Schmunzeln gebracht. Natürlich geht es unter anderem auch darum, wie man sich selbst schützt, reinigt oder unerwünschte Energien abwehrt/umwandelt.

Frau Morrison schreibt einfach so locker und sympathisch, dass ich das Buch wirklich liebgewonnen habe, auch wenn der Inhalt mitunter auch ganz schön grenzwertig ist. Es sind auf jeden Fall viele interessante Praktiken, Gedanken und Rezepte (auch für Räuchermischungen, Bäder, Hoodoo-Öle) enthalten und für jeden, der sich nicht nur für die helle und harmlose Seite der magischen Medaille interessiert, sondern eben auch die Schattenseite akzeptiert und näher (wenn auch nur theoretisch) kennenlernen will, ist das Buch durchaus eine Empfehlung wert. Wer allerdings ganz und gar Licht und Liebe verschrieben (was sicher auch nicht schlecht ist), der wird hieran kein Vergnügen haben.

Edit: Es gibt leider keine deutsche Übersetzung dieses Buches, aber ich fand das Englisch ziemlich gut verständlich.

Lesefutter

Ich habe die Feiertage (besonders die Tage, wo ich krank war und jene, die ich bei meinen Eltern ohne Internetanschluss verbrachte) vor allem damit verbracht einige Bücher zu lesen. Um die Weihnachtszeit krame ich gern wieder meine Harry Potter Bücher hervor – die ersten vier Bücher mag ich am meisten, sie verzaubern mich immer wieder und versetzen mich in meine Kindheit zurück. Die 700 Seiten des vierten Bandes habe ich tatsächlich in einem Rutsch am 2. Weihnachtsfeiertag durchgelesen, weil ich gar nicht mehr aufhören könnte. Allerdings fiel mir auf, dass man in Hogwarts als Veganerin einen schweren Stand hätte – in den Zauberstäben sind Drachenherzfasern oder Phoenixfedern, für Zaubertränke braucht man Molchaugen oder Florfliegen, in Verwandlung muss man aus Igeln Nadelkissen machen und der reich gedeckte Tisch bietet auch eher was für die Fleischesser. 😉

Weil ich dann immer noch in der Stimmung für Hexen und Zauberer war, habe ich auch ein wundervolles Buch von Terry Pratchett wieder hervorgeholt, und zwar „Total verhext“. Ich lese es gerade dem Freund vor, denn es ist wundervoll geeignet, besonders bei den Szenen mit Oma Wetterwachs, um zu erklären was Hexen so machen und nicht machen. 😉

Außerdem habe ich auch ein anderes, schönes Buch das gut zum Winter passt hervorgeholt, nämlich „Northern Lights“ (Deutsch: „Der goldene Kompass“) von Philip Pullman. Ein wirklich ideenreiches, spannendes Jugendbuch, das in einem Paralleluniversum spielt, in dem jeder Mensch einen Daemon hat, der mit ihm untrennbar verbunden ist. Die Übersetzung ist stellenweise leider nicht so gut und die religionskritischen Aspekte des Romans sind vielleicht auch nicht jedes Lesers Geschmack.

Momentan knöpfe ich mir die Reihe „Der magische Zirkel“ von Lisa J. Smith vor. Bisher nicht überragend, aber doch ganz nett, erinnert mich ein bisschen an den Film „Der Hexenclub“. Dass wirklich alle Hexen und Hexer ausnehmend schön sind und dies auch jedes Mal extra erwähnt wird (außer natürlich die Heldin, denn der fällt ihre eigene Schönheit nicht auf, bis ihr Schwarm sie darauf hinweist, ehem…), ließ mich aber recht schnell mit den Augen rollen …

An magischer Sachbuch-Lektüre liegt derzeit „Utterly Wicked“ von Dorothy Morrison auf dem Bücherstapel. Dorothy ist Wicca, aber sicher keine flauschige Hohepriesterin – sie raucht und trinkt und flucht im verbalen wie auch im magischen Sinne. Irgendwie ist sie mir sympathisch. 🙂 Das Buch wurde mir mehrmals empfohlen und es ist wirklich überraschend gut und interessant. Und vor allem auch sehr witzig – den „Toilet Paper Hex“ musste ich gleich dem Freund vorstellen. ^^

Zitate:

„Narben können recht nützlich sein. Ich selbst habe eine oberhalb des linken Knies, und die ist ein tadelloser Plan der Londoner U-Bahn.“
(Harry Potter und der Stein der Weisen)

„Wir sind alle dem Schicksal unterworfen“, sagte die Hexe, „aber wir müssen so tun, als seien wir es nicht, sonst würden wir vor Verzweiflung sterben. Diesem Mädchen geht eine merkwürdige Prophezeihung voraus: Es ist ihr Schicksal, das Ende des Schicksals herbeizuführen. Sie muß das jedoch tun, ohne zu wissen, was sie tut, als sei es in ihrer natur angelegt und nicht von Schicksal bestimmt. Sagte man ihr, was sie tun muß, wäre alles Vergebens; es wäre der Sieg des Todes in allen Welten und der Triumph der Verzweiflung für alle Zeiten. Die Welten wären nur noch ein Räderwerk, blind und ohne Geist, Gefühl, Leben…“

(Philip Pulman – Der goldene Kompass)

„That’s the duty of the old“ said the Librarian, „to be anxious on behalf of the young. And the duty of the young is to scorn the anxiety of the old.“

(Philip Pulman – Northern Lights)

„Die Yen-Buddhisten sind die reichste Sekte im Universum. Für sie ist das Streben nach Reichtum eine Sünde, die schwer auf der Seele lastet. Deshalb nehmen sie die unangenehme Pflicht auf sich, möglichst viel Geld zu sammeln, um das Risiko für unschuldige Leute zu verringern.“

(Terry Pratchett – Total verhext)

„Auf dem Berggipfel fand ein eher ruhiger Sabbat statt.
Maler und Schriftsteller geben sich häufig recht übertriebenen Vorstellungen in Bezug auf die Geschehnisse bei einem Hexensabbat hin. Das passier, wenn man zu lange in kleinen Zimmern mit zugezogenen Vorhängen hockt, anstatt nach draußen an die frische Luft zu gehen. Um nur ein Beispiel zu nennen: Es wird nicht nackt getanzt. Das durchschnittliche gemäßigte Klima beschert nur selten Nächte, die warm genug sind, um jemanden zu einem Tanz ohne Kleidung zu bewegen. Hinzu kommen Steine, Disteln und plötzlich erscheinende Igel.
Dann die Sache mit den ziegenköpfigen Göttern. Die meisten Hexen glauben nicht an Götter. Natürlich wissen sie, dass Götter existieren, und gelegentlich erfolgen auch Kontakte zwischen ihnen. Aber Hexen glauben nicht an sie. Sie sind zu sehr mit ihnen vertraut. Ebensogut könnte man an den Briefträger glauben.“

(Terry Pratchett – Total verhext)

buecherstapel

Rezension: Die Partholon-Serie von P. C. Cast

Lange gab es keine Rezension mehr, das soll sich wieder ändern, denn genauso sehr wie das Lesen von Büchern selbst mag ich es, über das Lesen von Büchern zu lesen und über Bücher zu schreiben. Und jetzt habe endlich mal wieder Zeit und Lust, etwas anderes als Fachbücher zu lesen.

Die Partholon-Reihe von P. C. Cast (auch bekannt als Co-Autorin der „House of Night“-Reihe, die stark von Wicca inspiriert wurde) umfasst 3 Bände: Divine by Mistake, Divine by Choice und Divine by Blood (auf deutsch „Ausersehen“, „Verbannt“ und „Gekrönt“). Die Geschichte dreht sich in den ersten beiden Bänden um Shannon, eine Englisch-Lehrerin Mitte 30 mit einem Faible für Antiquitäten, Kraftausdrücke, Wein und alte amerikanische Western. Als sie auf einer Auktion eine alte keltische Vase entdeckt, die eine Szene eines Rituals für die Pferdegöttin Epona abbildet, wird sie von dieser magisch angezogen. Auf fast schon unheimliche Art und Weise bekommt sie auch den Zuschlag für die Vase – die sie allerdings letztlich irgendwie in eine andere Welt katapultiert, nämlich nach Partholon. Partholon ist ein pseudo-keltisches matriarchales Land, dessen Hauptgöttin Epona von den Menschen verehrt wird. Shannon wird dort von den Menschen wie eine Göttin behandelt und erfährt von einer Frau, die aussieht wie ihre beste Freundin, dass sie das Spiegelbild der Hohepriesterin Eponas, Rhiannon, ist. Rhiannon, ein selbstsüchtiges Miststück, hat die Plätze mit Shannon getauscht, nachdem sie in Visionen gesehen hat, dass eine Vision schrecklicher Gestalten Partholon droht. Denen muss sich nun Shannon mithilfe der Göttin stellen – und außerdem auch ihrem Handfasting-Partner Clan-Fintan, einem Schamanen, der auch noch zur Hälfte ein Pferd ist …

Der erste Teil ist wirklich schön – es gibt viel Humor und Partholon ist, wenn auch keine allzu realistische oder ausgeklügelte Welt, dennoch ein wundervoller Ort, zu dem man sich gerne denkt. Auch die Protagonistin ist sympathisch – klug, witzig, aber mit ein paar Ecken und Kanten. Die Geschichte rast flott dahin, ist auch spannend erzählt, wenngleich es keine Überraschungen gibt. Die Dialoge sind teilweise etwas arg unrealistisch und auch so manches Logikloch hat sich eingeschlichen, aber da man hier ohnehin nur leichte Unterhaltung erwarten darf und keine Hochliteratur, fällt das nicht allzu sehr ins Gewicht.

Ganz wundervoll ist das Zusammenspiel von Epona und Shannon, die Göttin wurde zum Glück gänzlich ohne Pathos oder Kitsch dargestellt. Der Band ist auch in sich abgeschlossen, obwohl er Raum für die Fortsetzungen lässt – meiner Meinung nach sollte man es aber wirklich bei Teil eins belassen.

Der zweite Band, „Divine by Choice“ wechselt nämlich viel zu hektische mit gähnend langweiligen Szenen ab, wirft sowohl auf Shannon als auch auf Epona ein etwas fragwürdiges Licht, bietet keine sonderliche spannende Geschichte und noch mehr Logikbrüche. Eine schöne neue Idee kommt zwar insofern dazu, als Shannon beginnt, Bäume verstehen und von ihnen Kraft leihen zu können, was genauso wie die Interaktion mit Epona toll beschrieben ist, aber das allein kann das Buch nicht retten.

Band drei führt letztlich viele neue Figuren und eine neue Protagonistin ein, nämlich Morrigan, Rhiannons Tochter (die nicht von Epona, sondern von Adsagsona, Göttin der Unterwelt, auserwählt wird). Vordergründig ist es wieder ein Buch über eine (diesmal junge) Frau, die ihren Weg zur Göttin und zu ihrer eigenen Kraft und Führungsrolle findet. Aber trotzdem bin ich geschockt, wie frauenfeindlich das Buch wenigstens mir erscheint. Bei dem späteren Verlobten und Seelenverwandten von Morrigan dachte ich die ganze Zeit, er würde sich als einer der Bösen entpuppen, weil er sich derart machtbesessen, triebgesteuert und unsymphatisch zeigt. Wenn während einer Zeremonie, wo Morrigan ihre Stärke zeigt, er nur daran denken kann, dass sie so mächtig ist und schön aussieht, dass er sie am liebsten auf dem Boden des Tempels „nehmen“ würde (er ist übrigens auch zur Hälfte ein Pferd), dann finde ich ihn doch nicht wirklich sympathischer als den Gegenspieler Morrigans, einen dunklen Gott, der Frauen kontrollieren und die Göttinnen unterdrücken will … Naja, letztlich wurden die beiden aber von ihren Göttinnen „füreinander gemacht“ – auch schön, dass das dort so Brauch ist, und scheinbar eine Frau bzw. Priesterin allein nicht als vollständiger Mensch gilt, sodass man ihr noch einen männlichen Partner (hallo, Heteronormativität) dazu erschaffen muss … Solcherlei Punkte gab es noch viele und sie haben mir das Buch wirklich verleidet.

Fazit: „Divine by Mistake“ ist ein durchaus lesenswertes Buch, aber die Folgebände kann man sich getrost sparen. Schade, da wurde viel Potential verschenkt!