Uruz und Thurisaz

uruzthurisazEs ist eine ganze Weile her, seit ich über meine Erfahrungen mit der ersten Rune des älteren Futhark berichtet habe, Fehu. Danach wandte ich mich der zweiten Rune zu, Uruz und wieder etwas später dann Thurisaz. Doch aufgrund persönlicher Differenzen innerhalb der Mini-Runenschnitz-AG habe ich die Runen dann liegen lassen – wollte sie auch nicht mehr weiter verfolgen. Das sahen die Runen aber anders, raunten weiter, riefen weiter und so bin ich nun also wieder dabei, sie zu ergründen. Manchmal kann man es sich wohl nicht aussuchen, womit man sich gerade beschäftigen möchte. 😉

Uruz wird ja traditionell unter anderen mit dem Auerochsen in Verbindung gebracht oder mit der Urkuh Audumla. Tatsächlich sah ich auch immer Hörner in der Rune (jedenfalls wenn man sie verkehrt herum betrachtet). Mein Sternzeichen ist Stier und so dachte ich, ich käme sicher gut mit der Uruz-Kraft zurecht. Während Fehu allerdings in mir brannte, war Uruz zunächst ganz sanft spürbar. Als ich versuchen wollte, die Kraft zu verstärken, bekam ich furchtbare Nackenschmerzen aus heiterem Himmel. Ich erinnerte mich, dass der Nacken in der Astrologie dem Stier zugeordnet ist …
Außerdem wurde ich furchtbar … hm, gemütlich. Ich richtete das Wohnzimmer neu ein, voller gemütlicher Dinge und hatte gar nicht mehr recht Lust, viel auszugehen – heimelig sein war schöner. Außerdem hatte ich einen großen Kreativitätsschub. Das passt zumindest dazu, dass Uruz ja auch eine Rune der Schöpfung ist.

Vor Thurisaz schließlich hatte ich Angst. Sie steht unter anderem für Kampf, Gewalt, Machtausübung, Zwang, Konfrontation … nicht gerade die schönsten Aussichten, oder? Letztlich habe ich mich ihr aber gestellt und sie durchaus auch positiv wahrgenommen. Die Rune hat eine phallische Form und für mich war der sexuelle Aspekt auch sehr stark wahrnehmbar – meine Träume in der Zeit, in der ich mich mit Thurisaz beschäftigte, waren gewiss nicht jugendfrei. 😉 Thurisaz hat mich manchmal durchaus ein wenig aggressiv gemacht, aber auf positive Weise. Ich habe mich über jene aufgeregt und mich gegen die gewehrt, die mich manipulieren, unterdrücken oder zu etwas zwingen wollten, das ich nicht sein oder tun wollte. Thurisaz war Selbstermächtigung, nicht Machtausübung. Und ganz sicher hieß Thurisaz Konfrontation, aber auch das ist eigentlich nichts Schlechtes (für mich zumindest, denn sie sorgt oft für Klarheit).

Interessant war auch, dass ich beim Auswählen der Holzrohlinge für die Runen intuitiv bei Uruz eine der größten, klobigsten Scheiben gezogen habe und bei Thurisaz die wohl stacheligste (ich habe sie dann aber auch bewusst nicht komplett glatt geschliffen wie die anderen).

Weiter geht es nun mit Ansuz, die ich zuächst mal in einer Trommelreise erkunden möchte.

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Fehu

Vorneweg: Ich hoffe, ihr hattet alle eine schöne Tagundnachtgleiche! Ich musste leider das ganze Wochenende in der Uni verbringen. Ernte-Zeit eben, noch ist nicht alles in trockenen Tüchern. 😉

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Meine Auseinandersetzung mit Fehu, der ersten Rune, ist nun erstmal beendet und das ist auch gut so. Fehu ist der Anfang, der Urknall und das Chaos. Ein gewaltiges, energiereiches Chaos! Fehu hat mich dazu gebracht, tausend neue kreative oder produktive Dinge anzufangen oder anfangen zu wollen, aber letztlich endete es im Chaos, nichts ist wirklich fertig geworden (außer Fehu selbst).

Fehu ist Feuer. Fehu hat in mir gebrannt. Ich habe gebrannt. Ich war rastlos, erfüllt mit Feuer(eifer), schnell wütend und leidenschaftlich. Ich wollte Fehus Kraft nutzen, um mehr zu schaffen, mehr zu brennen, aber Fehu arbeitet nur mit dem, was da ist. Fehu hat mich ausgebrannt, als nichts mehr da war, an dem meine Flammen lecken konnten.

Interessant war auch der Versuch, Fehu mit Reiki zu kombinieren. Ich behandelte eine meiner Zirkelschwestern (und sie danach mich), die sich mir in der Runenarbeit angeschlossen hat, mit Reiki und versuchte gleichzeitig, die Energie von Fehu mithineinzukanalisieren, indem ich Fehu chantete und visualisierte. Die Energie war, im Gegensatz zum gewöhnlich Reiki, heiß, kraftvoll und stark, aber sie war auch sehr schlau. Fehu hat mich geleitet, hat mich mal lauter, mal leiser chanten lassen, je nachdem, wie es gebraucht wurde.

Fehu steht für Besitz, beweglichen Reichtum. Interessanterweise hatte ich mit Fehu ganz oft mir sonst recht fremde Kaufgelüste und trotzdem blieb mein Konto stetig gut gefüllt, was auch daran lag, dass ich für jedes neue Teil etwas Altes verkaufen konnte, das fand ich schon witzig. Ich bin mir noch nicht sicher, was mir das sagen soll, wenn es überhaupt Bedeutung hat.

An einem Nachmittag habe ich dann gemeinsam mit meiner Mitstreiterin Fehu geschnitzt. Dabei bin ich einen Kompromiss eingegangen – einerseits wollte ich keine gekauften Runen, andererseits fehlt mir aber bei all den Prüfungen derzeit auch die Zeit, etwas von Grund auf selbst zu machen. Als ich dann im Dekoladen kleine Holzscheiben im Sonderangebot sah, griff ich gleich zu. Wir haben die Plättchen geschliffen, Fehu eingeritzt, die Kerben nochmal mit roter Acrylfarbe nachgezogen. Ein bisschen Blut durfte es auch sein (ich habe mich eh beim Ritzen schon ständig geschnitten). Weil ich ein Duftmensch bin, habe ich die Rune auch noch mit einem ätherischen Balsam beduftet und letztlich das Ganze dann mit Leinöl versiegelt. Danach haben wir noch eine Weile Fehu intoniert, ein bisschen für Freya geräuchert. Wenn ich meine Fehu-Rune nun in die Hand nehme, wiegt sie schwer, pulsiert leicht und warm.

Jetzt geht es weiter mit Uruz – auf dass sie dem Chaos Form gibt, ich bin gespannt!

Das Raunen der Runen

Lange habe ich keinen Zugang zu allem gehabt, was irgendwie in Richtung nordisch-germanische Mythologie/Spiritualität geht. Obwohl ich die Leute aus dem Asatru-Bereich, die ich kennen lernen durfte, extrem sympathisch und ihre Art ihre Religion zu leben sehr interessant, ehrlich und schön finde, war es nie meins. Doch dann kam in einem Forum der Vorschlag einer Runen-AG auf und irgendwie dachte ich, vielleicht probiere ich es doch noch einmal. Und siehe da, sie haben mich voll und ganz erwischt!

Vielleicht bin ich es damals falsch angegangen. Man kann nicht einfach ein Buch über Runen lesen und dann offenbaren sie sich dir. Runen müssen erlebt, gefühlt, erkundet werden. Natürlich komme ich als Buchwurm und Wissensdurstige dennoch nicht umhin, das Thema auch zu erlesen. Es geht aber mehr um Hintergründe. Nicht darum also, was irgendein moderner Esoheini Fehu für magische, spirituelle Kräfte zuschreibt (womit ich nicht sagen will, dass das alles Quatsch sei). Sondern darum, herauszufinden, was die Rune wohl wirklich bedeutet hat und sich dann diesem Thema zu nähern. Wenn Fehu also für Vieh steht, was für Vieh hatten die Germanen damals? Welche Bedeutung hatte es für sie? Und was ziehe ich daraus für mich?

Neben der Theorie kommt natürlich die Praxis. Man kann auf so viele Arten mit Runen arbeiten, ist mir in der AG klargeworden. Ich kann sie intonieren, bei mir tragen, mir aufzeichnen, ich kann sie stellen, bereisen. Ich kann Runenkekse backen und sie essen. Ich kann sie tanzen, flüstern, schreien, was mir eben einfällt und passend erscheint. Und es wirkt bisher schon ganz erstaunlich …

Wichtig ist für mich dabei vor allem, mir Zeit zu lassen – jede Rune verdient 1 bis 2 Wochen (mindestens!), um sich mit ihr anzufreunden, sie kennen zu lernen. Ich bin gespannt, wie sich das entwickelt und wie ich mich dabei entwickle.

Habt ihr auch schon eure Erfahrungen mit Runen gemacht?